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Foodora und Deliveroo: Neue Lieferdienste erobern Berlins Kieze

Ein Lieferdienst-Fahrer holt eine Bestellung im Burgerladen ab.

Ein Lieferdienst-Fahrer holt eine Bestellung im Burgerladen ab.

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Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

Wer in Berlin U-Bahn fährt, kommt an den neuen Liefer-Start-ups nicht vorbei. „Berlin isst anders“ steht pink umrandet auf dem Plakat in der U-Bahn-Station. Gegenüber, auf dem anderen Gleis, türkis umrandet: „Berlin isst besser.“ Foodora gehört das erste Plakat, Deliveroo das zweite. Beide Start-ups liefern sich derzeit nicht nur in den U-Bahn-Stationen mit Rabattaktionen einen erbitterten Konkurrenzkampf. Es geht darum, wer Marktführer bei einem neuen Typus von Lieferdienst wird.

Lieferdienste wurden bislang meist mit billigem Fast Food gleichgesetzt. Deliveroo und Foodora haben ein anderes Konzept. Sie haben den Anspruch, aus den beliebtesten Restaurants und Imbissläden im Kiez zu liefern. „Bei uns hat man nicht zehn Sushi-Restaurants zur Auswahl, sondern drei aus der Nähe und kann sich dafür sicher sein, dass die auch gut sind,“ sagt Foodora-Mitgründer Julian Dames.

Der Unterschied zu Lieferplattformen wie Lieferando, Lieferheld oder Pizza.de: Diese vermitteln nur die Bestellungen an die Restaurants. Um die Auslieferung müssen sie sich hingegen selbst kümmern – zu teuer und umständlich gerade für kleinere, beliebte Läden. Die Liefer-Start-ups des neuen Typs setzen genau an diesem Punkt an. Sie haben eine Flotte von Fahrern, mit denen sie die Auslieferung übernehmen. Die Restaurants müssen sich nur um die Küche kümmern, den Rest erledigen die Start-ups.

Weniger Leute im Laden

Besonders für Restaurants wie Berlin Burger International in Neukölln ist das ein verlockendes Angebot. Der Burgerladen ist äußerst populär – und klein. Drinnen gibt es nur ein paar Hocker. Im Winter wird so deutlich weniger verkauft als im Sommer, wenn die Bänke vor dem Laden besetzt sind. Geschäftsführer Thimo Gladel hatte deshalb vor einiger Zeit den Plan, einen eigenen Lieferdienst aufzubauen. Doch das erschien ihm zu komplex und zu teuer. Nun liefert er seit einigen Monaten über Deliveroo und seit Kurzem auch über Foodora aus. Die Nachfrage sei enorm, sagt Gladel. Inzwischen kämen etwas weniger Leute in seinen Laden. Dafür mache er schon rund ein Fünftel seines Umsatzes über die Lieferdienste.

Eine ordentliche Portion des Umsatzes geht dabei an die Lieferdienste. Die Konditionen sind von Restaurant zu Restaurant unterschiedlich, aber nach Recherchen der Berliner Zeitung liegt die Abgabe meist bei 25 bis 30 Prozent. Um sich ihre Marge nicht verderben zu lassen, erhöhen einige Restaurants online leicht ihre Preise – auch wenn Deliveroo und Foodora die Läden drängen, ihre Gerichte zu den gleichen Preisen anzubieten. Doch die Konkurrenz zwischen den Diensten gibt gerade im Kiez Restaurants eine gewisse Verhandlungsmacht.

Das Ansatz der neuen Dienste bringt es mit sich, dass sich das Angebot von Kiez zu Kiez stark unterscheidet. In Mitte wird aus völlig anderen Restaurants geliefert als in Neukölln, da die Plattformen nur mit Restaurants arbeiten, aus denen die Fahrradkuriere innerhalb von zehn Minuten liefern können. „Sonst funktioniert das mit der Qualität nicht“, sagt Deliveroo-Mann Chrobog. Foodora-Mitgründer Dames sagt: „Wir denken über Berlin und über fünf weitere Städte.“ So hyperlokal das Angebot auch ist: Hinter beiden Diensten stehen finanzkräftige Investoren, die sich weltweit einen Kampf um Kunden liefern. Foodora wurde von der Start-up-Fabrik Rocket Internet aufgebaut und gehört inzwischen zu dem milliardenschweren Lieferdienst-Imperium Delivery Hero aus Berlin, das auch die Plattformen Lieferheld und Pizza.de betreibt.

Beschäftigt in der Zentrale 120 Mitarbeiter: Foodora-Mitgründer Julian Dames.

Beschäftigt in der Zentrale 120 Mitarbeiter: Foodora-Mitgründer Julian Dames.

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Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

Schon zwei Jahre vor Foodora wurde in London Deliveroo gegründet. Risikokapitalinvestoren haben in den Dienst rund 200 Millionen US-Dollar gepumpt. Mit dem Geld ist Deliveroo inzwischen in 50 Städten in zwölf Ländern vertreten, Berlin war im Juni 2015 eine der ersten. Foodora expandierte ebenfalls bereits in ein Dutzend Märkte. Von Amsterdam über Sydney bis Dubai liefern sich die beiden Dienste nun einen Kampf um die Vorherrschaft im gehobenen Liefersegment.

In Berlin wachsen derzeit beide Dienste nach eigenen Angaben sehr stark. Doch Deliveroo-Deutschlandchef Chrobog sagt: „Damit wird es irgendwann vorbei sein.“ Er ist überzeugt: „Ab einem gewissen Punkt wird sich einer absetzen.“ Dem Modell der Lieferdienste wohnt nämlich die Eigenschaft inne, den Marktführer zu begünstigen: Wer in einem Kiez mehr Bestellungen hat, kann die Fahrer effizienter auslasten und ist für beliebte Restaurants attraktiver, was zu mehr Bestellungen führt.

Deliveroo-Manager Felix Chrobog hat 35 Mitarbeiter in Berlin, die Zentrale ist in London.

Deliveroo-Manager Felix Chrobog hat 35 Mitarbeiter in Berlin, die Zentrale ist in London.

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Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

Das Wetter spielt mit

Eine der Haupt-Herausforderungen ist die rasche Veränderung des Bestellaufkommens. In Stoßzeiten können sich die Bestellungen schon mal verdoppeln. Foodora war in der Vergangenheit immer wieder gezwungen, ganze Kieze offline zu nehmen, damit die Fahrer anderenorts aushelfen. Mit Algorithmen, die Faktoren wie TV-Programm und Temperaturen berücksichtigen, versucht der Dienst vorherzusagen, wann viele Fahrer benötigt werden – und wann nicht.

„Wichtiger als das Wetter sind Wetterwechsel“, sagt allerdings Foodora-Mitgründer Dames. „Wenn nach drei Tagen Regen die Sonne scheint, bestellt erstmal fast niemand mehr.“