15.07.2011

Frauen und Rente: Teilzeit-Jobs reichen nicht


Foto: dpa

Altersarmut bedroht besonders Frauen: Sie nehmen oft Auszeiten vom Job, etwa um sich um die Familie zu kümmern. Fünf Fallen – und wie Sie ihnen entgehen.

Altersarmut droht in Deutschland zum Problem zu werden – weil die Renten nicht mehr so steigen wie die Lebenshaltungskosten, weil Erwerbsbiografien häufiger Lücken haben, weil mehr Menschen nur ein geringes Einkommen aus einem Mini- oder Teilzeitjob haben.

Das trifft besonders auf Frauen zu: Sie nehmen oft Auszeiten vom Job, um sich um die Familie zu kümmern – Frauen kommen heute im Schnitt auf 26 Jahre Berufstätigkeit, Männer auf 37. Sie verdienen im Schnitt 20 Prozent weniger als Männer im gleichen Job – wenn sie nicht ohnehin in Teilzeit arbeiten. Ihre Renten fallen daher wesentlich niedriger aus: Die Durchschnittsrente der Frauen, die in den alten Bundesländern 2010 in Rente gingen, betrug laut Deutscher Rentenversicherung 463 Euro, bei den Männern waren es 860 Euro.
Drei Viertel der heute 30- bis 59-jährigen Frauen werden laut einer Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge ihren Lebensstandard im Alter nicht halten können. Schon heute sind zwei Drittel der über 65-Jährigen, die von Grundsicherung leben, Frauen.
Besonders Frauen sollten daher frühzeitig auch in die private Altersvorsorge investieren. Immerhin: In den vergangenen Jahren war schon über die Hälfte der Teilnehmer in den Kursen der Initiative „Altersvorsorge macht Schule“ weiblich. Dass Frauen sich nicht um die Altersvorsorge kümmern, stimmt also nicht. Aber sie haben es schwerer und übersehen oft einige Fallen.

Investieren im Trend

Frauen haben Nachholbedarf, was Finanzen angeht? Stimmt nicht – in einigen Bereichen haben sie sogar die Nase vorn.

1. Finanzprodukte verstehen

Frauen fragen nach, so Heide Härtel-Herrmanns Erfahrung – sie tun nicht so, als würden sie etwas verstehen, sie wollen wirklich verstehen. Eine Umfrage unter ihren Kundinnen ergab, dass sich 53 Prozent von ihnen nach der Finanzkrise besser informieren wollen über Finanzdinge – von den befragten Männern hatte nur ein einziger diese Antwort angekreuzt.

2. Wissen realistisch einschätzen

Frauen bleiben bei dem, was sie verstehen – auch wenn das eher konservative Anlageformen sind. Und Zocken ist spätestens seit der Finanzkrise nicht mehr angesagt.

3. Nachhaltig investieren

Frauen interessieren sich besonders für ethisch korrekte Investments. Sie fragen gezielt nach, wo ihr Geld investiert wird und nutzen die entsprechenden Produkte von Versicherungen und Fondsgesellschaften. Finanzexperten gehen inzwischen davon aus, dass sich der Einstieg beispielsweise in Energie- und Umwelttechnologien, aber auch in andere nachhaltige Finanzanlagen langfristig lohnen wird.
4. Durchhaltevermögen zeigen

„Frauen brauchen oft länger für ihre Entscheidung, bleiben dann aber dabei“, sagt Finanzberaterin Heide Härtel-Herrmann. Im Hinblick auf langfristige Investitionen – wie bei der Altersvorsorge – sei das ein großer Vorteil: „Es ist albern, ständig zwischen Investmentfonds hin und her zu wechseln. Daran verdienen nur die Banken“, so die Diplom-Ökonomin.

5. Flexibel bleiben

Frauen achten sehr stark auf flexible Verträge – sie wissen, dass sie sich ein Türchen offen lassen müssen, falls sich ihre berufliche Situation ändert. Das gilt für beide Richtungen, also auch nach oben. Auch die Karrieren von Männern sind längst nicht mehr so geradlinig, wie sie es vielleicht mal waren – für sie wird Flexibilität bei Verträgen also ebenfalls wichtiger.

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