blz_logo12,9
Berliner Zeitung | Gemeinsame Ausbildung: Regierung plant Reform der Pflege-Ausbildung
06. January 2015
http://www.berliner-zeitung.de/22837378
©

Gemeinsame Ausbildung: Regierung plant Reform der Pflege-Ausbildung

Die Zahl der offenen Stellen in der Altenpflege wird immer größer.

Die Zahl der offenen Stellen in der Altenpflege wird immer größer.

Foto:

dpa

Berlin -

Als ein Mittel zur Bekämpfung des drohenden Pflegenotstandes in Deutschland plant die große Koalition eine Reform der Ausbildung: Die Kranken- und Altenpflege-Ausbildung soll zusammengelegt werden. „Der Wechsel zwischen den Berufen in der Pflege muss erleichtert werden“, so haben es Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart. Dadurch soll der Pflegeberuf attraktiver werden. Mit einem neuen „Pflegeberufegesetz“ wollen die Koalitionäre dazu ein einheitliches Berufsbild des Pflegers schaffen.

Vorgesehen ist eine gemeinsame Grundausbildung mit einer darauf aufbauenden Spezialisierung für die Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege. Bisher handelt es sich um drei verschiedene Berufe mit völlig getrennten Ausbildungen.

Die Argumente für die sogenannte generalistische Pflegeausbildung sind vielfältig, Union, SPD, Caritas und Diakonie sowie wichtige Berufsverbände führen unter anderem den demografischen Wandel an. „Heute haben Sie es im Krankenhaus immer stärker mit pflegebedürftigen Menschen und in der Pflege mit oftmals schwer kranken Menschen zu tun“, sagt der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU).

Pfleger noch oft überfordert

Tatsächlich sind Krankenpfleger in einer Klinik oft überfordert, wenn sie es beispielsweise mit Patienten zu tun haben, die an Demenz leiden. Ein Altenpfleger weiß dagegen sehr genau, wie er mit einem Demenzkranken umgeht. Umgekehrt landen in den Pflegeeinrichtungen immer mehr Menschen, die auch medizinisch versorgt werden müssen. Denn die Gesundheitsgesetzgebung hat dafür gesorgt, dass die Verweildauer in den Kliniken immer kürzer wird.

So müssen aufwendige Verbände auch im Pflegeheim gelegt werden. Traditionell ausgebildete Pfleger hätten nicht das Wissen, um dieser neuen Situation gerecht zu werden, wird argumentiert. „Die Pflegefachkräfte brauchen eine Ausbildung, die sich auf alle Sektoren und alle Altersgruppen bezieht“, sagt SPD-Gesundheitsexpertin Hilde Mattheis.

Reform soll Ausbildung interessanter machen

Den Befürwortern der einheitlichen Ausbildung geht es vor allem aber darum, mehr junge Leute insbesondere für den Beruf des Altenpflegers zu gewinnen. „Die Generalistik wertet den Altenpfleger auf“, ist Mattheis überzeugt. In der Öffentlichkeit gilt der Beruf als unattraktiv: alten Menschen den Po abwischen, hoher Zeitdruck, miese Bezahlung. Entsprechend gering ist das Selbstbewusstsein dieser Berufsgruppe, hat Laumann beobachtet. Krankenpfleger genießen dagegen ein hohes Ansehen, obgleich die Arbeitsbedingungen oft gar nicht viel besser sind.

Da die generalistische Ausbildung zudem erstmals den unkomplizierten Berufswechsel zwischen der Alten- und Krankenpflege ermöglicht, erhoffen sich die Befürworter eine höhere Anziehungskraft des Pflegeberufs. Gerade die Möglichkeit, in verschiedenen Lebensabschnitten ohne Hürden in unterschiedlichen Bereichen arbeiten zu können, mache die Attraktivität eines Berufs aus, so der Deutsche Pflegerat.

Einige Branchenvertreter, etwa der Berufsverband für Altenpflege oder der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste, sind allerdings strikt gegen die Zusammenlegung. Sie befürchten, dass die Generalistik zu einer Schmalspurausbildung nach dem Motto „ein bisschen von allem“ führt. „Die Pflege alter Menschen darf nicht zum Unterrichtsfach einer Basis-Pflegeausbildung werden“, warnt der Altenpflege-Verband.