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Giftstoffe bei „Prinzessin Lillifee“ & Co: Gefährliche Weichmacher im Spielzeug

Eine Chemisch Technische Assistentin (CTA) bereitet in einem Extraktionsapparat im Labor Proben von Weichmachern für die Untersuchung vor. (Archiv)

Eine Chemisch Technische Assistentin (CTA) bereitet in einem Extraktionsapparat im Labor Proben von Weichmachern für die Untersuchung vor. (Archiv)

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dpa/dpaweb

In Kinderaugen sind sie ein Sahnehäubchen. Figuren, Aufkleber und Utensilien, die zu den kleinen Helden von Benjamin Blümchen bis Yakari passen, liegen vielen Kindermagazinen bei und erfreuen sich beim Nachwuchs außerordentlicher Beliebtheit. Schlechterdings enthalten zahlreiche der verkaufsfördernden Zugaben gefährliche Schadstoffe. So waren nur zwei von acht Kleinspielzeugen aus Kinderheften, die die Bundestagsfraktion der Grünen von einem Labor analysieren ließ, völlig frei von giftigen Rückständen.

Nach den Untersuchungsergebnissen, die der Berliner Zeitung vorliegen, enthielten alle übrigen Kleinspielzeuge Substanzen, die als gesundheitsschädigend gelten. So fanden sich: Schwermetalle, Verbrennungsrückstände und Weichmacher, teils in geradezu gemeingefährlicher Konzentration. In einem Fall, einer gelben Einhorn-Figur aus dem Heft „Die Prinzessin und das Einhorn“, wurde der zulässige Grenzwert für den Weichmacher Diethylhexylphtalat (DEHP) um das 87-Fache überschritten Die grünen Verbraucherschutz-Expertinnen Bärbel Höhn und Nicole Maisch haben am Donnerstag bei der Staatsanwaltschaft Berlin Strafanzeige gegen die Verlagsunion KG aus dem südhessischen Walluf gestellt, die das Heft vertreibt.

Mit DEHP ist nicht zu spaßen. Der Stoff steht im Verdacht, Entwicklungsstörungen hervorzurufen und die Fortpflanzungsfähigkeit des Menschen zu zerstören. In der EU-Chemikalienverordnung REACH ist DEHP gelistet und mit einem Grenzwert von 0,1 Prozent belegt. Das Einhorn hingegen besteht den Labortests zufolge zu 8,7 Prozent aus DEHP. Maisch bezeichnet ein solches Spielzeug „Körperverletzung“. Giftige Stoffe hätten im Kinderzimmer nichts zu suchen, bekräftigt ihre Fraktionskollegin Höhn.

Dabei bezieht sich die Politikerin nicht allein auf DEHP: Ein Deputy-Abzeichen aus dem Heft „Dino Action“ enthielt policyclische aromatische Kohlenwasserstoffe in einer Konzentration, die für Kleinkinder nicht zugelassen ist, sowie Cadmium und Blei. Diese Schwermetalle wurden auch in einem Tomahawk aus dem Yakari-Magazin entdeckt. Ein Glitzerfächer aus einem „Prinzessin Lillifee“-Heft sowie eine Meerjungfrau-Figur aus dem „Filly“-Magazin enthielten „nur“ Cadmium in geringerer Konzentration. Die Verlage dieser Kinderhefte seien gefordert, die Schadstoffmengen so weit wie möglich zu reduzieren, fordert Höhn. Andernfalls müssten Gesetze und staatliche Kontrollen verschärft werden.

Vor zwei Jahren waren schon einmal Beigaben in Kindermagazinen wegen hoher Schadstoffbelastungen in die Kritik geraten. Damals veröffentlichte die Zeitschrift Ökotest Untersuchungsergebnisse deutscher Überwachungsbehörden, die sich auf eingeklebte Schminkprodukte in Kindermagazinen bezogen. Dabei waren in 22 von 46 Proben verbotene Substanzen entdeckt worden.

In einer zweiten Untersuchung stellte Ökotest in 14 von 25 Spielzeugbeigaben bedenkliche Schadstoffanteile fest. Zwei Produkte enthielten Weichmacher in nicht verkehrsfähiger Konzentration. Die zuständigen Bundesminister für Wirtschaft und Verbraucherschutz, Philipp Rösler (FDP) und Ilse Aigner (CSU), hätten „beim Thema Spielzeugsicherheit auf der ganzen Linie versagt“, so Maisch.