Der Traum vom großen Reichtum bestand aus einer schwindelerregenden Zahl mit zwölf Nullen. Fast 6.000.000.000.000 US-Dollar, in Worten sechs Billionen Dollar oder 4,6 Billionen Euro. Eine unvorstellbare Summe war es, die eine italienische Betrügerbande in Form von angeblichen US-Staatsanleihen zu Geld machen wollte. Es scheint ein Stoff für einen Welterfolg im Kino, einen Hollywood-Streifen in der Tradition großer Ganoven-Filme.
Es geht dabei um drei dunkle Truhen aus Holz, prall gefüllt mit 5973 US-Schuldscheinen in Höhe von je einer Milliarde Dollar, ausgegeben im Jahr 1934 und fein säuberlich nummeriert. Die Hauptakteure sind ein paar Süditaliener und einige Ausländer, einer ist sogar ein linker Ex-Bürgermeister. Sie sind schlau, sehr dreist und international vernetzt, einige bereits vorbestraft. Auch die Mafia und gierige Schweizer Banken spielen eine Rolle.
Jahrelang gegen Betrüger ermittelt
Ihnen gegenüber stehen aufrechte Ermittler auf der ganzen Welt, in Italien, der Schweiz und den USA, Interpol ist eingeschaltet und natürlich die CIA. Sie wühlen und graben jahrelang im Verborgenen, hören Tausende von Telefongesprächen ab. Am vergangenen Freitag schnappte die Falle zu.
Die Operation Vulcanica endet mit einem triumphalen Erfolg. Ihren Namen gab ihr ein längst erloschener Vulkan im Hinterland von Potenza, der Hauptstadt der kleinen süditalienischen Region Basilicata, wo die Chefs der Gang leben. Der Traum vom großen Geld endet jäh.
Acht Personen nahm die Polizei am vergangenen Freitag in ganz Italien fest. Sie sitzen nun in Untersuchungshaft. Es droht ihnen eine Anklage wegen Betrugs, Kreditkartenfälschung und noch einigem mehr.
Hätte die Sache geklappt, wäre es der größte Finanzbetrug der modernen Geschichte geworden. Mehr noch, der Deal hätte, das glauben zumindest die italienischen Ermittler, sogar zu „einer ernsthaften Bedrohung der internationalen Finanzstabilität“ werden können. Immerhin beliefen sich die vermeintlichen Wertpapiere auf fast die Hälfte der gesamten amerikanischen Schuldenlast – die beträgt derzeit 15,4 Billionen Dollar.
Der Plan der Betrüger war simpel
Der Plan der Betrüger war simpel – allzu simpel. Am Ende taugte er nur für ein D-Movie. Sie bauten darauf, dass Anleger in Europa nicht mit US-Schuldscheinen vertraut sind. Schließlich sahen die angeblichen Wertpapiere täuschend echt aus. Welcher Europäer weiß schon, dass die amerikanische Notenbank niemals, auch nicht nach der Großen Depression, derart hohe Schuldscheine ausgegeben hat?
Vor allem in Italien sind in den vergangenen Jahren immer wieder Geschäfte mit gefälschten US-Anleihen aufgeflogen. Und Schuldscheine für mindestens eine Milliarde Dollar, das war dann doch zu viel. Deshalb versuchten sie schließlich, die Papiere zum Schleuderpreis an klamme Regierungen in der Dritten Welt – und sogar an Schweizer Banken zu verkaufen.
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