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Gründungen: Warum es immer weniger tun

Die Zahl der Unternehmensgründungen ist im vergangenen Jahr auf einen neuen Tiefststand gesunken. So wurden 2012 nur noch 775.000 Gründerinnen und Gründer gezählt. Das waren 60.000 weniger als 2011 und sogar 166.000 weniger als 2010. Seit 2001 sank die „Gründerquote“, die den Anteil an der Unternehmensgründer an der Bevölkerung zwischen 18 und 65 Jahren angibt, von 2,92 auf 1,5 Prozent – und damit auf den niedrigsten von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) je gemessenen Wert. Damit ging auch die Beschäftigung in Gründungsunternehmen deutlich zurück, von 592.000 Vollzeitstellen 2010 auf 386.000 im vergangenen Jahr.

Angesichts dieser Entwicklung sollte sich die Bundesregierung eigentlich alarmiert zeigen. Schließlich hatte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) anlässlich der Gründerwoche im November 2012 noch betont: „Gründerinnen und Gründer sorgen für Fortschritt und Innovationen und damit für Wachstum und Wohlstand in Deutschland.“ Wie reagiert das Regierungslager also auf die rapide ermüdenden Gründungsaktivitäten?

In einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der SPD-Fraktion heißt es, man beobachte die Entwicklung, werde eine Evaluation durchführen und sei überdies bestrebt, den Anteil der Gründerinnen im bisher männerdominierten Gründungsgeschehen zu erhöhen. Sonderlich besorgt klingt das nicht.

Die beschwichtigende Diktion hat einen einfachen Grund: Eine wesentliche Ursache des Rückgangs ist dem jüngsten Gründungsmonitor der KfW zufolge nämlich die „restriktivere Ausgestaltung“ der Gründungsförderung für Arbeitslose. Konkret bedeutet das: Die Bundesregierung strich die Mittel, mit denen Unternehmensgründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus von der Bundesagentur für Arbeit bezuschusst werden, von 1,87 Milliarden Euro im Jahr 2010 auf 890 Millionen Euro im vergangenen Jahr zusammen. Für 2013 sind gerade noch 600 Millionen Euro im BA-Haushalt der Gründungsförderung zugedacht. 2011 waren die Fördervoraussetzungen verschärft, die Förderdauer verkürzt und die Förderung als solche von einer Pflicht- zu einer Ermessensleistung abgestuft worden.

Die Folgen sind dramatisch: Wurden 2010 noch 146.512 Existenzgründungen durch die BA neu bewilligt und bezuschusst, waren es 2012 nur noch 20.321 – ein Rückgang von 86 Prozent. Insgesamt sank die Zahl der Unternehmensgründungen aus der Arbeitslosigkeit im gleichen Zeitraum von knapp 256.000 auf gut 136.000.

Die Bundesregierung räumt ein, es sei von einem „Zusammenhang“ zwischen rückläufiger Gründungsaktivität und geminderter Förderung auszugehen. Eine „umfassende Interpretation“ indessen könne „nur im Rahmen einer Evaluation“ erfolgen.

Das klingt dröge. Welch wunderbar dynamischen Gegensatz bildeten Röslers Worte zur Gründerwoche 2012: Man wolle „überall in Deutschland Erfolgsgeschichten erzählen und Perspektiven aufzeigen, um Mut zu machen für unternehmerische Selbstständigkeit.“ Also fordern, aber nicht fördern.