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Havard-Ökonom Kotz: "Eine Rezession in Europa ist wahrscheinlich"

Droht eine Rezession in Euroland?

Ja, die Gefahr ist allzu wahrscheinlich. Es gibt nur recht unplausible Modelle, die dies nicht erwarten lassen. Und eine solche Rezession macht, da die Zinsen deutlich über der Wachstumsrate liegen, das Bedienen der Schulden immer schwieriger, und damit unwahrscheinlicher. In Griechenland ist der Fall evident, aber auch Portugal ist problematisch. Gefahr droht eventuell sogar in Spanien und Italien, obwohl diese fundamental anders gelagert sind, es also im Prinzip selber schaffen können. Bei diesen Ländern ist die Lage problematisch, weil die Anschlussfinanzierung prekär wird. Es geht um ein Liquiditäts- aber kein Zahlungsfähigkeitsproblem.

Sie propagieren also neue Staatsschulden?

Ich propagiere sie nicht, aber die gegenwärtig umgesetzten Politikansätze werden zwangsläufig dazu führen, siehe Griechenland, Portugal, Irland. Hier ist die Zeitdimension wichtig. Kurzfristig geht fast nichts. Das zeigen unter anderem Arbeiten des Internationalen Währungsfonds IWF. Die Antwort eines typischen US-Ökonomen ist, Impulse zu geben, um zum Potential zurückzukommen.

So wie die Bundesregierung das 2008 und 2009 in Deutschland mit den Konjunkturprogrammen, Stichwort Abwrackprämie, gemacht hat?

Genau. Das hat die Regierung damals sehr erfolgreich hinbekommen. Diese Impulse sind mit dafür verantwortlich, dass Deutschland so rasch wieder das Vorkrisenniveau erreicht hat. Das ist das kurzfristige Problem der meisten Länder, das es vorrangig zu lösen gilt. Mit Ausnahme Deutschlands ist das Gros nämlich noch deutlich unterhalb des Vorkrisenniveaus. Der augenfälligste Ausdruck davon ist, dass in den USA die Zahl der Beschäftigten um 12 Millionen unterhalb des Vorkrisentrends liegt. Zugleich sind mittelfristig verbindliche Konsolidierungsmaßnahmen einzufordern. Die betreffen in vielen Ländern übrigens ungedeckte Versprechen, die nicht in den Haushalten auftauchen. Es geht um einen mittelfristig realistischen Pfad, zurück zu vernünftigen Schuldenrelationen. Der ist nur vorstellbar, wenn man sich Gedanken über Wachstumspotenziale macht. Die Frage lautet folglich: Was passiert, wenn ein Land durch Ausgabenkürzung und Einnahmeerhöhung in einen unkontrollierbaren Abwärtsstrudel rutscht?

Ich stelle die Fragen!

Und das ist gut, weil so die Antworten deutlicher werden. Die Verschuldung steigt gerade in den Staaten, die in einer Situation der Unterauslastung versuchen, den Gürtel massiv enger zu schnallen. Ich beziehe mich wieder auf die IWF-Studien. Die Schuldenquote ist ein Bruch. Oben, im Zähler, stehen die Verbindlichkeiten. Unten, im Nenner, steht die Wirtschaftskraft, das BIP. Wenn der Nenner schrumpft, weil die Nachfrage einbricht, steigt die Quote, selbst wenn die Verschuldung gar nicht zunimmt. Doch genau das passiert in Rezessionen, quasi-automatisch. Höhere Ausgaben etwa für Arbeitslose und geringere Steuereinnahmen sind die Folge. Ohne eine mittelfristige Wachstumsperspektive geht es nun mal nicht.

Seite 3: Worüber die tonangebenden US-Ökonomen diskutieren

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