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Helios- und Rhön-Kliniken: Gigantische Fusion

Helios-Klinikum (Emil von Behring) in Berlin-Zehlendorf.

Helios-Klinikum (Emil von Behring) in Berlin-Zehlendorf.

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imago stock&people

Der Weg für den Zusammenschluss deutscher Klinik-Betreiber zum größten privaten Krankenhausunternehmen Europas ist frei: Das Bundeskartellamt gab am Donnerstag grünes Licht für den Verkauf von 40 Rhön-Kliniken an den hessischen Medizin-Konzern Fresenius, der über die Helios Kliniken GmbH 70 Krankenhäuser betreibt. Die Zentrale des fusionierten Giganten wird in Berlin angesiedelt, wo Helios schon bisher seinen Sitz hat. Legt man die jüngsten Firmenzahlen zugrunde, wird der neue Konzern jährlich mehr als fünf Milliarden Euro umsetzen.

Für die Übernahme von 40 Kliniken und 13 medizinischen Versorgungszentren zahlt Fresenius drei Milliarden Euro an die Rhön Klinikum AG. Der Verkaufserlös soll vor allem den Aktionären zugute kommen.

Abstriche am Ursprungsplan

Ursprünglich hatten beide Unternehmen eine noch weitergehende Fusion geplant. Helios hatte nämlich 43 Kliniken und 15 Zentren von Rhön übernehmen wollen. Damit wäre an einigen Standorten aber ein Anbietermonopol entstanden, dem das Kartellamt nicht zustimmen konnte. „Wettbewerbliche Bedenken wurden auf vier Krankenhausmärkten festgestellt“, erklärte Kartellamtspräsident Andreas Mundt am Donnerstag. Diese seien aber ausgeräumt worden: Die Rhön-Krankenhäuser in Boizenburg, Cuxhaven und Waltershausen-Friedrichroda sowie zwei Versorgungszentren wurden von der Verkaufsliste gestrichen.

Durch den Klinikverkauf schrumpft die Rhön AG gemessen am Umsatz um rund zwei Drittel. Das Unternehmen möchte sich nach eigenen Angaben künftig auf Häuser konzentrieren, an denen Spitzenmedizin und universitäre Forschung betrieben werden. In der Krankenhausbranche wird seit Monaten spekuliert, wie es mit Rhön nach dem Verkauf weitergeht. Neuer Investor bei Rhön ist die US-Investmentbank Goldman Sachs, die im Januar mit gut drei Prozent einstieg. An eine Übernahme denkt das Geldhaus nach eigener Aussage aber nicht. Der Krankenhauszulieferer B. Braun hat seinen Anteil an Rhön im November auf mehr als 15 Prozent aufgestockt und angekündigt, weitere Aktien zu kaufen. Auch die Konkurrenten Asklepios und Fresenius sind mit jeweils rund fünf Prozent an Rhön beteiligt. Nach Angaben von Rhön soll der Verkauf bis Ende Februar größtenteils abgeschlossen sein. Die Übertragung von zwei Krankenhäusern und drei Servicegesellschaften hänge noch von der Zustimmung Dritter ab. Eine von Helios beabsichtigte Netzwerkvereinbarung mit Rhön wird vom Bundeskartellamt gesondert geprüft.

Der Zusammenschluss ist Teil eines Trends, der sich noch verstärken dürfte: Es entstehen immer größere Krankenhaus-Verbünde mit stärker spezialisierten Kliniken. Derzeit befinden sich von insgesamt 2 000 Häusern noch 600 in öffentlichem Besitz, 700 weitere haben gemeinnützige Träger wie das Rote Kreuz, die übrigen befinden sich in privater Hand. (mit Reuters/tms., rt.)