blz_logo12,9

Hier wollen die Deutschen im Jahr 2045 wohnen

Wohnen in Berlin

Berlin bleibt Lieblingsstadt der Zuzügler.

Foto:

imago/Schöning

Trotz aller Bemühungen zur Ausweitung des Wohnungsangebots wird in Städten wie Berlin, Frankfurt oder Köln der Druck auf die lokalen Immobilienmärkte voraussichtlich über Jahrzehnte hinweg hoch bleiben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Prognos-Instituts und des Versicherungskonzerns Allianz, die am Dienstag veröffentlicht wurde.

Die Nachfrage nach Wohnraum in den wirtschaftsstarken Ballungszentren werde auf lange Sicht weiter zunehmen, schreiben die Experten. Hauptgrund sei die Binnenwanderung, also der Fortzug vorwiegend junger Menschen vom Land und aus kleineren Orten in die großen Städte. Verstärkt werde dies durch einen deutlichen Zuzug aus dem Ausland.


Im Großformat anzeigen

„Für die nächsten 30 Jahre ist daher nicht mit einer Entlastung bereits angespannter Wohnungsmärkte durch eine schrumpfende Bevölkerung zu rechnen“, sagte Allianz-Projektleiter Peter Haueisen. Die Autoren rechnen damit, dass 2045 rund 85 Millionen Menschen in der Bundesrepublik leben werden. Derzeit sind es 81,5 Millionen. Deutschland sei seit 2011 Zuwanderungsland, vergleichbar mit Kanada oder der Schweiz.

Davon profitieren allerdings nicht alle Regionen des Landes: Während die Ballungsräume expandieren und die Wohnungsmieten dort immer weiter steigen, entleeren sich viele Gegenden. Besonders stark betroffen ist nach wie vor Ostdeutschland. Die Fachleute gehen davon aus, dass die Zahl der Haushalte in der Region Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg um fast ein Viertel abnehmen wird. In Halle/Saale, Südsachsen, der Oberlausitz oder in weiten Teilen Mecklenburgs könnte der Rückgang ein Fünftel betragen.

wohnen2

Ganz anders sieht die Situation in den prosperierenden Städten aus: In Berlin, dem Rhein-Main-Gebiet, Köln und Hamburg dürfte die Zahl der Haushalte um jeweils mehr als ein Zehntel zunehmen, heißt es in der Studie.

Die Politik versucht bereits seit einiger Zeit, dem Wohnungsmangel in den Ballungsräumen zu begegnen. Nach Einschätzung von Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) müssen pro Jahr mindestens 350.000 neue Wohnungen entstehen. Vor zwei Jahren war die Regierung noch von einem Bedarf von 275.000 Einheiten ausgegangen, korrigierte diese Zahl aber wegen der Flüchtlingszuwanderung nach oben. Um den Neubau anzukurbeln, hatte die Regierung kürzlich eine steuerliche Sonderabschreibung auf den Weg gebracht.

Geisel bleibt für Berlin optimistisch

Auch die Experten des Prognos-Instituts und der Allianz forderten, die Bautätigkeit deutlich zu steigern. Wenn dies nicht geschehe, könnten allein in den zehn Regionen mit der größten Nachfrage bis 2030 weitere 940.000 Wohnungen fehlen.

Besonders in Berlin werde das zu spüren sein – hier könnten 173.000 Wohnungen fehlen. Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) zeigte sich am Dienstag trotzdem optimistisch. „Im Gegensatz zu anderen Städten und Regionen wächst Berlin“, sagte er der Berliner Zeitung. „Wir haben das Glück, nicht gegen den Leerstand ankämpfen zu müssen, sondern das Wachstum sozial und gerecht gestalten zu können.“

Nach Prognosen seiner Verwaltung wird Berlin am stärksten in den nächsten fünf Jahren wachsen. „Wenn wir bei dem Ziel von 15.000 bis 20.000 neu zu bauenden Wohnungen pro Jahr bleiben, werden wir dieses Wachstum auch meistern können. Halten wir das bis 2030 durch, hätten wir bis zu 300.000 neu gebaute Wohnungen“, so der Senator. Das werde reichen, um den Menschen bezahlbare Wohnungen anbieten zu können.