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Hoher Preis für billige T-Shirts: Umweltschäden und Hungerlöhne

Näherin in chinesischer Fabrik

Näherin in chinesischer Fabrik

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reuters/Kin Cheung

Die billigen T-Shirts in den Filialen der Modeläden richten in den Herstellungsländern riesige Schäden an. Konsumenten, die das nicht unterstützen wollen, haben es aber nicht leicht. Denn bei der Kennzeichnung von Öko- und Bio-Baumwolle herrscht ein unüberschaubares Durcheinander. Nach Ansicht des Beratungsbüros It Fits können die Missstände mit härteren Kennzeichnungspflichten der Handelskonzerne zumindest verringert werden.

It Fits hat im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion umfassend die Produktionsbedingungen und Wertschöpfungsketten für Billig-Textilien analysiert. Die Bilanz fällt erschreckend aus. Der intensive Anbau von Baumwolle zerstöre massiv die Natur. Für ein einziges T-Shirt würden etwa 20.000 Liter Wasser verbraucht, heißt es in der Studie, die den Titel „Der Weg zu nachhaltiger Kleidung“ trägt und der Berliner Zeitung vorliegt. Das führte zum Beispiel dazu, dass der Pegel des Aralsees in Zentralasien vor allem durch den Baumwollanbau so weit gefallen sei, dass dort Fischerei nicht mehr möglich sei. Von einst 173 Tierarten seien dort nur noch 37 übrig.

Die Behandlung des Stoffs mit Chemikalien belaste Menschen und Umwelt – und zwar in Höhe von 150 Gramm pro T-Shirt. Erkrankungen bei Textilarbeiterinnen und Schadstoffe in Gewässern seien die Folge. Letzteres lässt sich nach den Untersuchungen der It-Fits-Experten insbesondere in Mexiko und China nachweisen. Hinzu kämen schlimme Arbeitsbedingungen für die Näherinnen. Arbeitszeiten von 14 Stunden pro Tag seien keine Seltenheit, und der Lohn reiche häufig nicht, um den Lebensunterhalt zu sichern.

Gift gelangt in Nahrungskette

Doch auch die Menschen in den reichen Ländern bekommen einiges von den fragwürdigen Produktionsmethoden in Schwellen- und Entwicklungsländern ab. Schwermetalle und Chemie würden mit den Produkten in die reichen Industrieländer transportiert. Unsere Waschmaschinen waschen sie aus den Stoffen heraus. So gelangt das Gift in die Flüsse und letztlich in die Nahrungskette. „Viele der eingesetzten Stoffe sind krebserregend, hormonell wirksam oder können zu Allergien bei den Trägerinnen führen“, heißt es in der Studie.

It Fits attackiert massiv die großen Textilhandelskonzerne wie H&M oder Zara. Durch niedrige Preise und rasch wechselnde Kollektionen würden die Kunden zu einer Ex-und-hopp-Mentalität erzogen. Die Filialisten bringen inzwischen alle sechs bis acht Wochen neue Mode vor allem für Teenager in die Läden. „Fast Fashion wird massenhaft produziert, gekauft und weggeworfen“ , schreiben die Autoren. 2011 hätten die deutschen Verbraucher knapp sechs Milliarden Kleidungsstücke gekauft, der Durchschnittseuropäer erwarb 65 bis 70 Teile pro Jahr. Auf dem Müll lande zugleich jährlich eine Million Tonnen Textilien.

Daraus lässt sich relativ einfach eine Handlungsanweisung ableiten: Weniger Klamotten kaufen. Das fällt aber einerseits selbst vielen jungen Menschen mit Öko-Bewusstsein relativ schwer. Andererseits stellt sich die Frage, wo der sensible Verbraucher Bekleidung herbekommt, die er guten Gewissens und ohne Angst vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen kaufen kann.

Öko-Kollektion gibt es viele. Doch wer bietet tatsächlich nachhaltige Kleidung an? Hier herrscht Wildwuchs. It Fits hat sage und schreibe 120 verschiedene Siegel gefunden, die weltweit um den umweltbewussten Käufer werben. Das Hauptproblem ist, dass es keine einheitliche Definition für „Öko“ und „Bio“ gibt. So werde Textilien in Extremfällen das Label „Organic“ angehängt, obwohl gerade fünf Prozent der verarbeiteten Baumwolle aus Bio-Produktion stammten.

Viele Labels hätten die Hersteller selbst erfunden. Sie würden lediglich betriebsintern überprüft – was genau dabei kontrolliert werde, sei in vielen Fällen ein Betriebsgeheimnis. Daneben gebe es unabhängige Standards, die von Zertifizierungsstellen überwacht werden. Doch auch hier bleibt einiges im Dunkeln. Etwa wenn es darum geht, wie konsequent die Standards innerhalb der Wertschöpfungskette durchgesetzt werden. Für It Fits ist dieses Chaos einer der Gründe dafür, dass Bio-Textilien bislang nur auf Marktanteile deutlich unter zehn Prozent kommen.

Aus Sicht der Experten ist deshalb klar, dass die großen Handelsketten offenlegen müssen, wo sie zu welchen Umwelt- und Sozialstandard produzieren. Wichtig sei auch, die eingesetzten Weichmacher, Bleichmittel und Farbstoffe zu deklarieren. Nicole Maisch, verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, geht noch einen Schritt weiter. Sie fordert: „Deutsche und europäische Konzerne müssen für Menschenrechtsverletzungen ihrer Subunternehmen in Entwicklungs- und Schwellenländern haftbar gemacht werden können.“