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Honorarreform: Ärzte streiten um Verteilung der Honorare

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Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) will die Honorare der Hausärzte neu verteilen. Besonders Ärzte auf dem Land würden dabei mehr Geld bekommen.

Die Honorare der rund 60000 Hausärzte sollen neu verteilt werden. Das sieht ein Konzept der Kassenärztlichen Bundesvereinigung vor (KBV). Gewinner der Umverteilung wären vorläufigen Simulationsrechnungen zufolge die Landärzte, während Mediziner in der Stadt mit Honorareinbußen rechnen müssen.

Zudem sollen die Hausärzte bessergestellt werden, die „den hausärztlichen Versorgungsauftrag tatsächlich wahrnehmen“, den größten Teil ihrer Zeit also für typische hausärztliche Tätigkeiten verwenden. Der Deutsche Hausärzteverband lehnt das Konzept ab.

Wird die Honorarreform umgesetzt, könnten nach vorläufigen Simulationsrechnungen ein bis drei Prozent der Hausärzte über zehn Prozent ihres derzeitigen Honorars verlieren. Mehr als jeder zehnte Hausarzt könnte seine Honorare dagegen um über zehn Prozent steigern. Am häufigsten wären jedoch Honorarveränderungen zwischen einem und fünf Prozent.

Gestärkt würden die Mediziner, die typische hausärztliche Leistungen erbringen. Dazu zählt die Kassenärztliche Bundesvereinigung unter anderem Vorsorge, Früherkennung, Diagnostik, Rehabilitation, Notfallversorgung, Hausbesuche, EKG, Blutdruckmessungen und Ultraschalluntersuchungen. Zudem gehöre insbesondere die Betreuung von Chronikern, alten Menschen, Sterbenden und Menschen mit mehreren Krankheiten zu den Kernaufgaben des typischen Hausarztes.

Reform "richtig und angemessen"

Atypische Hausärzte sind der Definition der KBV zufolge dagegen Mediziner, die häufig Schmerztherapien, Akupunktur, psychotherapeutische Leistungen oder spezifische Leistungen für Krebs- und Diabetespatienten erbringen. Sie sollen von der neuen Grundpauschale für Hausärzte nur die Hälfte bekommen.

Der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, lehnt das Konzept in seiner jetzigen Form ab. „Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Hausärzteschaft gespalten werden soll“, sagte Weigeldt der Berliner Zeitung.

Er lehnt die Unterscheidung in typische und untypische Hausärzte ab und warnt davor, dass auch viele Landärzte zu untypischen Hausärzten werden könnten, sollte das Konzept umgesetzt werden. Die Umverteilung des Honorars werde zu „großen Verwerfungen mit Gewinnern und Verlierern führen“.

Neben der Umverteilung von Honorar sollen bestimmte Tätigkeiten künftig auch besser honoriert werden. So soll es für ärztliche Gespräche mit Patienten eine eigene Vergütung geben. Auch die Mitbetreuung von Krebspatienten, die Altersmedizin (Geriatrie) und die Palliativmedizin (Betreuung von Sterbenden) werden aufgewertet. Im Bereich der Palliativmedizin gibt es unter anderem neu eine Betreuungspauschale für Hausärzte.

Der beratende Fachausschuss bei der KBV hält die Reform für „richtig und angemessen“. Die hausärztliche Tätigkeit werde in ihrer gesamten Behandlungsbreite und -tiefe dargestellt. Er fordert vor einer endgültigen Zustimmung jedoch weitere Simulationen der Umverteilungswirkungen. Gegenstimmen gab es in dem Fachausschuss keine, obwohl dem Ausschuss auch Hausärzte angehören.

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