03.09.2011

IFA: Weiße Ware wird immer grüner

Von Malte Laub
Die sog. Weiße Ware müsste besser Grüne Ware heißen.
Die sog. "Weiße Ware" müsste besser "Grüne Ware" heißen.
Foto: Getty Images
Berlin –  

Die Haushaltsgerätebranche setzt auf der internationalen Funkausstellung (IFA) auf den Ökotrend. In keinem anderen Segment achten die Verbraucher so stark auf den Stromverbrauch.

Sie hätte durchaus ein bisschen mutiger sein können, die IFA, die Leitmesse der Technikbranche. Sie hätte ihre Abteilung für Waschmaschinen und andere Haushaltsgeräte umtaufen können. Bislang firmiert diese Produktgruppe unter dem Namen „Weiße Ware“. Doch mittlerweile wäre „Grüne Ware“ der passendere Begriff. Denn in keinem anderen Segment der IFA spielt der Ökotrend eine so große Rolle wie hier.

Und so findet man in diesem Jahr auf dem Berliner Messegelände solarbetriebene Wäschetrockner, Kaffeemaschinen aus recycelten Elektroteilen und Staubsauger, die fast die Hälfte des sonst nötigen Stroms in der Steckdose lassen. „Wir folgen damit dem, was die Verbraucher wollen“, sagt Werner Scholz, Geschäftsführer des Zentralverbandes der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). Die Deutschen wollten Energiesparen.

Stromfresser Haushaltsgerät

Das Potenzial dafür ist da, denn immer noch geht die Hälfte des Stroms in deutschen Haushalten für Haushaltsgeräte drauf, obwohl eine durchschnittliche Waschmaschine laut ZVEI heute nur noch halb so viel Energie wie noch vor einem Jahrzehnt verbraucht.

Ohnehin hat sich in den vergangenen Jahren enorm viel getan, auch auf der IFA selbst. Haushaltsgeräte kann man auf der als „Funkausstellung“ gegründeten Messe erst seit vier Jahren sehen. „Mittlerweile ist die IFA für uns nicht mehr wegzudenken“, sagt Verbandsgeschäftsführer Scholz. „Dabei gab es Stimmen, die bezweifelt haben, dass wir neben der glamourösen Fernseh- und Internetbranche bestehen können.“

Doch der Anteil Weißer Ware an der Messe steigt seit dem ersten Jahr. In elf von 28 Hallen werden in diesem Jahr Waschmaschinen, Bügeleisen und Geschirrspüler ausgestellt. Dazu kommen Flächen außerhalb der Hallen. 2004 war die Branche nur in vier der damals 26 Hallen vertreten.

Der Boom mag auch daran liegen, dass sich die vermeintlich öde Weiße Ware immer stärker mit der glamourösen Internetbranche vermischt. Die technischen Möglichkeiten, den Wäschetrockner von der Arbeit aus mit dem Smartphone anzuschalten, sind längst da. „Allerdings ist das für den breiten Markt noch Zukunftsmusik“, sagt Scholz. Praxisnäher sind sogenannte Smart-Grid-Technologien, also intelligente Stromnetze. Hier fehlt es zwar an Infrastruktur, aber in näherer Zukunft soll es möglich sein, dass sich die Spülmaschine selbstständig anstellt, wenn sie über das Smart-Grid-System mitgeteilt bekommt, dass der Strom gerade günstig ist.

Ökobewusstsein ist in Deutschland hoch

Solche Neuerungen sorgen dafür, dass Deutschland einer der wichtigsten Märkte für die Hersteller von Haushaltsgeräten bleibt, wenngleich in neun von zehn Haushalten eine Waschmaschine und bei 70 Prozent eine Spülmaschine steht, wie Reinhard Zinkann, Geschäftsführer von Miele und Vorstandsmitglied des ZVEI, erläutert. Das Ökobewusstsein in Deutschland sei hoch, die Kaufkraft ebenfalls.

Neue Kunden wittert der Konzern in Asien. „Dort steigt die Kaufkraft der Menschen und die Sättigung des Marktes ist gering“, so Zinkann.

Wie sich die Branche kurzfristig in Deutschland hält, hängt stark vom gesamtwirtschaftlichen Umfeld ab. Haushaltsgeräte sind teuer, und die Verbraucher halten sich in wirtschaftlich unsicheren Zeiten zurück. Miele-Chef Zinkann bezeichnet seine Erwartungen für das gerade begonnene Geschäftsjahr denn auch als „verhalten zuversichtlich“, der ZVEI rechnet in diesem Jahr über die Konzerne hinweg mit einem eher moderaten Umsatzwachstum von zwei bis drei Prozent im Händlergeschäft.

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