Die deutsche Wirtschaft rennt dem Rest der Euro-Zone davon. Diese Schere dürfte weiter auseinandergehen. Denn die Euro-Krise stärkt die starken Staaten und schwächt die schwachen. Der Geschäftsklimaindex des Münchener Ifo-Instituts ist im Februar auf 109,6 Punkte gestiegen. Optimistischer beurteilten die 7..000 befragten Unternehmen insbesondere ihre Geschäftsaussichten. Der Ifo-Index ist nun den vierten Monat hintereinander gestiegen. „Die Rezession fällt aus“, frohlockt die Deka-Bank. Ganz anders im Süden Europas: In Griechenland sinkt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dieses Jahr um 4,4 Prozent, so die Prognose, die die EU-Kommission am Donnerstag vorlegte. In Portugal geht es um 3,3 Prozent bergab, in Italien um 1,3 und in Spanien um ein Prozent. Die deutsche Wirtschaftsleistung dagegen wird laut EU-Prognose um 0,6 Prozent zulegen.
Deutschland gilt anderen Ländern als Vorbild, insbesondere seine starke Industrie. In Deutschland beträgt die industrielle Wertschöpfung rund ein Fünftel des BIP, im Rest der Euro-Zone ist es nur ein Zehntel. Diese Industrie stellt vor allem Maschinen, Anlagen, Fahrzeuge und Chemieprodukte her – genau das, was die schnell wachsenden Schwellenländer nachfragen. Fast die Hälfte aller EU-Exporte nach China kommt aus Deutschland. Die Ausfuhren in die großen Schwellenländer machen rund vier Prozent des deutschen BIP aus – in Italien sind es nur 1,5 Prozent und in Frankreich 1,2 Prozent. „Riesenstaaten wie China oder Indien industrialisieren sich, das ist ein historischer Glücksfall für Deutschland“, sagte kürzlich der ehemalige Wirtschaftsweise Bert Rürup.
Auch sind die deutschen Firmen relativ groß und können daher ihre Waren weltweit anbieten: Laut Eurostat haben fast neun Prozent aller Unternehmen mehr als zehn Mitarbeiter, in Italien sind es nur vier Prozent. Zudem verkaufen diese Unternehmen vor allem technisch anspruchsvolle Produkte, die daher nicht preissensitiv sind. Das heißt: Auch bei heftiger Konkurrenz können sie teuer verkauft werden. Da gleichzeitig die Lohnstückkosten in Deutschland kaum gestiegen sind, sind die Firmen hochprofitabel.
Neben diesen strukturellen Gründen profitiert der Standort Deutschland von der aktuellen Situation: Seine Staatsschulden sind nicht so stark gestiegen wie in anderen Ländern. Anders als in Südeuropa müssen keine Sparprogramme aufgelegt werden. Zudem sehen die Finanzmärkte Bundesanleihen als sicheren Hafen an und verlangen daher nur geringe Zinsen vom Bund. Darüber kommen auch Haushalte und Unternehmen in Deutschland billig an Kredit.
Und schließlich: Während in anderen Ländern die Zahl der Arbeitslosen stark gestiegen ist, vermeldet Deutschland ein stetig wachsendes Heer an Erwerbstätigen. Das führt dazu, dass die Konjunktur nicht mehr nur durch die Außenwirtschaft, sondern zunehmend durch die inländische Nachfrage getragen wird. Man sieht: Der deutsche Erfolg hat viele Gründe. Er kann von den anderen Euro-Ländern daher nicht so einfach durch Sparhaushalte und Lohnsenkungen kopiert werden.

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