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Immer mehr Firmengründungen: Berlins Hochschul-Start-ups setzen Milliarden um

Neustarter: Jonas Gößling hat mit zwei Kommilitonen der TU Berlin Flowkey gegründet. Ihr Programm soll den Klavierlehrer ersetzen.

Neustarter: Jonas Gößling hat mit zwei Kommilitonen der TU Berlin Flowkey gegründet. Ihr Programm soll den Klavierlehrer ersetzen.

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Flowkey

Die hiesigen Hochschulen tragen maßgeblich zum Start-up-Boom in Berlin bei. Dies geht aus einer Studie Berliner und Brandenburger Universitäten und Fachhochschulen hervor, die am Mittwoch in der Technischen Universität vorgestellt wurde. Ihr zufolge setzten Start-ups, die aus Hochschulen heraus gegründet wurden, im vergangenen Jahr etwa 1,7 Milliarden Euro um.

Zum Vergleich: Das ist mehr als die Musikbranche (1,02 Milliarden) oder die Werbewirtschaft (0,9 Milliarden) in Berlin umsetzen. Dabei beschäftigen Hochschul-Start-ups rund 17.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Musikwirtschaft: 12.700 Erwerbstätige). 85 Prozent der befragten Unternehmen haben ihren Sitz in Berlin oder Brandenburg.

70 neue Firmen allein 2013

Für die Untersuchung wurden erstmals Ausgründungen aus zehn Berliner und Brandenburger Hochschuleinrichtungen erfasst. 840 Unternehmen beteiligten sich daran. Die Studie zeigt, dass die Anzahl der Gründungen rasant zunimmt. 73 Prozent der Unternehmen wurden in den letzten zehn Jahren gegründet, 40 Prozent allein seit 2010. Im vergangenen Jahr wurden 70 Firmen ausgegründet; zehn Jahre zuvor waren es gerade 19 Unternehmen.

In der Auswertung der Umfrage führen die Hochschulen den sprunghaften Anstieg der Gründungen auf die Gründungsförderung zurück, die vor zehn Jahren noch kein Thema gewesen sei. Dagegen gibt es inzwischen an allen Hochschulen in Berlin und Brandenburg Einrichtungen, die Studenten zu Unternehmern machen sollen: Die Gründungsdienste an den Hochschulen helfen bei der Einreichung von Förderanträgen, stellen Räumlichkeiten zur Verfügung und unterstützen bei der Vorbereitung des Markteintritts. 42 Prozent der befragten Gründerinnen und Gründer erklärten, solche Angebote tatsächlich genutzt zu haben.

Eine besondere Bedeutung kommt zudem Förderstipendien wie dem Exist-Programm des Bundeswirtschaftsministeriums zu, das zwölf Monate lang die Gründungsvorhaben mit bis zu 100.000 Euro stützt, sodass sie sich voll auf die Gründung konzentrieren können. Zwei Fünftel der Ausgründungen haben öffentliche Fördermaßnahmen genutzt, rund ein Viertel das Exist-Gründerstipendium, das seit 2007 vergeben wird.

Auch Jonas Gößling und seine beiden Mitgründer von der TU Berlin haben für ihr Start-up vor einem Jahr ein solches erhalten. Flowkey nennt sich ihre Plattform, mit der man auch ohne Unterricht online Klavierspielen lernen kann. Videos zeigen dabei, welche Töne gespielt werden müssen und wie die Handhaltung ist. Zugleich lauscht das Programm auf das Spieltempo des Nutzers, sodass die Geschwindigkeit der eingeblendeten Noten angepasst werden kann.

Die Idee ist aus einer Forschungsarbeit hervorgegangen. Nach ihrer Bachelor-Arbeit haben sie sich dann dank dem Förderstipendium zwölf Monate nur auf die Entwicklung der Technologie konzentrieren können. Anfang des Jahres haben die drei ihr Unternehmen gegründet und Risikokapital von privaten Investoren eingeworben, mit dem sie die Firma nun finanzieren, für die inzwischen neben den drei Gründern schon vier Mitarbeiter arbeiten.

Nur ein Drittel der Ausgründungen beschreitet diesen Weg zur Deckung des Finanzbedarfs. Die überwiegende Mehrheit sieht sich allerdings nicht in der Lage, Beteiligungskapital einzuwerben. So finanzieren sich vier Fünftel der Gründungen aus Umsatzerlösen, und mehr als die Hälfte der Gründer greift auf eigene Mittel zurück. Dementsprechend sind die Start-ups darauf angewiesen, rasch Gewinne zu erzielen. Sie erreichen die Gewinnzone im Schnitt bereits nach anderthalb Jahren. Auch Flowkey hat das im Visier: Am Montag will die Firma ein Abo-Modell einführen, um Einnahmen zu erzielen.