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Internet-Start-Up Eyeem: Eyeem macht Instagram Konkurrenz

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Das Berliner Internet-Start-up Eyeem, ist innerhalb kurzer Zeit zur zweitmeist geladenen Foto-App in den USA geworden. Diesen Erfolg verdanken die Berliner nicht zuletzt ihrem größten Konkurrenten Instagram.

Ein Hype lässt sich oft nur schwer erklären, der Trend nur selten zurückverfolgen. Warum allerdings das Berliner Start-up Eyeem mit seiner Fotoplattform Mitte Januar auf einmal zur zweitmeist heruntergeladenen App in den USA im Bereich Foto und Video nach Youtube wurde, kann Florian Meissner, Gründer und CEO von Eyeem, in wenigen, schnellen Sätzen erklären. Er kann sogar ganz genau sagen, wo aus dem Trend ein Hype wurde: an einer High School, knapp 8.600 Kilometer entfernt vom Rosenthaler Platz, wo Eyeem sein Büro hat, in Houston, Texas. Und Meissner weiß auch, warum: Weil Eyeems größter Konkurrent, Instagram, im Dezember seine Nutzer unterrichtete, deren Bilder zur kommerzielle Nutzung freizugeben.

„Wir haben schon im April gespürt, dass etwas passiert“, sagt Meissner. Damals hatte Facebook Instagram für eine Milliarde US Dollar gekauft, ein- bis zweitausend neue User hatte Eyeem zu dieser Zeit täglich, im Herbst waren es bereits 5 000. „Die Leute trauen Facebook nicht mehr“, sagt Meissner, „dass Instagram seinen Service monetarisieren würde, war absehbar.“

Kurz nachdem Instagram seine Nutzerbedingungen änderte, kletterte Eyeem zum ersten Mal im App-Store in die Top Ten der Downloadcharts, andere Fotodienste wie Flickr profitierten ebenfalls.

Konkurrent

2010 gegründet, ist Instagram mit weit über 150 Millionen hochgeladener Bilder der größte Fotodienst.

Im August 2012, kurz nachdem Facebook das Unternehmen erwarb, soll Instagram noch rund 100 Millionen Nutzer gehabt haben.

Seit Dezember sanken die täglichen Zugriffe von 16,3 auf 7,4 Millionen im Januar, nachdem die Nutzerbestimmungen geändert wurden.

Eyeem ist eine Fotoplattform, auf der Nutzer ihre Bilder bearbeiten, teilen und mit Orten, Aktivitäten, Veranstaltungen verschlagworten können. Ende 2011 launchten Meissner und seine Mitgründer, Lorenz Aschoff, Gen Sadakane und Ramzi Rizk die App, finanziert wurden sie von einem so genannten Business Angel: Das sind vermögende Personen, die aussichtsreiche Start-ups fördern. Hier war es der Schweizer Christophe Maire, Geschäftsführer des Ebook-Anbieters textr, der in der Berliner Szene bekannt ist für sein gutes Gespür und dafür, dass er Gründer mit mehr als nur Geld unterstützt: mit Know-How und seinem Netzwerk. Maire hat in Berlin unter anderem die Musikplattform Soundcloud unterstützt, außerdem das Meinungsportal Amen, das auch Ashton Kutcher mit Startkapital versorgte.

Das neue große Ding

Vier Leute bastelten anfangs an Eyeem. Nach der Startphase, in der der Prototyp programmiert und Eyeem zu einer GmbH wurde, folgte ein sogenanntes Seed Investment von knapp einer Million Euro von zwei Investoren: Wellington aus München und Passion Capital aus London. Denn Berliner Start-ups wie Eyeem haben die Aufmerksamkeit internationaler Investoren, die hier gezielt nach dem neuen großen Ding suchen. Die ersten haben bereits Büros in der Stadt eröffnet. So verlegte Earlybird 2011 seinen Sitz von München nach Berlin.

Das neue große Ding: Eyeem will „die Fotoagentur der Smartphone-Welt werden“, sagt Florian Meissner. Bislang verdient das Unternehmen allerdings nicht einen Cent. Irgendwann muss aus dem Hype deshalb Umsatz werden. Auch für Eyeem gibt es also den Plan, Bilder kommerziell nutzbar zu machen. Nur, sagt Meissner, schwebe ihnen ein Konzept vor, bei dem Nutzer ihre Bilder auf eine Art Marktplatz anbieten können. Sie testen das bereits, indem sie Fotowettbewerbe anbieten, vorstellbar wäre, das etwa in Kooperation mit großen Marken zu professionalisieren. Doch soll das alles auf einer freiwilligen Basis ablaufen. „Niemals würden wir unseren Nutzern neue Richtlinien überstülpen“, sagt Meissner.

Das Image ist in diesen Zeiten, in denen Datenschutz ein großes Thema ist, einer der wichtigsten Rohstoffe für ein Internetunternehmen. Und Eyeem ist es bisher gelungen, sich als gute, ehrliche Alternative zu Instagram zu positionieren.

Das müssen auch die High-School-Kids in Texas so gesehen haben. Dort kursierte Eyeem auf dem Schulhof. Meissner konnte das anhand der Ortsmarken, mit denen die Fotos versehen waren, festmachen. Die Lehrer ließen Eyeem auf den Schul-Servern sperren, damit die Kinder nicht vom Unterricht abgelenkt würden. Also machten die Screenshots von der App und posteten sie auf Twitter – und auf Instagram. So entsteht ein Hype. In Zahlen sah das so aus: 150 000 neue User am Tag, insgesamt sind es schon über zwei Millionen.

Eyeem rüstet derweil auf: Heute arbeitet das Unternehmen mit 25 statt wie bisher fünf Servern und hat auf 15 Mitarbeiter aufgestockt. Instagram hingegen hat seit Dezember mehr als die Hälfte seiner täglichen Nutzer verloren, obwohl der Bilderservice mittlerweile die honorarfreie Nutzung der Bilder zu Werbezwecken zurückgenommen hat.

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