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Interview: Kaisers verliert spürbar an Kundschaft

Kaisers- und Edeka-Logo

Im Zeichen der Kanne: Ob die Kaiser’s-Märkte bald zu Edeka gehören, ist nach wie vor offen.

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imago/STPP

Für die geplante Übernahme der Supermarktkette Kaiser’s-Tengelmann durch Edeka läuft der Countdown. Bis zum 29. Februar, also kommenden Montag, können alle Beteiligten reagieren. Danach wird sich auch entscheiden, was aus den 133 Kaiser’s-Filialen in Berlin wird. Dort ist Volker Bohne der Arbeitnehmervertreter.

Herr Bohne, Sie sind der Betriebsratschef von Kaiser’s in Berlin.

Betriebsratsvorsitzender, bitte. Ich bin kein Chef.

Gut, dann an den Vorsitzenden: Wie viele Beschäftigte hat Kaiser’s hier?

Wir hatten mal 6 000. Jetzt sind es insgesamt 5 300 Mitarbeiter.

Mit welchen Fragen werden Sie derzeit am häufigsten konfrontiert?

Natürlich geht es immer wieder um das Ministerentscheidungsverfahren. Nun gibt es den neuen Termin. Die Leute wollen endlich wissen, was los ist.

Was antworten Sie ihnen?

Dass dieser Termin erst einmal nur bedeutet, dass die öffentliche Anhörung der Partner und Konkurrenten abgeschlossen wird. Gibt es Übereinkunft, werden Edeka und die Gewerkschaften Verdi und NGG einen Tarifvertrag aushandeln. Erst nach Prüfung dieses Vertrags kann Edeka unsere Filialen übernehmen.

Wann wird das sein?

Bestimmt nicht noch im März oder im April, aber in diesem Jahr.

Die Stimmung unter Ihren Kollegen lässt sich damit vermutlich kaum verbessern.

Das ist richtig. Wir haben zwar gelernt, mit schlechter Stimmung umzugehen, aber die Schließung der sieben Berliner Filialen allein in diesem Monat hat uns natürlich noch einmal nach unten gezogen. Hinzu kommt, dass wir spürbar Kundschaft verlieren.

Warum das?

Weil nicht mehr in Werbung investiert wird. Zugleich tritt die Konkurrenz sehr aggressiv auf. Untersuchungen zeigen, dass im Lebensmittelgeschäft derzeit Aldi und Lidl verlieren. Die Gewinner sind Rewe und Edeka, aber nicht wir, was sehr schade ist.

Und was wenn der Deal mit Edeka am Ende doch noch platzt?

Dann wird Tengelmann sämtliche Filialen schließen.

Was schätzen Sie, wie viele der insgesamt 133 Berliner Kaiser’s-Filialen sofort einen Käufer finden würden?

Vielleicht die Hälfte. Das Problem ist doch, dass es an jeder guten Ecke auch schon einen modernen Edeka und Rewe-Markt gibt.

Sind Sie eigentlich froh, dass gerade Edeka die Kaiser’s-Filialen übernehmen will?

Nein. Ich halte nichts von dem Edeka-Modell, bei dem jede Filiale von einem einzelnen Unternehmer geführt wird, weil dort auch die Mitbestimmungsmöglichkeiten der Kollegen geringer sind. Aber Edeka will als einziger Bieter alle Kaiser’s-Filialen übernehmen. Das ist gut.


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