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Berliner Zeitung | Interview mit Veganz-Chef Jan Bredack: "Wir brauchen ein bedingungsloses Grundeinkommen"
21. January 2016
http://www.berliner-zeitung.de/23442466
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Interview mit Veganz-Chef Jan Bredack: "Wir brauchen ein bedingungsloses Grundeinkommen"

Jan Bredack, Chef und Gründer von Veganz.

Jan Bredack, Chef und Gründer von Veganz.

Foto:

Paulus Ponizak

Wollten Sie schon immer werden, was Sie jetzt sind?

Ich hatte natürlich nie geplant, einmal Chef von Veganz zu werden, aber ich war schon immer ständig auf der Suche nach Neuem. Da passt die Unternehmerfunktion ganz gut. Ich brauche Überraschungen, ein bisschen Abenteuer und auch Risiko. Ein Nine-to-five-Job wäre nichts für mich.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Ich habe in der Schulzeit Mopeds repariert, später auch Motorräder.

Wer verdient Ihrer Meinung nach zu wenig oder zu viel?

Zu wenig hat jeder, der keine 1000 Euro im Monat zur Verfügung hat. Ich finde, so viel sollte jeder ohne Unterschied bekommen. Deshalb brauchen wir ein bedingungsloses Grundeinkommen. Man sollte nicht arbeiten müssen, um überleben zu können, sondern, um sich in die Gesellschaft einzubringen.

Vegane Produkte auf der Grünen Woche in Berlin
Bei der Grünen Woche in Berlin steht regionale Ernährung hoch im Kurs. Wie aber steht es um vegane Angebote?

Was sollte ein Unternehmer niemals tun?

Nach Reichtum streben, alles allein machen und sich für unersetzlich halten. Ein Unternehmer muss in der Lage sein, seine Macht zu teilen, was auch ein Vertrauensbeweis ist. Wer Macht nicht teilen kann, vertraut niemandem. Das ist immer schlecht.

Welchen Wunsch wollen Sie sich noch erfüllen?

Ich hatte Geld, Sportwagen, Reisen. Das alles muss ich nicht mehr haben. Das Unternehmen ist mir wichtig. Ich will Veganz weltweit zu einer sehr erfolgreichen Marke machen.

Welche ist Ihre Lieblings-App?

Ich mag HappyCow. Das ist eine App, die weltweit alle veganen Restaurants aufführt. Die ist wirklich nützlich und funktioniert tadellos.

Wo können Sie am besten entspannen?

Beim Autofahren, und da bin ich froh, dass ich nicht gleich um die Ecke wohne. Ich fahre abends eine Stunde nach Hause. Das bin ich für mich allein, das Radio ist aus, keiner stört mich. Perfekt.

Worüber können Sie sich richtig ärgern?

Unehrlichkeit und Unselbstständigkeit. Ich brauche Eigeninitiative. Fehler sind dabei erlaubt, aber sie sollten nicht zwei Mal passieren.

Wie lautet Ihr wichtigster Rat an Schulabgänger?

Studiert, was euch am meisten interessiert und woran ihr wirklich Freude habt. Es ist die schönste Zeit eures Lebens. Mit dem Abschluss kann man später fast alles machen und Zwänge gibt es noch genug im Leben.

Womit bringt sich ein Bewerber im Vorstellungsgespräch um alle Chancen?

Wenn es bei ihm nur ums Geld geht. Das ist für mich das Killerkriterium.

Was würden Sie mit 50 Millionen Euro in Berlin verändern?

Ich würde damit die Elektromobilität voranbringen, Ladestationen bauen und Carsharing-Angebote für E-Autos subventionieren. Ich bin ein großer Autofan, denke aber, dass nicht jeder sein eigenes Auto besitzen muss.

Baden-Württemberger können angeblich alles außer Hochdeutsch. Was können Berliner nicht?

Wir können uns nur schwer zurücknehmen, halten uns immer für die Größten und für den Nabel der Welt. Bescheidenheit ist nicht unser Ding. In punkto Großstadtarroganz sind wir aber ziemlich gut.