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Kampf gegen Diabetes: Ärzte fordern hohe Steuer auf Zucker

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Das Diabetes-Risiko steigt durch erhöhten Zucker-Konsum.

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dpa

Berlin -

Hamburg-Bergedorf ist ein wunderbares Wohnviertel. Entlang der Elbe gibt es Badestellen und eine schöne Uferpromenade. Das Einkommen der ansässigen Bevölkerung ist überdurchschnittlich und der Bildungsstand hoch, man lebt gut und recht gesund. So liegt das Risiko der Anwohner, an einer Diabetes Typ 2 zu erkranken, nach Angaben der Deutschen Diabetes-Hilfe bei nur 4,3 Prozent.

In den ostdeutschen Bundesländern herrschen bekanntlich weniger privilegierte Verhältnisse, die Arbeitslosenzahlen liegen höher als in Hamburg, die Einkommen sind niedriger und das Diabetes-Risiko erreicht Werte um die zehn Prozent. In Bad Belzig südwestlich von Berlin sind es laut Diabetes-Hilfe sogar 13,5 Prozent.

Solche Befunde offenbaren den engen Zusammenhang zwischen sozioökonomischen Bedingungen und dem Gesundheitszustand der Menschen: In benachteiligten Regionen, die durch Arbeitslosigkeit, niedriges Einkommens- und Bildungsniveau, hohe Umweltbelastungen, unattraktive Freizeit- und Kulturangebote, geringwertigen Wohnraum sowie eine hohe Verfügbarkeit von Fast-Food und Fertiggerichten gekennzeichnet sind, leiden die Menschen sehr viel häufiger an Diabetes und anderen „Zivilisationskrankheiten“ als in Regionen auf der Sonnenseite. Kurz: Armut macht krank.

Arzneien heißen Bildung, Beteiligung und Gemeinschaft

Dabei, und darauf weist die Diabetes-Hilfe nachdrücklich hin, geht es eben nicht nur um rein finanzielle Fragen. Der Armutsbegriff umfasst nach Worten des früheren Berliner Ärztekammerpräsidenten Ellis Huber soziale Vereinzelung, mangelndes Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten zur Lebensgestaltung, fehlende soziale Netzwerke und geringe Autonomie. In einer solchen Problemlage blieben traditionelle Aufklärungskampagnen über gesundheitsschädigende Wirkung zu kalorienreicher Nahrung und mangelnder Körperertüchtigung wirkungslos.

Die Arzneien der Zukunft heißen laut Huber vielmehr Bildung, Beteiligung und Gemeinschaft. Prävention müsse Menschen dabei helfen, durch konkrete Erfahrungen zu erlernen: Ich kann mein Leben gestalten, ich kann Dinge verändern. Besonders wirkungsvoll sei dieser Ansatz bei Kindern. Daher müsse in jeder Kita und in jeder Schule eine Präventionsfachkraft installiert werden, die den Kindern gesundheitsfördernde Erfahrungen ermöglicht: Kochen, Tanzen, Toben. „Tanzen und Geselligkeit hilft viel mehr als der ständige Gang zum Arzt“, sagt Mediziner Huber.

Eine Diabetes-Strategie darf nach Ansicht des Kinderarztes Thomas Danne, der der Diabetes-Hilfe vorsteht, aber auch nicht vor gesetzgeberischen Eingriffen zurückschrecken. Danne nennt eine Zuckersteuer von einem Euro pro Kilo, eine Höchstmenge von 0,3 Liter für Softdrink-Becher im Kino oder restriktive Zulassungen von Fast-Food-Restaurants in Problemvierteln. Auch ökonomisch würde sich eine Diabetes-Prävention rechnen. Die jährlichen Behandlungs- und Folgekosten gibt Danne mit 48 Milliarden Euro allein in Deutschland an.


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