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Kauf und Verkauf von Aktien: Eine Flatrate für Zocker

Die Kosten für den Kauf und Verkauf von Aktien sind stark gesunken.

Die Kosten für den Kauf und Verkauf von Aktien sind stark gesunken.

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imago/Westend61

An Aktien kommen Anleger, die im Zinstief auf Rendite nicht verzichten wollen, kaum vorbei. Viele Sparer fürchten jedoch, dass sich ein Engagement am Aktienmarkt mit nur ein paar Tausend Euro Einsatz aufgrund der Gebühren nicht lohnt. Doch diese Sorge ist mittlerweile unbegründet. Tatsächlich war es früher für Anleger relativ teuer, mit Aktien zu handeln.

Für jeden Kauf und Verkauf mussten die Kunden an ihre Bank ein volles Prozent des gesamten Aktienwerts an Provision zahlen. Zudem waren Mindestkosten von 20 oder sogar 30 Euro pro Transaktion die Regel. Hinzu kamen hohe Depotgebühren für die Verwahrung der Wertpapiere.

Unter denjenigen Kleinanlegern, die sich dennoch zum Kauf von Aktien durchringen konnten, hielten sich deshalb die meisten an die alte Börsenweisheit: „hin und her macht Taschen leer“ – und ließen ihre Aktien jahrelang im Depot liegen, egal wie die Aussichten für die Papiere waren. Denn angesichts der hohen Transaktionskosten lohnte sich das Umschichten einfach nicht.

Doch mit der aufkommenden Konkurrenz der Discount-Broker und Direktbanken gerieten die Preise für Wertpapiergeschäfte in Bewegung. Viele dieser Broker verlangen inzwischen nur noch die Hälfte oder noch weniger der üblichen Provisionen. Manche verzichten darüber hinaus auch ganz auf eine Depotgebühr.

Inzwischen ist es für private Anleger, die viel mit Aktien handeln – im Fachjargon Heavy-Trader genannt – noch mal deutlich günstiger geworden. Einige Banken und Broker bieten Aktientransaktionen für ihre Kunden zu einem Festpreis von fünf oder zehn Euro an – egal, ob der Kunde Wertpapiere für 500 Euro, 5000 Euro oder gar für 50.000 Euro kauft oder veräußert. Noch einen Schritt weiter geht nun ausgerechnet eine der großen traditionellen Hausbanken: die Commerzbank.

Dort können Kunden seit wenigen Monaten ein sogenanntes Premiumdepot eröffnen. Für den Festpreis von 580 Euro im Jahr dürfen die Kunden so viele Wertpapiere handeln, wie sie wollen. Es handelt sich also faktisch um eine Flatrate für Zocker. Kurios: Die Direktbank-Tochter der Commerzbank, die Comdirect, die vor Jahren gegründet wurde, um Kunden anzulocken, die viel an der Börse zocken, bietet eine solche Flatrate nicht an.

Börsengebühr kommt oben drauf

Wer beim Commerzbank-Premiumdepot zum Beispiel pro Monat 20 Transaktionen durchführt, den kostet jede Transaktion weniger als 2,50 Euro. Und wer 1000 Mal pro Jahr Wertpapiere handelt, der zahlt pro Transaktion mit dem Premiumdepot sogar weniger als 60 Cent. Teurer wird es allerdings für Kunden, die mehr als 40.000 Euro bei der Commerzbank angelegt haben: Sie müssen für das Premiumdepot 1,45 Prozent des Depotvolumens pro Jahr zahlen. Bei 100.000 Euro wären das also 1450 Euro. Preisbewusste Kunden sollten also maximal Wertpapiere im Wert von 40.000 auf das Commerzbank-Premiumdepot transferieren – und zwar vorzugsweise diejenigen Papiere, die sie in nächster Zeit zu verkaufen beabsichtigen – und den Rest bei ihrer alten Bank belassen.

Neben den Provisionen, die die Bank berechnet, fällt allerdings – auch bei der Commerzbank-Flatrate – noch eine Börsengebühr an, die von der jeweiligen Börse, welche die Order abwickelt, in Rechnung gestellt wird. Die Bank leitet diese Kosten natürlich in der Regel an den Kunden weiter.

Deshalb empfiehlt es sich für Anleger in den meisten Fällen, die Order über den Computerhandel Xetra der Frankfurter Börse zu platzieren, weil die Börsengebühren hier deutlich geringer sind als über den Parketthandel in Frankfurt oder an einer anderen Börse wie Berlin, Stuttgart, Düsseldorf oder Hamburg: So liegen die Handelskosten für Xetra bis zu einem Umsatzvolumen von 12.500 Euro bei gerade mal 60 Cent.

Das Handelssystem Xetra hat allerdings auch einen Nachteil: Es finden auch Teilausführungen statt. Das heißt: Wer beispielsweise 300 Aktien eines kleinen Unternehmens wie zum Beispiel der Deutschen Grundstücksauktionen AG kaufen möchte, dem kann es passieren, dass zunächst nur ein Teil seiner Order ausgeführt wird, weil nur ein Teil der Aktien zu dem Preis angeboten werden, den er zu zahlen bereit ist.

Wenn später sein Kauf vervollständigt wird – weil zum Beispiel ein neuer Anleger nun zum gewünschten Preis verkauft – fallen nochmals Gebühren für den Käufer an. Diese Gefahr ist allerdings bei Aktien aus dem Dax oder MDax sehr gering, weil hier die Umsätze sehr hoch sind und deshalb Teilausführungen selten vorkommen.

So umgehen Banken die Börse

Manche Direktbanken umgehen die Börse auch ganz: Sie oder ein Handelspartner der Bank verkaufen den Kunden stattdessen Aktien aus ihrem eigenen Bestand. Börsenhandelskosten fallen deshalb für den Kunden keine an. Ein weiterer Vorteil: Der Kunde bekommt ein Preisangebot für die Aktien und kann annehmen oder ablehnen. Er weiß also genau, zu welchem Kurs er handelt.

Bei der DAB-Bank zum Beispiel können Dax- oder MDax-Werte bis zu einem Volumen von rund 3000 Euro außerbörslich schon für eine Gebühr von knapp fünf Euro gehandelt werden. Für den Kunden entstehen hier keine zusätzlichen Kosten. Beim Konkurrenten Flatex kostet das gleiche analog knapp sechs Euro – hier allerdings egal wie hoch das gehandelte Volumen ist.

Beim Broker Benk wiederum können Anleger für pauschal 24,99 Euro im Monat 15 Transaktionen über die Börse oder sogar 100 Transaktionen über das hauseigene Handelssystem Tradegate durchführen. Hinzu kommen noch jeweils bis zu 250 Transaktionen über vier verschiedene Handelspartner. Das sollte selbst für den durchschnittlichen Heavy-Trader ausreichen. Das Angebot von Benk erscheint also mit Gesamtkosten von rund 300 Euro im Jahr für aktive Anleger als eine sinnvolle Alternative zum Premiumdepot der Commerzbank, das rund doppelt so viel kostet.