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Kommentar zu Gentechnik: Esst euren Turbo-Lachs doch selbst!

Turbo-Lachse, Gen-Mais und Co. sind nicht mehr nur Zukunftsvisionen.

Turbo-Lachse, Gen-Mais und Co. sind nicht mehr nur Zukunftsvisionen.

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ZB

Welcher Fan der Zeichentrick-Serie „Die Simpsons“ kennt nicht die Folge, in der dem Besitzer des Atomkraftwerks, Montgomery Burns, plötzlich ein dreiäugiger Fisch serviert wird? Ein Anblick, der ihn so anwidert, dass er das Tier nicht essen kann – obwohl er es noch kurz zuvor als besonders überlegen gelobt hat. Weil es eben mehr sehen könne. Und weil eben in der Serie das Atomkraftwerk für die veränderte Schöpfung verantwortlich sein soll.

Dreiäugigen Fisch serviert man uns noch nicht. Aber in den USA sind Turbo-Lachse für den Markt zugelassen, die schneller wachsen als üblich – und damit mehr Profit versprechen. Es gibt Forscher, die Kühe schaffen wollen, die Milch mit weniger allergieauslösenden Eiweißen produzieren. Kleine Nebenwirkung: Der Kuh fehlt auf einmal der Schwanz. Und an der Milch hat sich mehr verändert, als jemals beabsichtigt war. Das alles ist keine Folge von Schlamperei im Atomkraftwerk, sondern das Werk von Forschern. Ein Ergebnis von gentechnischen Veränderungen, mit denen Unternehmen die Tiere aus ihrer Sicht optimieren wollen – wie eine aktuelle Studie zeigt, die von der Bundestagsfraktion der Grünen in Auftrag gegeben wurde.

Wir reden über unsere Überlebensgrundlage

In Deutschland und in ganz Europa sind solche Tiere bislang nicht zugelassen. Das ist gut so – und das muss auch so bleiben. Mögen auch noch so viele Tests ergeben, dass der Turbo-Lachs sich durch nichts von seinen Artgenossen unterscheidet als durch das schnellere Wachstum: Tiere sind höchst komplexe Lebewesen, so dass dies in Wirklichkeit niemand zweifelfrei feststellen kann.

Und: Woher sollte denn irgendjemand wirklich sicher wissen, dass der jahrelange Konsum von gentechnisch verändertem Lachs nicht schädliche Wirkungen auf Menschen haben könnte? Wenn wir über Nahrungsmittel sprechen, dann reden wir über unsere Überlebensgrundlage. Es gibt in diesem Fall keinen vernünftigen Grund an etwas herum zu manipulieren, was von Natur aus gut funktioniert. Es gibt keinen Grund, Risiken auf Kosten aller einzugehen, nur damit einige einen etwas höheren Gewinn einfahren können. Als wäre die industrielle Lachs-Produktion für den, der sich mit dem Thema einmal beschäftigt hat, nicht schon abschreckend genug.

Europa muss sich in dieser Frage frühzeitig positionieren und klar machen, dass gentechnisch veränderte Tierprodukte in unseren Geschäften dauerhaft keinen Platz haben. Und dass sie auch niemals über den Umweg von Handelsabkommen zu uns finden sollten. Den Turbo-Lachs sollen allein die essen, die ihn geschaffen haben. Das hätte echte Größe.