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Kostenanstieg: Krankenversicherten drohen höhere Beiträge

Symbolbild.

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dpa

Berlin -

Seit einigen Jahren ist ein Thema komplett aus den Schlagzeilen verschwunden, das früher die Krankenversicherten regelmäßig bewegte: Steigende Kassenbeiträge. Der lang anhaltende Wirtschaftsaufschwung, nachwirkende Sparmaßnahmen und ein viel zu hoch angesetzter staatlicher Einheitsbeitrag hatten lange für stabile Sätze gesorgt. Doch schon seit einiger Zeit ist klar, dass damit bald Schluss sein wird. Der Chef des Bundesversicherungsamtes, Maximilian Gaßner, der für die Aufsicht über alle bundesweit tätigen Krankenkassen zuständig ist, erwartet, dass die Kassen im Jahr 2020 von ihren Versicherten einen Zusatzbeitrag von durchschnittlich 2,2 bis 2,3 Prozent vom Bruttolohn verlangen müssen.

Das wäre mehr als doppelt so viel wie heute. Vorausgesetzt, die Einnahmen und Ausgaben entwickeln sich so wie in der letzten Zeit. Derzeit spielt den Kassen die hohe Beschäftigung zu, doch niemand weiß, ob das auch in den kommenden Jahren so bleiben wird.

Der Behördenchef verwies darauf, dass die Ausgaben derzeit schneller stiegen als die Einnahmen. Viele Kassen müssten deshalb in diesem Jahr bereits anfangen, die Rücklagen aufzubrauchen, die sie in den vergangenen Jahren dank der guten Konjunktur anlegen konnten.

Versicherte kommen für Kostensteigerungen auf

Derzeit gilt in der gesetzlichen Krankenversicherung ein allgemeiner Beitragssatz von 14,6 Prozent, den sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen. Jede Kasse kann ergänzend dazu einen Zusatzbeitrag erheben. Dieser bewegt sich derzeit zwischen null und 1,3 Prozent, der rechnerische Durchschnitt liegt bei 0,9 Prozent. Der Zusatzbeitrag muss allein vom Arbeitnehmer bezahlt werden. Da der Anteil der Arbeitgeber gesetzlich eingefroren ist, kommen die Versicherten damit für alle Kostensteigerungen auf, die in der Zukunft entstehen.

Bei einem Monatslohn von 3000 Euro brutto bedeutet ein Zusatzbeitrag von 0,9 Prozent eine Belastung von 27 Euro. Steigt der Zusatzbeitrag wie von Gaßner erwartet auf 2,3 Prozent. dann klettert die Belastung auf immerhin 69 Euro monatlich.

Problematisch ist an dieser Entwicklung vor allem, dass es derzeit keine Regelung darüber gibt, die einseitige Belastung der Versicherten ab einer bestimmten Höhe zu begrenzen. Die SPD hatte es in den Koalitionsverhandlungen mit der Union versäumt, darauf hinzuwirken. Damit ist die geltende Rechtslage aus Sicht der Versicherten schlechter, als die früheren Regelungen aus der Zeit der schwarz-gelben Koalition. Damals galt zwar, dass die Zusatzbeiträge unbegrenzt angehoben werden konnten. Wer mehr als zwei Prozent seines Einkommens dafür ausgeben musste, sollte jedoch einen Sozialausgleich aus Steuermitteln bekommen. Diese Regelung wurde aber durch die große Koalition gestrichen.

Behält Gaßner Recht, dann wird schon in der kommenden Wahlperiode ein Zusatzbeitrag von über zwei Prozent erreicht. Spätestens dann sollte auch der Arbeitgeberanteil wieder steigen, um die Lasten für die Versicherten abzumildern. Dafür ist dann aber eine Gesetzesänderung nötig.


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