Die Mitglieder der BKK für Heilberufe müssen sich wohl bald eine neue Krankenkasse suchen. Das Bundesversicherungsamt will kommende Woche über die Zukunft der angeschlagenen Kasse entscheiden. Die Schließung sei so gut wie sicher, sagten mehrere gut informierte Personen der Frankfurter Rundschau. „Wir gehen davon aus, dass die Aufsichtsbehörde in diese Richtung tendiert“, sagte auch der Sprecher der BKK für Heilberufe, Ulrich Rosendahl. Als Datum für die Schließung wird in informierten Kreisen der 31. Dezember 2011 genannt. Damit wäre die BKK für Heilberufe bereits die zweite Krankenkasse nach der City BKK, der der Anfang 2009 eingeführte Gesundheitsfonds zum Verhängnis wird.
Der Fonds verteilt die Beitragsgelder der Versicherten über einen bestimmten Schlüssel. Angesetzt werden dabei Durchschnittskosten. Eine Krankenkasse mit überdurchschnittlich teuren Versicherten macht damit automatisch Verluste. Das ist auch das Problem der BKK für Heilberufe. Sie versichert überwiegend medizinisches Personal, das naturgemäß hohen Belastungen ausgesetzt ist. Zudem wohnen die meisten ihrer Versicherten in Städten, wo die Kosten der Versorgung höher sind als auf dem Land. Diesen Nachteil konnte die Kasse nie ausgleichen.
Rettungsversuche gescheitert
Ein Zusatzbeitrag in Höhe von zehn Euro sollte zusätzliches Geld bringen. Er führte aber auch dazu, dass die Versicherten die Krankenkasse in Scharen verließen. Seit Anfang des vergangenen Jahres hat sich die Versichertenzahl mehr als halbiert – auf derzeit noch knapp 120.000 Versicherte. Davon lebt ein Drittel in Nordrhein-Westfalen. Die restlichen Versicherten verteilen sich nach Angaben der Kasse zu gleichen Teilen über die anderen Bundesländer.
Alle Rettungsversuche der vergangenen Monate sind ins Leere gelaufen. Fusionsgespräche mit mehreren Konkurrenten wurden ergebnislos abgebrochen. Während viele angeschlagene Kassen über Fusionen oftmals unbemerkt gerettet werden, galt eine Fusion mit der BKK für Heilberufe vielen potenziellen Partnern als zu risikoreich. „Wir haben dem Bundesversicherungsamt mitgeteilt, dass wir innerhalb der gesetzten Frist keinen Fusionspartner gefunden haben und dass die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit unserer Krankenkasse in Zukunft nicht gegeben ist“, sagte Sprecher Rosendahl. Er erwartet, dass die Aufsichtsbehörde nun „sehr schnell entscheiden“ werde. Die Versicherten würden umgehend schriftlich informiert, sobald „wir definitiv wissen, was Sache ist“, versprach er.
Im Hintergrund laufen die Vorbereitungen für die Schließung auf Hochtouren. „Es sind viele Arbeiten zu tätigen“, sagt Rosendahl. Auch die anderen Krankenkassen sind in die Vorbereitungen involviert. Demnach sollen die Versicherten diesmal deutlich besser behandelt werden als bei der chaotischen Schließung der City BKK vor wenigen Monaten.
Alle sind herzlich willkommen
Vertreter verschiedenster Krankenkassen betonten am Donnerstag, dass sie aus dem Chaos gelernt hätten und diesmal besser vorbereitet seien. Dass Versicherte auf der Suche nach einer neuen Kasse abgewimmelt würden, soll nicht mehr vorkommen. „Alle Versicherten der BKK für Heilberufe sind bei den Ersatzkassen herzlich willkommen“, sagt eine Sprecherin des Ersatzkassenverbandes, zu dem Techniker Krankenkasse, Barmer-GEK, Deutsche Angestellten-Krankenkasse DAK und KKH-Allianz gehören. Auch der Vorstandsvorsitzende des AOK Bundesverbandes, Jürgen Graalmann, sagte: „Wir werden alles dafür tun, jedem Versicherten den Wechsel zur AOK so einfach wie möglich zu machen. Bei der AOK sind alle herzlich willkommen.“
In der Branche gehen derzeit alle davon aus, dass der Mitgliederwechsel diesmal klappen wird. „Wir stehen unter großer Beobachtung“, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person. „Wir können uns ein Debakel wie bei der City BKK nicht noch einmal leisten.“ Die Kassen seien nun auch besser vorbereitet, viele Fragen, die bei der City BKK noch bestanden hätten, seien geklärt. Hinzu komme, dass die Mitglieder der BKK für Heilberufe sich gut im Gesundheitswesen auskennen würden und zudem bis auf wenige Ausnahmen noch im Arbeitsleben stünden. Ihnen falle ein Wechsel der Kasse leichter als den vielen Rentnern, die bei der City BKK versichert waren. In Kassenkreisen hofft man, dass der Mitgliederwechsel bis Ende des Jahres vollständig über die Bühne gehen wird.

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