24.10.2011

Lehman Brothers: Die US-Bankenrettung als Erfolgsmodell

Von Thomas Spang
        

Wenigstens das Lehman-Logo ist noch etwas wert: 50000 Euro brachte es auf einer Auktion.
Wenigstens das Lehman-Logo ist noch etwas wert: 50000 Euro brachte es auf einer Auktion.
Foto: getty images
Washington –  

Der Staat hat sich als kluger Sanierer der angeschlagenen Geldhäuser des Landes erwiesen. Der Staat erhielt Aktien für seine Finanzspritzen.

Von John F. Kennedy stammt der Satz, dass in der Politik Erfolge hundert Väter haben. Während Niederlagen Waisen zurücklassen. Im Fall der Rettung der amerikanischen Banken verhält es sich kurioserweise umgekehrt. Kaum jemand möchte sich heute mit dem eilig aufgesetzten „Troubled Asset Relief Program“ (TARP) in Verbindung bringen lassen. Dieses hatte der damalige Finanzminister Henry Paulson auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Herbst 2008 aus dem Boden gestampft.

Beteiligung statt Geldspritze

Als die US-Kreditmärkte nach dem Lehman-Zusammenbruch praktisch über Nacht einfroren und die Wirtschaft zum Stillstand brachten, bastelten Paulsons Experten an einem 700-Milliarden US-Dollar schweren Rettungsfonds. In seiner ursprünglichen Version sollte TARP genutzt werden, sogenannte Giftpapiere aus dem Hypothekengeschäft aufzukaufen und die Bilanzen der Banken damit von Risiken zu befreien.

Nachdem ein erster Anlauf im Kongress scheiterte, ging ein zweiter, leicht modifizierter Versuch am 3. Oktober 2008 durch. Die Märkte standen zu diesem Zeitpunkt am Rand eines Kollapses. Alarmierend genug für einige Skeptiker im Kongress, ihre Bedenken hintenanzustellen. Paulson erhielt mit den 700 Milliarden die „Bazooka“, die er haben wollte, um die Stimmung auf den Märkten umzudrehen. Und ein Instrumentarium, das ihm freie Hand ließ, flexibel auf Entwicklungen zu reagieren.

Statt im großen Stil Giftpapiere aufzukaufen, verabreichte Paulson den Banken Finanzspritzen. Die Regierung erhielt im Gegenzug Aktien. Geld floss auch an den weltweit größten Versicherer AIG, der massiv in Derivategeschäfte investiert hatte und vor dem Zusammenbruch stand. Bis heute hält der Staat über 90 Prozent der AIG-Anteile. Unter Präsident Barack Obama setzte das Finanzministerium TARP-Milliarden für die Rettung der einheimischen Autoindustrie ein und schuf ein Programm, das in Not geratenen Hausbesitzern helfen sollte, die Kündigung ihrer Hypotheken zu vermeiden. Parallel dazu öffnete die amerikanische Notenbank Fed ihre Kreditfenster, an denen sich die Banken zu günstigen Konditionen mit frischem Kapital versorgen konnten.

„Es hat funktioniert“, bilanzierte im Frühjahr der für das TARP-Programm zuständige Experte im Finanzministerium, Timothy Massad, vor dem US-Kongress. Eine Einschätzung, die von unabhängigen Analysten geteilt wird. „Die Kapitalspritze schaffte den ultimativen Durchbruch, das Finanzsystem zu stabilisieren“, sagt der Chef-Volkswirt der Rating-Agentur Moody’s Mark Zandi.

Während die Amerikaner landläufig glauben, der Staat habe die 700 Milliarden US-Dollar ausgegeben, belaufen sich die tatsächlichen Kosten auf rund 49 Milliarden US-Dollar. Bei den Banken machte das Finanzministerium beim Verkauf der vom Staat übernommenen Anteile sogar einen Gewinn von sieben Milliarden Dollar. Auch an GM verdiente der US-Staat.

Dass die Bankenrettung so im Verruf steht, hat mit ihrem Erfolg zu tun. „Die Banker machen jetzt wieder eine Menge Geld“, erklärt Princeton-Ökonom Alan Blinder das politische Paradox, während sich der Arbeits- und Immobilienmarkt nicht erholen konnten. Das schafft Ärger auf der Straße, der sich zuerst bei der „Tea Party“ und nun in der Occupy-Wall-Street-Bewegung wiederfindet.

„Wenn die Banker abgesoffen wären, hätte es uns alle mit in den Abgrund gezogen“, erklärt Blinder. Dean Baker vom „Center for Economic and Policy Research“ ruft die Rolle der Notenbank in Erinnerung. „TARP war so etwas wie das Gütesiegel für eine Regierung, die alles unternommen hat, den Finanzsektor zu stützen.“ Im Fall der Fed durch das Anwerfen der Druckerpresse, die den Markt mit frischem Geld für die Kreditvergabe am leben erhielt.

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