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Makers aus Berlin: Wie Firmen aufgezüchtet werden

Friedrich Neuman: Der Makers-Chef und -Gründer ist gebürtiger Brasilianer.

Friedrich Neuman: Der Makers-Chef und -Gründer ist gebürtiger Brasilianer.

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BLZ/Gerd Engelsmann

Friedrich Neuman hört es nicht gerne, wenn man seine Unternehmensgruppe als Miniatur-Version des Unternehmens Rocket Internet bezeichnet. Aber wie die Samwer-Brüder, deren milliardenschwerer Firmenbaufabrik unter anderem Zalando produzierte und für die einst auch Neuman arbeitete, hat ebenfalls er ein Unternehmen geschaffen, das Internet-Firmen aufbaut – einen Company Builder, wie man das in der Szene nennt.

Sieben Unternehmen hat der 37-Jährige seit Oktober 2013 ausgegründet. In diesem Jahr sollen weitere drei bis vier dazu kommen. Dabei ist er ist nicht der einzige, der so vorgeht: Der Ansatz steht für eine neue Art der Unternehmensgründung in Berlin – auch ohne ein Milliarden-Budget, wie es den Samwer-Brüdern zur Verfügung steht.

Makers nennt sich Neumans Firmenbauer, den er zusammen mit Marius Schulze gegründet hat. Inzwischen arbeiten über 120 Mitarbeiter in der Firmengruppe. Als das Unternehmen vor drei Jahren startete, hatten die beiden Makers-Gründer noch gar nicht vor, eine Art Mini-Rocket aufzubauen. Damals ging es nur um eine einzelne Firma: Run A Shop, ein Unternehmen, dass den Umsatz innerhalb von knapp drei Jahren auf einen zweistelligen Millionenbetrag steigern konnte. Das Modell: Neuman und Schulze haben eine Methode gefunden, mit der sie massiv Nutzer auf E-Commerce-Seiten wie Amazon bringen, die sie dann für die zusätzlichen Besucher bezahlen.

Suchbegriffe gekauft

Das funktioniert so: Run A Shop kauft bei Google im großen Stil Anzeigen für bestimmte Suchbegriffe wie „Gartenschere XYZ schwarz“. Insgesamt wurden Google-Anzeigen für über 600 Millionen solcher Suchbegriffe von der Firma gekauft. Klicken die Nutzer auf die Anzeigen, bringt Run A Shop sie zu einer Preisvergleichsseite, von der sie auf Amazon, Ebay oder andere Shops weitergeleitet werden. Diese zahlen Run-A-Shop dann eine Provision pro Verkauf. Dabei geht zwar manchmal nur einige Prozentpunkte, aber die Menge der Besucherzuleitung macht das Modell zum lukrativen Geschäft. Neuman schätzt, dass sie auf diese Weise schon einen Umsatz von über eine Milliarde Euro angetrieben haben.

Den Gewinn stecken Neuman und sein Mitgründer aber nicht nur in Run A Shop: Stattdessen gründen sie damit weitere Unternehmen. Die erste Ausgründung beschäftigt sich etwa mit der Vermarktung von Apps. Damit kann man viel Geld verdienen. Denn Anbieter zahlen inzwischen in den USA zehn Euro dafür, dass ein Nutzer eine App installiert. „In Deutschland liegt der Wert so bei drei bis vier Euro“, sagt Neuman. Iconpeak, wie die Firma heißt, nutzt etwa Werbung in Gratis-Apps, um die Apps unter die Nutzer zu bringen. 2013 an den Start gebracht, hat auch Iconpeak bereits einen zweistelligen Millionenumsatz erreicht. „Wir wachsen wie immer noch um 50 Prozent dieses Jahr,“ sagt Neuman.

Früher hätten die meisten Unternehmen nicht gleich eine eigene Firma gegründet, um einen neuen Geschäftsbereich zu erobern, sondern eher eine neue Abteilung eröffnet. Doch Neuman hält nichts davon. „Zelte statt Paläste“, nennt er seine Strategie. Gemeint ist: Eigenständige Firmen gründen statt das Mutterunternehmen in unterschiedliche Geschäftsfelder wachsen zu lassen.

Der gebürtige Brasilianer ist überzeugt, dass er nur so das richtige Führungspersonal findet. Personen, die bereit sind sich langfristig voll einem Thema zu verschreiben. Der Anreiz für sie ist nicht das Gehalt, da geht es um Anteile. Machen sie ein Unternehmen groß, werden sie selbst Multimillionäre. Er ist überzeugt: „Die Konglomerate haben Schwierigkeiten ihre Mitarbeiter zu motivieren.“

Makers ist längst nicht das einzige Unternehmen, das auf diese Weise Geschäftsmodelle entwickelt. Der Spielevermarkter Hitfox aus Berlin hat sich bereits 2012 zum Company-Builder gewandelt, der 2014 sogar eine weiteren Company-Builder ausgründete: Finleap. Inzwischen gehören zur Hitfox-Gruppe über 500 Mitarbeiter und 15 Firmen – vor allem im Fintech-Bereich und Online-Marketing.

Neumans Kunstverständnis

Auch Makers beschränkt sich längst nicht mehr auf Marketing und E-Commerce. Zu den Makers-Ausgründungen gehört mit Cashboard auch ein Fintech-Unternehmen. Perdoo ist ein Unternehmen, das eine Software für Unternehmen herstellt, und Bonagora hat eine Plattform entwickelt, die Mode-Händler mit Herstellern aus dem Bereich vernetzt. Ähnlich wie bei Rocket werden die Unternehmen in der Frühphase von Experten unterstützt. Dass die Start-ups quasi wie am Fließband zusammengesetzt werden können, wie es die Firmenfabrik Rocket Internet gerne darstellt, denkt Neuman aber nicht. „Alle Unternehmen sind einzigartig, das hat mehr mit Kunst zu tun als mit industrieller Massenproduktion.“

Während Rocket stolz darauf ist, Start-ups innerhalb von hundert Tagen ausrollen zu können, sagt Neuman: „Gerade am Anfang müssen sich die Firmen Zeit nehmen, um das richtige Produkt zu entwickeln, und das kann sehr unterschiedlich lange dauern.“ Die Investitionen von Risikokapitalgebern könnten in dieser frühen Phase sogar zerstörerisch sein. „Sobald mehr Geld da ist, entsteht gewisser Handlungsdruck. Wenn man Druck hat, Zahlen zu produzieren, kann es etwa leicht passieren, die falschen Leute einzustellen.“

In einem ist das Makers-Vorgehen dem Rocket-Ansatz aber sehr ähnlich: Kein Gründer hat mehr den Plan, das eines Tages seine Nachkommen das Unternehmen führen. Schon bei der Gründung haben die Firmen den Exit, den Unternehmensverkauf, im Hinterkopf. Auch aus dieser Überlegung setzt Neuman auf den Aufbau eigenständiger Unternehmen. „Eine Abteilung kann man nicht so leicht rauslösen und verkaufen. Bei einer eigenständigen Firma ist das leicht.“