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Maklergebühren und Mietrecht: Die Tricks der Immobilienmakler

Oft müssen Mieter den Makler nur für das Aufschließen der Tür bezahlen.

Oft müssen Mieter den Makler nur für das Aufschließen der Tür bezahlen.

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Imago/Ralph Peters

In Metropolen wie Berlin, Frankfurt, Hamburg oder Köln explodieren die Mieten, viele Bürger können sich keine adäquate Wohnung mehr leisten. Um Abhilfe zu schaffen, will Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) neben der Einführung einer Preisbremse für Neuvermietungen auch an die Immobilienmakler ran: Deren üppige Gebühren werden in Regionen mit Wohnungsmangel bisher meistens den Mietern übergeholfen – obwohl fast immer der Vermieter den Vermittler beauftragt. Maas will nun das sogenannte Bestellerprinzip einführen: „Wer bestellt, bezahlt. Eigentlich ist das nichts anderes als eine überfällige Selbstverständlichkeit“, so Maas.

Ob das in der Praxis jedoch immer funktionieren wird, erscheint zweifelhaft. Denn die Vermieter und damit auch die Makler sitzen faktisch oft am längeren Hebel. In der Immobilienbranche wird denn auch offenbar mit Hochdruck über Strategien nachgedacht, um das Bestellerprinzip zu umgehen und am Ende doch den Mieter zur Kasse zu bitten. Das legt eine Umfrage unter 2300 Maklern und gewerblichen Vermietern im Auftrag des Fachblatts Immobilienzeitung sowie des Online-Portals Immobilienscout 24 nahe.

„Kampfansage an die Mieter“

So rechnen jeweils zwei Drittel der Befragten aus beiden Gruppen damit, dass sich viele Makler in Zukunft im Gegenzug für eine Zusage offiziell vom Mieter beauftragen lassen werden – auch wenn die Initiative vom Vermieter ausging. Die Mehrheit der Akteure erwartet auch, dass es zu verdeckten Provisionen, sprich Schwarzgeld-Zahlungen, sowie überhöhten Abstandszahlungen für überlassene Möbel oder Einrichtungsgegenstände kommen wird.

Die Opposition im Bundestag schäumt. „Das ist eine Kampfansage an die Mieter“, sagt der baupolitische Sprecher der Grünen, Christian Kühn. Er fordert Minister Maas auf, sich nicht von den Klagen und Drohungen der Maklerbranche beeindrucken zu lassen und das Bestellerprinzip wie geplant einzuführen. Beim Deutschen Mieterbund wiederum heißt es: „Verdeckte Provisionen und überhöhte Abstandszahlungen sind illegal und werden als Ordnungswidrigkeit mit Geldbußen geahndet. Wenn Makler und Vermieter davon ausgehen, dass sie zu derartigen Praktiken greifen werden, ist das beschämend und sollte den Gesetzgeber veranlassen, die vorgesehenen Regelungen zu verschärfen.“

Die Maklerbranche ist in heller Aufregung, seit die Regierung Ende 2013 die Einführung des Bestellerprinzips in den Koalitionsvertrag aufgenommen haben. Mehr als 10.000 Wohnungsmakler gibt es in Deutschland. Viele von ihnen befürchten, dass ihre Umsätze drastisch zurückgehen werden und sie sogar aufgeben müssen. Möglicherweise steht sogar eine regelrechte Marktbereinigung bevor. “Ich rechne damit, dass in Zukunft mehr Vermieter selbst vermieten und auf Makler verzichten werden“, sagt Michael Voigtländer, Immobilien-Ökonom am Institut der Deutschen Wirtschaft Köln. „Da wird sich die Spreu vom Weizen trennen.“

„Sündenbock verfehlter Politik“

Verschwinden könnten vor allem kleine Makler, die von der Vermittlung von Mietwohnungen leben. Andere machen ihr Geschäft vorwiegend mit dem Immobilienverkauf oder der Vermietung von Gewerbe-Immobilien für die das Bestellerprinzip nicht gelten soll. Der Branchenverband IVD läuft trotzdem Sturm gegen das Vorhaben. Präsident Jens-Ulrich Kießling sagt: „Die Politik macht den Makler zum Sündenbock einer verfehlten Wohnungspolitik. Der Wohnraummangel in Ballungsräumen wird nicht dadurch behoben, dass das Problem auf dem Rücken der Makler ausgetragen wird.“

Vor allem Privatleute könnten die Sache künftig selbst in die Hand nehmen. Der Aufwand dafür lässt sich leicht begrenzen. Und zwar, indem man sein Objekt nicht öffentlich anbietet, sondern selbst auf Such-Anzeigen potenzieller Mieter reagiert. In den Zeitungen gibt es solche Annoncen seit jeher, und auch die Immobilien-Portale im Internet richten derartige Rubriken zunehmend ein.

Der Gesetzentwurf zur Einführung der Mietpreisbremse und des Bestellerprinzips befindet sich derzeit in der Ressortabstimmung. Im Juli soll sich das Bundeskabinett damit befassen. Minister Maas will, dass das Gesetz im kommenden Jahr in Kraft tritt.