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Berliner Zeitung | Mehr Datenvolumen: Telekom erhöht Mobilfunk-Preise
16. February 2016
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Mehr Datenvolumen: Telekom erhöht Mobilfunk-Preise

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Telekom-Kunden müssen ab dem 19. April mehr Geld in ihre Mobilfunktarife investieren.

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dpa

Trendwende am Mobilfunkmarkt? Die Telekom setzt die Preise herauf und bietet dafür mehr Datenvolumen. Die Frage ist nun, wie sich die Konkurrenten verhalten.

Wie stark steigen die Preise?

Die Telekom setzt die monatlichen Preise für ihre Mobilfunktarife um fünf Euro herauf. Die günstigste Variante liegt dann bei 34,95 Euro, die teuerste bei 54,95 Euro. Die Tarife gelten vom 19. April an. 

Was gibt es als Gegenleistung?

Als Gegenleistung werden die Datenvolumina, die die Kunden ungedrosselt nutzen, erhöht. Minimum ist ein Gigabyte pro Monat, Maximum sind sechs Gigabyte. Außerdem gibt es Flatrates für Telefonate und den SMS-Versand in alle deutschen Netze und für die Nutzung der WLAN-Hotspots der Telekom. Hinzu kommt, dass Telefonieren und Datennutzung im EU-Ausland, in der Schweiz, in Norwegen und in Island ohne Aufpreis möglich sind – ebenso wie Gespräche zwischen verschiedenen EU-Staaten, also etwa zwischen Spanien und Frankreich.

Was wird mit Kunden, die bereits bei der Telekom sind?

Wie bereits bei der vergangenen Tariferhöhung  profitieren die sogenannten Bestandskunden. Sie behalten die günstigeren Tarife, die es ab 19. April nicht mehr gibt. Zugleich können sie aber das vergrößerte ungedrosselte  Datenvolumen im jeweiligen Tarif nutzen. Für junge Leute und Studenten gibt es sogar das doppelte Datenvolumen  des jeweiligen Tarifs – all das soll Kunden langfristig binden.

Was steckt hinter dem Vorstoß der Telekom?

Die rasante Verbreitung immer leistungsstärkerer Smartphones lässt die Datennutzung  wachsen. Experten rechnen damit, dass sich dies in Zukunft sogar noch deutlich beschleunigen wird, dass ein Großteil des Internetverkehrs künftig über mobile Geräte läuft. Diesen stark steigenden Datenhunger will die Telekom nun nutzen, um höhere Preise durchzusetzen.

Wie haben sich die Preise in der Vergangenheit entwickelt?

Seit der Entwicklung des Mobilfunks zu einem Massenmarkt Anfang der 1990er Jahre sind die  Mobilfunktarife  fast immer günstiger geworden.  Seit 2003 geht es kontinuierlich nach unten. 2015 waren es drei Prozent. Das entspricht der Tendenz der Vorjahre.

Die Zukunft des deutschen Mobilfunkmarktes

Was war der Treiber für die Preissenkungen?

In kaum einer anderen Branche gab es einen derart heftigen Wettbewerb wie im Mobilfunk. Zu den einst vier Netzbetreibern (Telekom, Vodafone, Telefónica/O2, E-Plus) kamen zahlreiche Dienstleister ohne eigene Infrastruktur, die Netzkapazitäten en gros einkauften und günstig an die Nutzer weitergaben. Ferner haben die großen Vier eigene Billigmarken aufgebaut.

Was hat sich verändert?

Im vorigen Jahr  taten sich die beiden kleineren Netzbetreiber Telefónica/O2 und E-Plus zusammen – das ist jetzt der Marktführer mit mehr als 44 Millionen Kunden. Dabei ist wichtig zu wissen, dass E-Plus lange Zeit die Rolle des Wadenbeißers spielte. Da die Ex-Tochter der niederländischen KPN das schwächste Netz hatte, musste sie mit Kampfpreisen antreten, um gegen die Konkurrenten bestehen zu können. Das zwang auch die Telekom oder Vodafone dazu, die Preise zu senken. Jetzt ist der Wadenbeißer verschwunden.

War diese Entwicklung absehbar?

Viele Wettbewerbsexperten hatten vor der Fusion gewarnt. Sie verwiesen darauf, dass  auf anderen Märkten ähnliche Mechanismen wirkten. In Österreich etwa schrumpfte  schon zuvor die Zahl der Netzbetreiber ebenfalls von vier auf drei. Höhere Preise waren die Folge.

Wie geht es jetzt in Deutschland weiter?

Die entscheidende Frage ist, wie reagieren jetzt Telefónica/O2 und Vodafone. Im Mobilfunkgeschäft sind die Margen zwar gesunken. Der Markt ist gesättigt. Es gibt hierzulande längst mehr SIM-Karten als Einwohner.  Wer also die Zahl der  Kunden  erhöhen will, muss sie bei den Wettbewerbern holen.  Das kostet viel Geld für Marketing und Vertrieb. Deshalb ist der Anreiz  relativ niedrig, mit Billigangeboten zu attackieren, zumal es sich bei den drei Netzbetreibern um jeweils extrem starke Akteure handelt. Es ist absolut ausgeschlossen, einen von ihnen zu verdrängen. Also liegt es nahe, eine Art friedliche Koexistenz zu pflegen. Konkret würde das bedeuten:  Preise ebenfalls erhöhen, um die Renditen zu steigern, was den Aktionären gefallen dürfte.

Gibt es ein alternatives Szenario?

Das Beispiel Österreich beweist, dass wieder Bewegung in den Markt kommen kann. Dort ist ein neuer Anbieter aktiv – und schon sinken die Preise. Fraglich ist, ob es vergleichbares in Deutschland geben kann. Bei der Genehmigung der Fusion von Telefónica/O2 und E-Plus  hat die EU-Kommission entschieden, dass der neue Riese Funkkapazitäten und Infrastruktur abgeben muss. Der Dienstleister Drillisch hat sie übernommen, der zuvor über keine eigenen Netze verfügte und eine erheblich geringere Finanzkraft hat. So ein Unternehmen kann nur bedingt eigene Produkte und Dienste entwickeln. Die Qualitäten eines Wadenbeißers hat Drillisch jedenfalls bislang nicht entwickelt.

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