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Mit Zalando im Alexa einkaufen

Alexa

Möglich, dass die nächste Zalando-Lieferung aus dem Alexa kommt.

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imago/Ralph Peters

Bestellt man bei Zalando neue Nike-Sneaker, könnte es sein, dass man einen Schuh bekommt, der nie in einem Zalando-Lager war. Stattdessen könnte ein Kurier ihn aus dem Shopping-Zentrum Alexa am Alexanderplatz bringen. Bodycheck heißt das Modegeschäft in der Mall, mit dem Zalando seit einigen Tagen die Lieferung aus physischen Läden testet. Für das Internetunternehmen ist es der erste Schritt in der Umsetzung des ehrgeizigen Planes, das Inventar aller physischen Läden auch online verfügbar zu machen.

Zalando ist längst mitten in der Transformation von einem einfachen Online-Modehändler zu einer Internetplattform, die Händler, Kunden und Marken vernetzt – wie eben auch den Laden in dem Shopping-Zentrum am Alexanderplatz. Zalando-Manager Christoph Lange sagt: „Für die Kunden bedeutet das mehr Auswahl, für den Laden zusätzlichen Umsatz.“

Drei Milliarden Umsatz

Für Zalando bedeutet die Rolle des Mittlers eine Vielzahl an denkbaren zusätzlichen Erlösströmen. Denkbar, sagt Lange: „Wenn wir wissen, dass sich eine Person für einen Sneaker interessiert und diese Person sich gerade im Alexa befindet, könnten wir ihr auf das Smartphone einen Hinweis schicken.“ Zalando wird so zugleich noch zur digitalen Werbeplattform. „Ein hochprofitabler Bereich“, sagt Zalando-Vorstand Ruben Ritter. Er hatte am Freitag in die Unternehmenszentrale am Spreeufer geladen, um den Umbau des Geschäftsmodells den Journalisten zu erklären.

Erst vor acht Jahren gegründet, machte Zalando inzwischen über drei Milliarden Euro Umsatz und fuhr zuletzt einen Gewinn von 121,5 Millionen Euro ein. Der Umsatz wuchs um ein Drittel – sehr rasant für ein Unternehmen dieser Größe. Und Zalando will rasch weiter wachsen: Der Umsatz soll im laufenden Jahr noch mal um 25 Prozent zulegen. Damit das gelingt, will Zalando allein in diesem Jahr 180 Millionen Euro investieren und zum Anbieter verschiedenster Dienstleistungen für Hersteller, Händler und Kunden werden.

Marken an Daten interessiert

Für die Modemarken ist Zalando vor allem wegen der Daten interessant, die das Unternehmen über die Kunden gewinnt. Zalando weiß besser Bescheid, wer bestimmte Jeans kauft, als die Marken selbst – diese lassen an der Kasse den Kunden schließlich keine Fragebögen ausfüllen, welche Marken sie sonst noch gerne tragen. Zalando dagegen kennt das Einkaufsverhalten der Kunden genau – und arbeitet fieberhaft daran, aus den Daten einen Mehrwert zu generieren: So entwickelt Zalando Algorithmen, mit denen sich vorhersagen lassen, welche Kleidungsstücke bestimmten Personengruppen gefallen könnten auf Basis von anderen Personen, die einen ähnlichen Stil bevorzugen. Den Marken bietet Zalando dann wiederum an, bestimmte Produkte sehr gezielt bei bestimmten Personengruppen zu bewerten – und erschließt sich so einen neuen Erlösstrom.

Der Umbau zur Modeplattform bedeutet auch, dass Zalando einen immensen Bedarf an neuen Programmierern hat. Inzwischen arbeiten bereits über tausend Entwickler und Daten-Analysten vor allem in Berlin in Zalandos Technologiebereich. Bis Ende des Jahres sollen sogar 1 800 Personen an der Technologie der Plattform schrauben. Damit Mode irgendwann offline sowie online nicht mehr ohne Zalando verkauft wird.