Neuer Inhalt

Mitfahrzentrale vor massiven Veränderungen: BlaBlaCar führt Gebühren in Deutschland ein

Frederic Mazella, BlaBlaCar-Chef, bei einer Präsentation Anfang November in Paris.

Frederic Mazella, BlaBlaCar-Chef, bei einer Präsentation Anfang November in Paris.

Foto:

AFP

Die Mitfahrzentrale BlaBlaCar steht vor massiven Veränderungen. Im nächsten Jahr will Deutschlands größter Vermittler von Mitfahrgelegenheiten erstmals ein Online-Bezahlsystem mit Gebühren für Mitfahrer einführen. Dies sagte BlaBlaCar-Deutschlandchef Olivier Bremer am Mittwoch der Berliner Zeitung. Die Gebühren werden von der Länge der Strecke abhängig sein und auf einer durchschnittlichen Langstrecke wie etwa von Hamburg nach Köln zwischen zwei bis drei Euro liegen.

Gebühren „voraussichtlich im Laufe des nächsten Jahres“

Bereits im Januar 2016 soll ein Online-Bezahlsystem eingeführt werden. Mitfahrten können ab dann zunächst auf ausgewählten Strecken nicht mehr in bar gezahlt werden, sondern online per Kreditkarte oder Paypal. Reservierungsgebühren sollen im Januar noch nicht erhoben werden. Erst wenn die Umstellung der gesamten Plattform auf das Online-Bezahlsystem erfolgt ist, sollen auch Gebühren erhoben werden. „Voraussichtlich im Laufe des nächsten Jahres,“ sagte BlaBlaCar-Manager Bremer.

Die Einführung von Gebühren ist ein heikler Schritt für den Dienst. Als die von BlaBlaCar übernommene Plattform Mitfahrgelegenheit.de Gebühren einführte, hatte dies zu massiven Nutzerprotesten geführt. Bremer sagte, dass die Nutzer von dem Online-Bezahlsystem profitieren würden, da dies zu mehr Zuverlässigkeit führe. In Ländern wie Frankreich, Spanien oder Großbritannien sei es gelungen, die Quote kurzfristiger Absagen durch die Einführung der Onlinezahlung um 90% zu senken. In Frankreich habe sich nach der Einführung des Online-Bezahlsystems mit Gebühren im Jahr 2012 die Zahl der Nutzer verfünffacht.

Bei kurzfristiger Absage weniger als 24 Stunden vor der Fahrt müssen Mitfahrer 50 Prozent des Fahrpreises an den Fahrer zahlen. Bei eine früheren Absage bekommen die Mitfahrer dagegen das Geld zurück.

BlaBlaCar-Manager Bremer betont, dass die Umstellung nötig sei, um das Mitfahren für breite Bevölkerungsschichten als Verkehrsmittel auf einer Ebene mit Bus und Bahn zu etablieren. „Wir passen uns mit der Onlinezahlung mit Reservierungsgebühren dem an, was Reisende von der Bahn und Fernbussen ohnehin kennen“, sagte Bremer. „Das Produkt wird durch die Onlinezahlung komplett revolutioniert.“

Konkurrenz zu Fernbussen und Bahn

Mit der Professionalisierung will BlaBlaCar sich als preisgünstige Alternative zu Fernbussen und Bahn etablieren. Da die Preise, die der Fahrer nehmen kann, von BlaBlaCar gedeckelt sind, sei die Mitfahrzentrale gerade vor Terminen wie Weihnachten im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln extrem günstig. „Aufgrund der hohen Anzahl der Strecken ist es zudem wahrscheinlich, dass sie direkt von Altona nach Kreuzberg fahren können.“ Gegenüber Fernbussen bestehe zudem ein zeitlicher Vorteil. Bei langen Strecken wie Berlin nach München können dieser mehrere Stunden betragen.

Als Hauptkonkurrent sehe BlaBlaCar allerdings nicht Bahn oder Busse, sondern das Auto, sagte Bremer. Drei Viertel der Fahrten in Deutschland zwischen 100 und 800 Kilometern werden mit dem Auto abgelegt. „Wir wollen bei den Autofahrern ein Bewusstsein schaffen, dass die leeren Sitze einen Marktwert haben“, sagte Bremer.

Mitfahrgelegenheit.de vor dem Aus

Die 2007 in Paris gegründete Plattform BlaBlaCar hat in Deutschland die beiden Websites Mitfahrgelegenheit.de und Mitfahrzentrale übernommen. Mitfahrzentrale wurde bereits eingestellt, das Aus für Mitfahrgelegenheit.de soll bald folgen. „Inzwischen sind 95 Prozent der Mitfahrgelegenheit-Nutzer auf BlaBlaCar umgestiegen“, sagte Bremer. Wie viele Fahrten in Deutschland vermittelt werden, gibt BlaBlaCar nicht bekannt. Weltweit nutzen 10 Millionen Kunden in den letzten drei Monaten den Dienst.
Die Plattform ist damit eine der erfolgreichsten europäischen Internetfirmen. Investoren haben bislang 310 Millionen Euro in das Start-up gepumpt, das nach der letzten Finanzierungsrunde mit 1,4 Milliarden Euro bewertet wurde. Im kommenden Jahr wollen die Franzosen mit dem Geld weiter in Asien und Lateinamerika expandieren.


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?