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Berliner Zeitung | Mobilfunktarife: Auch O2 und Vodafone wollen ihre Preise erhöhen
25. February 2016
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Mobilfunktarife: Auch O2 und Vodafone wollen ihre Preise erhöhen

Mobilfunkbetreiber

Der Mobilfunkmarkt ist gesättigt. Daher sind Preiserhöhungen bei den Netzbetreibern wahrscheinlich.

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dpa

Frankfurt a. M. -

Wer sind die Gewinner und wer die Verlierer auf dem deutschen Mobilfunkmarkt? Das ist derzeit schwer zu sagen. Alles sieht nach einem toten Rennen der drei Netzbetreiber (Telefónica/O2, Telekom, Vodafone) aus. Und das macht Preiserhöhungen bei dem Trio wahrscheinlich. Bei den Kundenzahlen bewegt sich im Vergleich zu früheren Jahren nicht mehr viel. Im vierten Quartal hat der Marktführer Telefónica  leicht verloren und kam noch auf 43,1 Millionen Verträge, dafür legten die Telekom (40,4 Millionen) und Vodafone (30,4 Millionen) etwas zu. Solche kleineren Verschiebungen wird es auch in Zukunft geben. Große Sprünge sind nicht zu erwarten – der Markt ist gesättigt.

Die Kundenwanderung hängt auch immer davon ab, wer gerade eine Marketingkampagne am Laufen hat. Und da gilt es abzuwägen, ob sich viele Millionen Euro für Reklame lohnen, um einige Tausend Kunden mehr zu kriegen, die in einigen Quartalen schon wieder zu einem anderen Anbieter wechseln. Discounter wie Drillisch oder 1&1, die keine eigenen Netze haben, sondern Kapazitäten en gros kaufen und günstig weitergeben, spielen dabei eine wichtige Rolle. 

Telekom und Vodafone müssen spürbare Einbußen hinnehmen

Die Gruppe der Schnäppchenjäger macht aber nur ein Drittel aller Mobilfunkkunden aus – zwei Drittel halten die Füße still, sie akzeptieren auch höhere Tarife, wenn nur alles verlässlich und störungsfrei läuft. Doch das eine Drittel der Preissensiblen hat in der Vergangenheit die Entwicklung der Tarife bestimmt. Und damit ging es stets bergab. Das lässt sich auch aus den am Donnerstag vorgelegten Geschäftszahlen von Telefónica Deutschland und Telekom für 2015 ablesen. Beim Marktführer rutschten im vergangenen Jahr die Gebühreneinnahmen um ein Prozent ab, obwohl bei gleichbleibendem Sprachvolumen der Datenverkehr im vergangenen Jahr ein Viertel wuchs.

Auch die Telekom und Vodafone mussten zuletzt bei den Serviceumsätzen spürbare Einbußen hinnehmen. Für die gesamte Branche gilt: Pro Kunde wird weniger eingenommen, obwohl er mehr Kapazitäten nutzt. Dies könnte sich noch dadurch verstärken, dass Aufschläge für Auslandsgespräche (Roaming), die bislang eine wichtige Einnahmenquelle waren, von 2017 an in der EU verboten sind.

Telefónica und Vodafone wollen Preise erhöhen

Für die Netzbetreiber kann es nur einen Ausweg aus dem Dilemma geben: Höhere Preise, die am besten mit geschicktem Marketing flankiert werden. Indem man sie mit dem rechtfertigt, was alle wollen: mehr Datenvolumen. Genau diesen Weg hat die Telekom kürzlich eingeschlagen – mit fünf Euro mehr pro Monat. Jetzt basteln auch die Experten bei Telefónica und Vodafone an höheren Tarifen, die vor allem auf die Zwei-Drittel-Mehrheit der Kundschaft zielen, die Aufschläge akzeptiert.

So lässt sich für die großen Drei zumindest eins bewirken: die Umsatzbasis wird langfristig gestärkt, was angesichts anstehender Großinvestitionen in neue Netze und des Roamingverbots enorm wichtig werden kann.  Gut möglich, dass das Trio dafür sogar  kurzfristig schrumpfende Kundenzahlen akzeptiert – durch die Abwanderung zu Discountern. Telefónica-Chef  Thorsten Dirks jedenfalls gibt sich für 2016 zurückhaltend und spricht von einem „herausfordernden Marktumfeld“. Er erwartet, dass die Umsätze aus den Mobilfunkdienstleistungen seines Unternehmens wieder nur „leicht rückläufig bis weitgehend stabil“ sein werden.