Neuer Inhalt

My Taxi: „Wir sprechen von einer Revolution“

Geballte Macht: Mit etwa 80 Prozent Marktanteil ist My Taxi klarer Marktführer bei der Taxivermittlung durch mobile Applikationen.

Geballte Macht: Mit etwa 80 Prozent Marktanteil ist My Taxi klarer Marktführer bei der Taxivermittlung durch mobile Applikationen.

Foto:

mytaxi

Firmengründer Sven Külper will nun das Bestellsystem, das Taxizentralen überflüssig macht, weltweit vermarkten. In Zukunft sieht er die Anwendung als einen Teil von miteinander verknüpften Mobilitätslösungen – vom Fahrrad über Carsharing bis zum Flugzeug.

Herr Külper, die Gewerkschaft Verdi beklagt, dass Taxifahrer nur noch Hungerlöhne verdienen. Verbände fordern höhere Fahrpreise und weniger Konzessionen in den Kommunen. Und Ihnen wird vorgeworfen, Arbeitsplätze in den Taxizentralen zu vernichten. Woher der Aufruhr in der Branche?

Richtig ist, dass die Branche in manchen Städten ein Problem hat. Wir glauben, dass Mindestlöhne für Taxifahrer und behördliche Restriktionen nicht weiterhelfen. Unser Ansatz ist, Qualität in den Taximarkt zu bringen.

Wie soll das mit Ihrer Smartphone-App My Taxi funktionieren?

Unsere App macht nichts anderes, als eine direkte Verbindung zwischen dem Smartphone des Fahrgastes und dem Smartphone des Taxifahrers herzustellen. Nach jeder Fahrt kann ich als Kunde sagen, ob mir der Service gut gefallen oder nicht gefallen hat. Daraus entstehen Bewertungen, die ich in Form von Sternen vergebe. Kunden können dann bei der Taxi-Suche nach gut bewerteten Fahrern suchen. Diese bekommen mehr Touren und verdienen mehr Geld.

Und die Unfreundlichen gehen pleite?

Ich weiß nicht, ob sie gleich pleite gehen müssen. Die Unfreundlichen bekommen in jedem Fall weniger Kunden.

Kann’s der Markt mittels Bewertungen wirklich regeln?

Bei Bewertungen entsteht die Gefahr der Manipulation. Bei Hotels geschieht dies bereits in großem Stil.

Das unterminiert ihr Konzept doch?

Das haben wir bis jetzt nicht erfahren. Im Gegenteil! Unsere Fahrer wissen, dass sie bei My Taxi erstmalig eigenständige Dienstleister werden können. Je besser der Service und das Taxi, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie als Stammfahrer in der Fahrgast-App gespeichert werden.

Werden die Taxizentralen durch My Taxi vernichtet?

Mit My Taxi haben wir den weltweiten Taximarkt neu definiert. Wir haben eine zeitgemäße Methode eingeführt, um ein Taxi zu bestellen. Fast 40 Prozent aller Bundesbürger ab 14 Jahren besitzen ein Smartphone. Auch die Zentralen haben den Trend mittlerweile erkannt und unser Modell zahlreich kopiert. Allerdings stellen die meisten nur eine lokal agierende App zur Verfügung. Da liegt es auf der Hand, dass My Taxi sich als international operierendes Unternehmen langfristig durchsetzen wird.

Große Pläne. Dabei haben Sie ganz klein angefangen.

Wir hatten ursprünglich eine App für eine Ad-Hoc-Mitfahrzentrale geplant. Das erwies sich als zu komplex. Also haben wir das Grundkonzept für den Taximarkt umgebaut. Dann mussten wir an die Taxis kommen. Wir haben uns an den größten Taxi-Unternehmensverband, den BZP gewandt. Fünfmal waren wir beim BZP, bis wir einen Anruf bekamen, des Inhalts, dass My Taxi ein Hype sei, der verschwinden werde. Daraufhin sind mein Geschäftspartner Niclaus Mewes und ich selbst auf die Straße gegangen und haben in Hamburg an die Fensterscheiben der Taxis geklopft. Das war ein mühsamer Weg.

Und jetzt liegen Sie im Dauerclinch mit der Taxi-Lobby?

Uns wurde der Begriff des kreativen Zerstörers gegeben. Das waren die Medien. Der Begriff kommt daher, dass wir eine disruptive Technologie auf den Markt gebracht haben. Das heißt, das verwandelt bestehende Strukturen komplett. Deshalb sprechen wir - auch wenn es etwas reißerisch klingt - von einer kleinen Revolution.

Das Taxifahren selbst ist dadurch aber nicht anders geworden. Wer profitiert von My Taxi?

Es gibt durch die direkte Verbindung von Fahrgast und Fahrer neben dem Qualitätsaspekt eine ganze Menge Mehrwerte. Wir versuchen, den gesamten Prozess von der Bestellung über die Fahrt bis zur bargeldlosen Bezahlung in die Zukunft zu führen. Der Fahrgast wird über die App automatisch geortet. Der Kunde weiß, welcher Taxifahrer kommt. Die Taxifahrt wird deanonymisiert. Und der Kunde kann mit unserer App problemlos und ohne Bargeld zahlen.

Wie hoch sind inzwischen die Marktanteile von My Taxi?

Sieben Millionen Leute haben die App auf ihrem Smartphone. Wir sind in 40 Städten aktiv und 35.000 Taxis sind an unser System angeschlossen. In Deutschland ist die My Taxi-App in 15 000 Taxis. Insgesamt gibt es hierzulande 55.000 Taxis.

Flacht sich die Wachstumskurve jetzt ab?

Im Gegenteil. Wir haben die Internationalisierung stark vorangetrieben, deshalb ist das Wachstum sogar noch steiler geworden. Wir sind jetzt in sechs Ländern präsent. Aber auch in Städten, wo wir schon länger aktiv sind, geht es weiter.

Woran liegt das?

Das hat viel damit zu tun, dass die Smartphone-Verbreitung weiter steigt. Und junge Leute, die mit Smartphones groß geworden sind, rutschen immer stärker in die Gruppe der Taxinutzer. Zudem wird die App für immer mehr Betriebssysteme angeboten. Blackberry ist gerade hinzu gekommen.

My Taxi wird vorgeworfen, dass von der App nur junge Urbane profitieren. Doch was machen alte Menschen auf dem Land, die kein Smartphone haben? Insbesondere wenn es bald weniger Taxizentralen gibt.

Wir haben uns mit diesem Problem eingehend beschäftigt und deshalb „My Taxi Dispatch“ entwickelt. Das ist eine Software, die besonders für kleine Taxizentralen in ländlichen Räumen geeignet ist. Das Prinzip: Der Fahrgast ruft in der Zentrale an. Dort werden alle Koordinaten von Mitarbeitern über die My Taxi-App an den Fahrer übermittelt.

Das klingt wie ein Schritt zurück in der Digitalisierung des Taxigewerbes.

Wir schließen eine Lücke. My Taxi Dispatch ist eine Cloud-basierte Software, die es Zentralen erlaubt, online und ohne die Anschaffung eigener Server effizient und schnell Fahrten zu vermitteln und dabei die Vorteile von My Taxi zu nutzen.

Heißt das auch, dass das Umkrempeln im gesamten Mobilitätssektor gerade erst beginnt?

Davon bin ich definitiv überzeugt. Es läuft auf integrierte Mobilitäts-Apps hinaus. Das ist, was die Kunden eigentlich wollen. Für den kompletten Weg von ihrer Haustür in Frankfurt bis ins Büros des Firmengründers in Berlin, mit dem Sie einen Termin haben. Eine durchgängige Lösung mit Taxi, Bahn, Bus, Fahrrad und Carsharing. Alles quasi durchgebucht und per Smartphone bezahlt. Und das Flugzeug muss auch noch dazu kommen. Die Herausforderung wird darin bestehen, dass die App noch überschaubar und einfach zu nutzen ist.

Dabei fallen viele Daten an, lassen die sich nicht sehr lukrativ vermarkten?

Wir nutzen die Daten unserer Kunden ausschließlich für die Dienste von My Taxi. Die Sensibilität was Datenschutz angeht, ist da bei den Kunden sehr groß.

Kommt von Ihnen bald genau diese integrierte App, die dann vielleicht My Trip heißt?

Wir sind Taxi, darauf konzentrieren wir uns.

In welcher Hinsicht?

Unser Schwergewicht liegt jetzt auf der Internationalisierung. Ich bekomme jede Woche ein Google-News-Alert, dass in einem Land wieder ein neuer Wettbewerber antritt. Da müssen wir versuchen, mitzuhalten. Car2go, die Anfang 2013 in uns investiert haben, ist dabei ein wichtiger Partner für uns. My Taxi wurde nicht nur in die Car2go-App integriert, sondern wir nutzen auch gemeinsam Synergien.

An eine ganz neue, ganz andere App denken Sie nicht?

Mit My Taxi sind wir voll ausgelastet. Natürlich denken wir an weitere Apps für den Bereich Mobilität, aber dazu kann ich öffentlich leider nichts sagen. So etwas ist ein bisschen schwierig in unserer Branche, da muss ich um Verzeihung bitten.

Zum Schluss noch eine indiskrete Frage: Sind Sie mit My Taxi schon zum Millionär geworden?

Reich an Erfahrung auf jeden Fall.

Das Gespräch führte Frank-Thomas Wenzel.


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?