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Nebenkosten: Die zweite Miete steigt rasant

Die Mietnebenkosten betragen im Durchschnitt mittlerweile 2,20 Euro pro Quadratmeter im Monat.

Die Mietnebenkosten betragen im Durchschnitt mittlerweile 2,20 Euro pro Quadratmeter im Monat.

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dpa

In deutschen Ballungsräumen wie Berlin, Frankfurt am Main und Köln steigen die Wohnungsmieten in einem atemberaubenden Tempo. Doch auch für die Deckung der Betriebskosten müssen Mieter immer mehr bezahlen. Das geht aus dem Betriebskostenspiegel hervor, den der Deutsche Mieterbund am Dienstag veröffentlichte. Heizung und Warmwasser verteuerten sich erneut deutlich. Die Verbraucherschützer bezeichnen die Betriebskosten häufig als „zweite Miete“, die die Bewohner schultern müssen. Sie beträgt oft ein Drittel der Kaltmiete.

Nachzahlungen zu erwarten

Den Angaben zufolge zahlten Mieter in Deutschland im Schnitt 2,20 Euro im Monat für Betriebskosten. Die Belastung kann aber deutlich höher liegen, wenn das Haus beispielsweise über Grünflächen, einen Fahrstuhl oder Kabelanschluss verfügt. Rechnet man alle denkbaren Betriebskostenarten zusammen, ergibt sich eine zweite Miete von bis zu 3,19 Euro pro Quadratmeter. Für eine 80 Quadratmeter große Wohnung müssten dann fast 3 100 Euro pro Jahr nur an Betriebskosten aufgebracht werden, hat der Mieterbund errechnet.

Für den aktuellen Betriebskostenspiegel wertete der Verband Abrechnungsdaten des Jahres 2012 aus. Die Belastung der Mieter lag in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Die Abrechnungen für 2013 sind vielerorts noch nicht fertiggestellt. Grundsätzlich muss man unterscheiden zwischen kalten und warmen Betriebskosten. Zur ersten Kategorie zählen Müllentsorgung, Hausreinigung und Versicherungen. Zur zweiten Kategorie gehören Heizung und Warmwasser, die grundsätzlich verbrauchsabhängig abzurechnen sind. Insbesondere die warmen Betriebskosten zogen zuletzt deutlich an. Das lag an den steigenden Preisen für Brennstoffe wie Öl und Gas – aber auch daran, dass die Mieter wegen der kalten Wintermonate 2012 einfach mehr heizen mussten. Die Heizkosten kletterten um fast ein Fünftel. „Insgesamt machten die warmen Betriebskosten 2012 etwa 65 Prozent aller tatsächlich gezahlten Betriebskosten aus“, so der Mieterbund.

Nachzahlungen für 2013

Auch für 2013 müssen viele Mieter mit steigenden Belastungen rechnen. Auf sie kommen also Nachzahlungen zu. Zwar waren im vergangenen Jahr die Energiepreise weitgehend stabil. Aber auch die ersten Monate des Jahres 2013 waren kalt, erforderten also mehr Heizenergie. In vielen Kommunen seien überdies die Grundsteuern erhöht worden, die sich die Vermieter ebenfalls anteilig vom Mieter zurückholen können. Zusatzkosten seien auch durch Legionellen-Überprüfungen und Wartungskosten für Rauchmelder zu erwarten.

Die hohen Betriebskosten stellen für viele Mieter längst ein ernsthaftes Problem dar. Es fällt ihnen vor allem schwer, die hohen Energiepreise zu bezahlen. Im Februar hatte die Bundesregierung mitgeteilt, dass 2011 fast sieben Millionen Haushalte in sogenannter Energie-Armut lebten. Gemeint ist damit, dass sie mehr als zehn Prozent ihres verfügbaren Monatseinkommens für Gas, Heizöl und Strom aufwenden mussten.

Nach Angaben des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen sind seit 2000 in Deutschland die Preise für die Dienstleistungen der kalten Betriebskosten um 20 Prozent geklettert. Energie verteuerte sich aber um 112 Prozent. Die durchschnittlichen Nettokaltmieten hingegen seien im selben Zeitraum nur um 17 Prozent gestiegen.