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Berliner Zeitung | Nicht auf die Bank hören!
21. March 2016
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Nicht auf die Bank hören!

bankberatung

Zur Bankberatung gibt es immer eine Alternative.

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imago/McPHOTO

Ein Gesprächstermin bei der Bank oder Sparkasse zum Thema Geldanlage sollte man sich am besten so vorstellen, wie  ein Besuch im Elektromarkt:  Die Beratung als solche kostet den Kunden nichts, doch am Ende wird die Bank  trotzdem auf ihre Kosten kommen.  Denn genauso wie der Elektromarkt  gut an dem Kühlschrank oder dem Fernseher verdienen wird, den der Kunde  am Ende kauft, verdient die Bank an den Wertpapieren, die der Kunde nach dem Beratungsgespräch ordert.

Doch hier gibt es einen entscheidenden Unterschied: Während der Elektromarktverkäufer  dem Kunden  in der Regel ein für ihn geeignetes Gerät verkaufen wird,  kann sich der Bankkunde fast sicher sein, dass er mit anderen Wertpapieren als den vom Berater empfohlenen besser fahren würde. Doch an denen verdient die Bank eben deutlich weniger und deshalb werden sie vom Berater auch nicht empfohlen.

Die Stiftung Warentest hat für die April-Ausgabe ihrer Zeitschrift Finanztest die Probe aufs Exempel gemacht und hat Testberater in mehrere Filialen der sechs wichtigsten deutschen Geldhäusern geschickt: zu Deutscher Bank,  Commerzbank, Hypovereinsbank, Postbank, Genossenschaftsbanken und Sparkassen.  Die Testkunden gaben an, 45 000 Euro für zehn Jahre anlegen zu wollen, ein Teil davon mir Risiko. Bei Bedarf sollte das Geld schnell verfügbar sein.

Das Testergebnis: Fast alle Berater empfahlen Mischfonds, also Fonds, die sowohl in Aktien als auch in Zinspapiere investieren. Diese Mischung sei zwar im Prinzip richtig, sagen die Finanztest-Experten.  Die empfohlenen Fonds seien aber oft zu teuer und für Anleger nur zweite Wahl. Meist handelt es sich bei den  empfohlenen Fonds um Produkte von eigenen Tochterunternehmen der Bank. Kein Wunder, denn an den eigenen Produkten verdienen die Banken am besten. Finanztest zufolge muss das nicht zwangsläufig von Nachteil für die Kunden sein. Das Problem sei aber, dass es selbst von den eigenen Anbietern  fast immer deutlich bessere als die empfohlenen Fonds gebe.

Finanztest hat  die von den Bankberatern  am häufigsten empfohlenen Fonds mit selbst ausgewählten Fonds verglichen. 

Ein Überblick:

Commerzbank: Am häufigsten empfahlen die Commerzbank-Berater den von der Allianz aufgelegten Fonds Vermögensmanagement Balance A EUR. Die Allianz war früher der Mutterkonzern der Dresdner Bank. Zwar  ging diese später in der Commerzbank auf, doch die Vertriebspartnerschaft mit der Allianz besteht weiterhin. Der empfohlene Fonds kostet den Anleger stolze 2,49 Prozent pro Jahr. Finanztest zufolge ist er damit zu teuer. Zudem waren seine Ergebnisse in den vergangenen fünf Jahren enttäuschend: Im Schnitt blieb er in seiner Wertentwicklung fünf Prozent hinter dem Marktdurchschnitt zurück. Als bessere Lösung empfiehlt Finanztest den Allianz Strategiefonds Balance A EUR. Dessen Kosten sind mit 1,45 Prozent pro Jahr deutlich niedriger. Zudem brachte er dem Anleger auf Fünfjahressicht im Schnitt 4,2 Prozentpunkte pro Jahr mehr ein als der von den Beratern empfohlene Fonds.

Hypovereinsbank: Am häufigsten empfehlen die Berater der Bank den Fonds HVB Vermögensdepot privat Wachstum PI mit jährlichen Kosten von 2,27 Prozent für den Anleger. Das Urteil der Tester: „Gemessen an seiner 50:50-Mischung aus internationalen Aktien und Euro-Renten war seine Wertentwicklung enttäuschend.“ Die bessere Lösung sei das Private Banking Vermögensportfolio Nachhaltigkeit A PI 4, der ethisch-ökologische Kriterien folgt und dessen jährliche Kosten nur 1,33 Prozent betragen. Seine Rendite war deutlich besser als die des HVB Vermögensdepots.

Deutsche Bank: Die Berater des Branchenprimus empfahlen mehrheitlich den Fonds DWS Multi Opportunities LD. Die DWS ist die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank. Er kostet jährlich 1,54 Prozent und kann je nach Börsenlage unterschiedliche Strategien verfolgen. Das macht sein Risiko für Anleger laut Finanztest schwer kalkulierbar. Als Alternative empfehlen die Tester, eine Hälfte des Anlagebetrages in den Aktienfonds DWS Top Dividende zu investieren und die andere in den Rentenfonds Deutsche Invest EuroGov Bonds LC. Damit ist das Geld jeweils genau zur Hälfte in Aktien und in Zinspapiere investiert.

Postbank: Noch ist sie  eine Tochter der Deutschen Bank. Kein Wunder, dass ihre Berater deshalb am häufigsten auch einen DWS-Fonds empfehlen: den DWS Top Portfolio Balance, mit  1,36 Prozent Kosten pro Jahr. Auch dieser Fonds verfolge eine flexible Strategie. Sein Risiko sei deshalb ebenfalls für Anleger nur schwer kalkulierbar.  Zudem war die Wertentwicklung zuletzt negativ. Postbank-Kunden sollten deshalb auf die gleiche Fonds-Kombination setzen, wie  Finanztest es Deutsche-Bank-Kunden empfehle.

Genossenschaftsbanken: Zu ihnen zählen unter anderem die Volks- und Raiffeisenbanken.  Deren Berater empfehlen mehrheitlich den Privatfonds Kontrolliert der Fondstochter Union Investment. Er kostet  2,05 Prozent pro Jahr plus einer erfolgsabhängigen Gebühr. An den hohen Kosten stört sich Finanztest. Als Alternative empfiehlt es den Fair World Fonds, der nur 1,3 Prozent pro Jahr kostet, keine Erfolgsgebühr nimmt und ethisch-ökologische Kriterien berücksichtigt.

Sparkassen: Häufigste Empfehlung ihrer Berater ist der Fonds Deka-Basisanlage A60, der eigenen Fondstochter Deka Investments, der 1,06 Prozent plus Erfolgsgebühr kostet. Das Urteil der Tester: die Strategie des Fonds und eine eingebaute „Quasigarantie seien nicht überzeugend. Eine bessere Option sei der Sigma Plus Konservativ der Sparkassengruppe mit  jährlichen Kosten von rund einem Prozent.