Schock in der Adventszeit. Wie befürchtet, gibt der Netzwerkausrüster Nokia Siemens Networks (NSN) seine Service-Tochter auf. Damit verlieren bis Ende des Jahres 2013 mehr als 1000 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz; lediglich 200 von ihnen haben als Beamte ein Rückkehrrecht zur Deutschen Telekom.
Die Telekom hatte vor fünf Jahren die Sparte mit damals 1800 Leuten samt Serviceverträgen an das Gemeinschaftsunternehmen von Siemens und Nokia verkauft. Der Bonner Konzern blieb jedoch Hauptkunde, kaufte Dienste, wie etwa das Warten überirdischer Telefonleitungen, von der früheren Tochter zu. Der Vertrag zwischen Telekom und NSN läuft nun aber aus, Gespräche über eine Verlängerung sollen gescheitert sein. Damit fällt das gesamte Unternehmen.
Die Belegschaft wurde am Mittwoch bei einer Betriebsversammlung in Kassel über den harten Schnitt informiert. Die Mitarbeiter seien wütend und entsetzt, sagte Verdi-Sprecher Mike Döding. Die Gewerkschaft spricht von Misswirtschaft und erhebt schwere Vorwürfe. Den Managern von NSN Services sei es trotz der erkennbaren strukturellen Probleme nicht gelungen, sich von einem einzelnen Großauftraggeber dauerhaft abzunabeln, sagte Lothar Schröder, Mitglied des Verdi-Bundesvorstandes.
Wie groß der Anteil der Telekom am Umsatz war, sei vertraulich, hieß es gestern. Er sei aber so groß gewesen, dass der Ausfall „richtig wehtue“, sagte ein Insider. Das Management habe es versäumt, das Geschäftsmodell zu erweitern und so für eine profitable Auslastung zu sorgen, sagte Schröder. Stattdessen habe sich NSN Services darauf beschränkt, von der Belegschaft immer wieder Opfer zu verlangen. Die Beschäftigten hätten auf Lohn verzichtet und länger arbeiten müssen. Drei Viertel der Leute sind im Außendienst tätig; der Rest verteilte sich auf 16 kleinere Standorte quer durch die Republik.
NSN Services habe nie Gewinn abgeworfen und in den fünf Jahren seit Gründung Verluste in zweistelliger Millionenhöhe angehäuft, sagte Hermann Rodler, Geschäftsführer der Konzern-Mutter. Die anhaltenden Verluste seien nicht mehr tragbar gewesen. Zudem gehöre die Wartung und Installation von Antennen und Kabeln nicht mehr zum Kerngeschäft der NSN-Gruppe; der Fokus liege künftig auf modernen Netzen für den Mobilfunk, sagte Rodler. Arbeitnehmervertreter und Management wollen nun Verhandlungen über Sozialpläne und Abfindungen aufnehmen.
Am Mittwoch gab NSN zudem bekannt, dass die Kundendienstsparte Business Support Systems mit 1200 Mitarbeitern an den kanadischen IT-Spezialist Redknee verkauft wird.
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