Die Pointe beim jüngsten Preisschub für Rohöl ist: Der Iran exportiert verschwindend geringe Mengen Rohöl nach Großbritannien und Frankreich. Dennoch hat die Ankündigung der Regierung in Teheran, die Ausfuhren in die beiden EU-Staaten zu stoppen, für viel Aufregung gesorgt.
Der Notierung für die Sorte Brent, die für den europäischen Markt maßgeblich ist, lag am Dienstagabend bei rund 122 Dollar je Barrel. Das ist der höchste Wert seit gut neun Monaten. Seit Dezember geht es mit der Brent-Notierung – von Verschnaufpausen abgesehen – bergauf. Im Schlepptau kletterten die Benzinpreise. Sie haben sich für Superkraftstoff jenseits der Marke von 1,60 Euro festgesetzt.
Dabei hat sich an den tatsächlichen Lieferströmen zuletzt nur wenig geändert hat. Das Angebot an Rohöl ist sogar eher gestiegen. In Libyen wird die Förderung wieder hochgefahren. Für Januar haben Händler ein Überangebot von täglich etwa einer Million Fass (159 Liter) festgestellt – insgesamt werden etwa 88 Millionen Fass pro Tag aus dem Erdboden geholt.
Nicht wie gewohnt tanken fahren, sondern sich zielgerichtet nach der billigsten Zapfsäule umschauen, rät der ADAC. Fast alle Autoclubs wie spezialisierte Ratgeber-Dienste im Internet helfen dabei mit täglich aktuellen Benzinpreisübersichten in der Region oder auch Preistipps entlang einer bestimmten Route.
Grundsätzlich sind freie Tankstellen momentan zwei bis drei Cent billiger als Markenstationen, wie Hillgärtner betont. Noch billiger geht es oft an Supermarkt-Tankstellen, vor allem in der Nähe großer Einkaufszentren. Extra Riesenumwege dafür zu fahren, ist aber unsinnig.
An Autobahntankstellen lasse sich nicht sparen, warnt der ACE. Nur wer abfährt und im nächsten Ort auftankt, kann seine Haushaltskasse entlasten. Reisende, die Tankstopps strategisch planen, können sich vom ACE alle Tankstellen entlang der Autobahnen nennen lassen.
Autourlauber, die zum Skifahren oder auf große Fahrt ins europäische Ausland aufbrechen wollen, sollten derzeit nicht mit vollem Tank losfahren. In vielen Nachbarländern ist die Tankfüllung deutlich billiger zu kriegen, etwa in Luxemburg, Polen oder Tschechien. In Österreich sei Treibstoff zurzeit um mindestens acht Cent günstiger, erläutert Hillgärtner. Umwege zum billigen Tanken über die Grenze lohnten sich aber nicht.
Dauerhaften Sparerfolg verspricht wirtschaftliches Fahren. Dazu müssten Millionen Autofahrer ihren persönlichen Fahrstil allerdings ein wenig mehr auf die neue Motorgeneration anpassen, wie Untersuchungen des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) ergaben. Wer bis zu 20 Prozent Sprit sparen will, muss niedertourig fahren, im Drehzahlbereich zwischen 1.500 und 2.500 Umdrehungen pro Minute. Noch vor einigen Jahren galten 2.500 bis 4.000 Umdrehungen als verbrauchsgünstig.
Schnelles Hochschalten ist ebenfalls ratsam. Mit modernen Autos kann ab Tempo 25 schon in den dritten Gang geschaltet, ab Tempo 40 in den vierten und ab 50 im fünften Gang gefahren werden. Die Spritkosten können deutlich gesenkt werden, wenn der Motor des Wagens an der roten Ampel abgestellt werden, wie Hillgärtner betont. Angebliche „Zündungsschäden“ durch häufiges Ausmachen seien „Märchen von gestern“.
Weil jedes Anfahren und Beschleunigen viel Benzin schluckt, ist „Mitschwimmen“ im Verkehrsstrom mit konstanter Geschwindigkeit billiger. Temperamentvolles Fahren geht immer ins Geld.
Jedes Kilogramm, das spazieren gefahren wird, treibt die Tankrechnung zusätzlich in die Höhe: Für 100 Kilogramm Mehrgewicht muss ein halber Liter mehr getankt werden auf 100 Kilometer. Auch Dachboxen und -gepäckträger kosten zehn bis 50 Prozent mehr Sprit. Je schneller damit gefahren wird, desto mehr „frisst“ der Wagen.
Auch der Reifenluftdruck muss stimmen. Schon ein halbes Bar zu wenig erhöht den Verbrauch um bis zu sechs Prozent. Im Tankdeckel stehen die richtigen Werte. Wer es schafft, den Verbrauch seines Wagens um nur einen Liter pro 100 Kilometer zu drücken, kann bei 15.000 Kilometern Laufleistung im Jahr 150 Liter Treibstoff einsparen, hat der ACE berechnet.
Spekulation auf Verteuerung
Die Gründe für den Preisanstieg liegen woanders. „Wichtig ist ein psychologischer Faktor“, sagt Carsten Fritsch, Rohstoffexperte bei der Commerzbank. Alle Welt fragt sich, was plant Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad? Die Rhetorik sei in den vergangenen Tagen „deutlich schärfer“ geworden, betont auch Gabor Vogel von der DZ Bank. Ölhändler und Finanzinvestoren wetten auf eine Eskalation des politischen Streits um das Atomprogramm des Iran. Das Szenario: Der Boykott wird kurzfristig auf EU-Länder ausgedehnt, die tatsächlich vom iranischen Öl abhängig sind – vor allem Spanien, Italien und Griechenland.
Solche Planspiele haben zuletzt offenbar verstärkende Effekte an den Rohstoffbörsen erzeugt. Die Zahl der Terminkontrakte, die mit steigenden Preisen spekulieren, ist deutlich gestiegen. Die Unberechenbarkeit der iranischen Regierung spiele dabei eine wichtige Rolle, so Fritsch. Damit dürfte Ahmadinedschad sein wichtigstes Ziel erreicht haben.
Schwacher Euro
Der Westen, insbesondere Europa, wird mit hohen Treib- und Brennstoffpreisen bestraft. Dem Regime im Teheran kommt dabei ein Effekt zu pass, der eng mit der Schuldenkrise verknüpft wird. Der Euro ist derzeit viel schwächer als im Frühjahr 2011, als der Ölpreis sogar klar über der 120-Dollar-Marke lag. Rechnet man den Brentpreis auf Euro um, kommt ein Wert heraus, der nah am historischen Höchstwert vom Sommer 2008 liegt.
Drohung: Irans Militär droht im Streit um das Atomprogramm mit einem Präventivschlag. Sollte der Iran sich bedroht fühlen, werde er alle Maßnahmen ergreifen, um die nationalen Interessen zu verteidigen, sagte der Vize-Kommandeur der Streitkräfte, Mohammed Hedschasi.
Forderung: Bei Ölexporten nach Europa verlangt das Land künftig langfristige Verträge, garantierte Zahlung und ein Verbot einseitiger Vertragskündigungen von Käufern.
Da Öl in Dollar gehandelt und Benzin in Euro verkauft wird, haben sich die Einkaufspreise für die Raffinerien in Europa verteuert. Dies wird an die Kunden weitergegeben. Die dominierenden Tankstellenketten haben dabei leichtes Spiel, da sie wie ein Oligopol funktionieren. Aral läutet Preisrunden ein, die anderen ziehen nach. Auch Freie Tankstellen müssen sich an den Vorgaben des Quintetts orientieren, denn von deren Raffinerien beziehen sie den Sprit. So entsteht ein Mechanismus, mit dem getestet wird, welcher Preis bei den Kunden gerade noch durchsetzbar ist.
Wobei die Leidensfähigkeit vieler Autofahrer groß ist, viele können kurzfristig nicht auf den Wagen verzichten. Längst kursieren Befürchtungen, dass demnächst die Marke von 1,70 Euro für Super genommen wird. Dafür spricht, dass die Nervosität derzeit noch zusätzlich steigt, weil nach neuen Unruhen im Südsudan die dortige Ölförderung gefährdet ist.
„Geopolitische Prämie“
Vogel geht davon aus, dass am globalen Ölmarkt derzeit eine „geopolitische Prämie“ von 20 bis 25 Dollar pro Fass gezahlt wird. Er hält damit das Preispotenzial beim Rohöl aber schon für fast ausgeschöpft. Er rechnet bis zum Jahresende noch mit einer leichten Preissteigerung. Dabei wird als preistreibender Faktor die steigende Nachfrage aus China betrachtet. Genau dorthin könnte demnächst das Öl fließen, das der Iran nicht mehr in europäische Länder exportiert.
Insider vermuten sogar, dass der Rohstoff mit einem deutlichen Nachlass abgegeben werden muss. Die Financial Times berichtete Anfang der Woche, die Teheraner Regierung suche händeringend nach Abnehmern. Die Folge könnte sein, dass Öl, das eigentlich für China bestimmt war – etwa aus Saudi-Arabien – nach Europa umgeleitet wird. Zugleich könnte der Preisdruck beim Öl nachlassen, wegen geringerer Nachfrage in Europa. Der Grund: die hohen Spritpreise.

Der Insolvenzverwalter ist bestellt, jetzt beginnt die harte Zeit der Neuordnung von Schlecker. Wir erklären, wie es mit der Kette weitergeht.
