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Organspende-Skandal: Arzt sollte Bonus für Operationen bekommen

Das Uni-Klinikum Göttingen muss einen Skandal aufklären.

Das Uni-Klinikum Göttingen muss einen Skandal aufklären.

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dpa

Einem Transplantationsmediziner wird vorgeworfen, dass er in bis zu 25 Fällen Patienten auf dem Papier kränker gemacht hat als sie tatsächlich waren, damit sie auf der Warteliste für Organspenden nach oben rutschen. Wie das Krankenhaus nun auf Anfrage bestätigt hat, hatte der Mediziner für dieses Vorgehen handfeste wirtschaftliche Interessen.

Denn der Oberarzt hatte einen außertariflichen Arbeitsvertrag. Darin seien eine Sockelvergütung und Bonuszahlungen vereinbart worden. Die Gehaltszuschläge sollten gezahlt werden, wenn der Mediziner eine bestimmte Menge an Operationen pro Jahr erreicht.

Bahr fordert Konsequenzen

Da der Oberarzt ausschließlich im Bereich der Organtransplantationen gearbeitet hatte, hatte er auch ein unmittelbares wirtschaftliches Interesse daran, dass seinen Patienten ein Spenderorgan zugeteilt wird. So stiegen seine Chancen darauf, genügend Transplantationen durchführen zu können, um den Lohnzuschlag zu erhalten.

Im vergangenen Jahr sei dem Mediziner aber kein Bonus ausgezahlt worden. Mit dem Mediziner, der das Haus Ende vergangenen Jahres verlassen hatte, sei über die weiteren Vertragsdetails im Aufhebungsvertrag Stillschweigen vereinbart worden.

Ob die Bonuszahlungen aber tatsächlich auch das Motiv für die Taten des Arztes waren, ist derzeit noch unklar. Die zuständige Staatsanwaltschaft in Braunschweig erklärte auf Anfrage, dass dieser Spur im Rahmen der Ermittlungen nachgegangen werde. Sie ermittelt derzeit auch wegen Bestechung und Bestechlichkeit.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) forderte erneut Konsequenzen für die Betroffenen und für die Verfahrensregeln. Dies sei Aufgabe der Selbstverwaltung von Ärzteschaft und Krankenkassen.



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