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Otto-Prognose für 2016: Onlinehandel weiter deutlich im Aufschwung

Der Onlinehandel wird weiter wachsen.

Der Onlinehandel wird weiter wachsen.

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dpa

Die Fleece-Jacke für 13,49 Euro. Allerlei Gerätschaften für den „Spielspaß im Freien“. Oder „Denim-Lieblinge“ für die junge, modebewusste Frau. Wo wird das erworben? Immer häufiger bei der S-Bahnfahrt zur Arbeit. Der Einzelhandel  verändert sich rasant. Mobile Commerce heißt der neueste Trend. Und: Mit den Smartphones werden auch immer mehr Produkte erworben, die vor kurzem im Onlinehandel noch als unverkäuflich galten: Möbel oder Lebensmittel etwa.

Otto erwartet Zehn-Prozent-Plus

Die Otto-Group, die neben Amazon zu den hiesigen Marktführern gehört, erwartet fürs laufende Geschäftsjahr (bis Ende Februar) im E-Commerce einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro, was einem Plus von zehn Prozent entspricht. Dies teilte der Hamburger Konzern am Mittwoch mit.  Der gesamte deutsche Onlinemarkt wird nach  Prognosen des Branchenverbandes BEVH sogar noch etwas stärker wachsen, und zwar um zwölf Prozent auf knapp 47 Milliarden Euro. Das interaktive Kaufen und Verkaufen – inklusive des traditionellen Katalogversands – hat derzeit einen Marktanteil von gut elf Prozent am gesamten Einzelhandel. Was sich gerade vollzieht, ist eine Evolution, doch sie wird die Branche in den nächsten Jahren komplett umkrempeln. Da sind sich die Experten einig.

Die Zeiten der extremen Zuwächse im E-Commerce seien allerdings vorbei, sagte eine BEVH-Sprecherin. Im Internet einzukaufen, das habe sich längst flächendeckend durchgesetzt.  Viel interessanter sei, dass immer neue Produktgruppen vom elektronischen Handel erschlossen werden. Die Umsätze mit Lebensmitteln etwa sind in den ersten drei Quartalen um die Hälfte auf 290 Millionen Euro geklettert. Große Handelskonzerne haben ihre Lieferdienste ausgebaut – teilweise auch aus der Angst davor, das der Online-Gigant Amazon ihnen zuvor kommen könnte. BEVH-Hauptgeschäftsführer Christoph Wenk spricht von einem Durchbruch und von riesigem Potenzial.

Virtuelle Einrichtungshäuser boomen

Auch beim Geschäft mit Möbeln tut sich was. Die virtuellen Einrichtungshäuser der Otto-Group etwa - nach eigenen Angaben Marktführer in diesem Segment - setzten 2015 rund 700 Millionen um, und die Manager erwarten für 2016 eine Steigerung um einen „dreistelligen Millionenbetrag“.  Dieser Trend wird sich nach einer Studie des Kölner Handelsforschungsinstituts ECC noch verstärken: Derzeit würden hauptsächlich kleinere Einrichtungsgegenstände geordert, sagen die Experten. Doch in Zukunft würden die Verbraucher auch immer größere Stücke bestellen. Das kann dann schon einmal ein Sofa oder gar eine ganze Küche sein. Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit haben gezeigt, dass sich die Konsumenten langsam in die Onlinewelt vortasten, aber  ihre Scheu dann doch ablegen. Schuhe oder Autoreifen galten einst im Internet als unverkäuflich. Heute ist der Onlinehandel mit ihnen selbstverständlich. 

Was bedeutet der Wandel für die 30000 Einrichtungs- und Möbelhäuser hierzulande? Im ungünstigsten Fall könnte ein Drittel in den nächsten Jahren verschwinden, prognostiziert das ECC.  Vieles hängt davon ab, wie die Manager von Ikea, Roller und Co auf die Digitalisierung reagieren.  Kunden wollten auch in Zukunft auf einem Sofa probesitzen oder in einem Bett probeliegen, betont die BEVH-Sprecherin. Das Haptische und die persönliche Beratung seien per Internet einfach nicht möglich. Viele Studien gehen deshalb davon aus, dass Showrooms auch künftig benötigt werden - schließlich plant selbst Amazon eigene Ladengeschäfte. Nur, was stationär passiert, muss mit der Internetwelt verknüpft sein. Omnichannel heißt das neue Zauberwort in der  Branche.

Zusammenspiel zwischen On- und Offlinewelt

Dem Kunden soll es so leicht wie möglich gemacht werden, zwischen der Offline- und der Onlinewelt und dann auch noch auf verschiedenen Geräten hin- und her zu springen: Mit dem Smartphone  in der S-Bahn eine Vorauswahl für das neue Küchenregal treffen. Die Favoriten im Küchenstudio begutachten und zu Hause online bestellen. Der Einsatz der schlauen Handys macht sich jedenfalls schnell breit.  „Rund 50 Prozent aller Besuche bei den großen Online-Shops der Otto-Group erfolgen inzwischen über mobile Endgeräte“, teilt der Hamburger Konzern mit. 

Um auf Dauer in der Omnichannel-Welt mitzuhalten, hat das frühere Versandhaus voriges Jahr ein eigenes Mobile Lab eingerichtet. Es geht dort jetzt vor allem darum, neue Apps zum Shoppen und für Dienstleistungen zu entwickeln. Doch nicht jeder Händler wird die Digitalisierung stemmen können. Deshalb gehen die Experten des ECC und der Unternehmensberatung Mücke, Sturm & Company  davon aus, dass 30 Prozent der hiesigen Ladengeschäfte bis 2020 schlicht verschwinden werden, heißt es in einer Studie. Weitere 40 Prozent hätten nur eine Chance, wenn sie ihr Geschäftsmodell grundlegend ändern, um den „online-getriebenen Anforderungen der Kunden gerecht zu werden“.   


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