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Pferdefleischskandal: Kunden für dumm verkauft

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Pferdefleisch in der Auslage einer Schlachterei.
Pferdefleisch in der Auslage einer Schlachterei.
Foto: dpa
Brüssel –  

Nach dem Pferdefleischskandal fordern Verbrauchern mehr Informationen zur Fleischherkunft. Die EU-Kommission und die Lebensmittelindustrie weisen die Forderungen zurück.

So etwas hat auch Johannes Kleis noch nicht erlebt. „In dieser Komplexität ist das neu“, sagte der Mitarbeiter der europäischen Verbraucherschutzorganisation Beuc zum Pferdefleischskandal. Die Komplexität bezieht sich auf den Weg, den die Ware nahm. Pferdefleisch aus Rumänien landete über einen Händler auf Zypern, der einen Kontaktmann in den Niederlanden hatte, beim französischen Unternehmen Spanghero. Dieses gab es weiter an die Firma Comigel, deren Tochterbetrieb in Luxemburg das Fleisch zu Tiefkühllasagne weiterverarbeitete. Vom Konzern Findus wurde es schließlich in Frankreich und Großbritannien verkauft, wo es in den Supermarktregalen landete – als Rinder-Lasagne. Ein Wurst-Case-Scenario.

Die Verbraucherschützer haben nun genug. „Wir fordern schon seit langem eine klare Herkunftsbezeichnung für Lebensmittel“, sagte Kleis; also etwa „Schweinefleisch, in Dänemark geschlachtet, in Frankreich zu Schinken verarbeitet“. Die Verbraucherschützer stören sich an mangelnden Informationen. So gibt es Feta-Käse aus Deutschland, Flusskrebse aus Asien – aber der Kunde im Laden erfährt auf dem Etikett nichts davon. Der Grünen-Agrarexperte im EU-Parlament, Martin Häusling, sagte: „Hier wird mit Nahrungsmitteln gehandelt wie mit Ersatzteilen. Wir brauchen endlich eine klare Herkunftsbezeichnung für Lebensmittel.“

Keine Gefährdung für den Menschen

Die EU-Kommission wies die Forderungen nach mehr Information zurück. Auch die Lebensmittelindustrie ist dagegen. Laut einer Studie im Auftrag der Verbraucherorganisation Beuc unter Konsumenten in Österreich, Frankreich, Polen und Schweden wünschen 70 Prozent der Verbraucher mehr Informationen über Essen. An erster Stelle steht Fleisch (83 Prozent).

EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg ist derweil gelassen. Pferdefleisch gefährde Menschen nicht. Untersuchungen in Großbritannien auf das Hormon Phenylbutazon, das Pferden häufig gegeben wird, das für den Menschen aber gefährlich ist, seien bislang negativ verlaufen, teilten britische Behörden mit.

Derweil teilte der Einzelhändler Netto mit, dass er „zurzeit alle relevanten Eigenmarkenprodukte prüfen“ lasse. Pferdefleisch sei bislang aber nicht gefunden worden. Zuvor hatte Kaiser’s vorsichtshalber eine Lasagne aus den Regalen entfernt. Die anderen großen Einzelhändler geben an, von der Problematik nicht betroffen zu sein. (mit db.)

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