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Presseschau zu Putins Freund Depardieu: „Notwehr auf Französisch“

Der Schauspieler Depardieu outet seinen Vater als Kommunist und schreibt russischen Journalisten mit nationalem Gruß. Die Presse verurteilt Doppelmoral oder fordert die Steuerharmonisierung der EU.

Noch nicht in den russischen Kinos aber schon im Gespräch: 2011 gibt Depardieu den verrückten Mönch Rasputin in einer französisch-russischen Koproduktion.
Noch nicht in den russischen Kinos aber schon im Gespräch: 2011 gibt Depardieu den verrückten Mönch Rasputin in einer französisch-russischen Koproduktion.
Foto: imago stock&people

Depardieus Steuerflucht aus Frankreich sorgt seit einem Monat für erhitzte Gemüter. Anfang Dezember wurde bekannt, dass der Schauspieler und Geschäftsmann sich ein Haus in Belgien gekauft hatte, um weniger Steuern zahlen zu müssen. Im Streit um die Reichensteuer in Frankreich hat der russische Präsident Wladimir Putin dem französischen Filmstar Gérard Depardieu nun per Dekret die russische Staatsbürgerschaft verliehen. Depardieu äußerte sich in einem am Abend im russischen Fernsehen verbreiteten Schreiben erfreut über den positiven Bescheid auf seine entsprechende Anfrage. Er erklärte seine Zuneigung für Putin und die „große Demokratie“ in Russland.

Russland sei kein Land, in dem der Regierungschef einen Bürger „erbärmlich“ nenne. Der französische Premier Jean-Marc Ayrault hatte Depardieus Plan, aus Protest gegen eine geplante Reichensteuer von 75 Prozent auf Einkommen von mehr als einer Million Euro im Jahr auszuwandern, als „ziemlich erbärmlich“ kritisiert.

Fan des Filmarchivs

Gerard Depardieu im russischen Fernsehen.
Gerard Depardieu im russischen Fernsehen.
Foto: AFP

Ein Putin-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur Interfax, die Verleihung der Staatsbürgerschaft an Depardieu sei durch dessen „wichtigen Beitrag“ für die „nationale Kultur und das Kino“ Russlands motiviert.
In seinem Schreiben, dass im russischen Fernsehen auf Französisch veröffentlicht wurde, schrieb Depardieu, in Russland lasse es sich „gut leben“. Nicht unbedingt in der Riesenstadt Moskau, aber auf dem Land in Russland kenne er „wunderbare Orte“, zum Beispiel das „von meinem Freund Nikolai Borodaschew“ geleitete Filmarchiv Gosfilmofond in der Nähe von Moskau.

"Mein Vater war Kommunist und hat Radio Moskau gehört. Das ist ein Teil meiner Kultur“, heißt es in einem Brief „an die russischen Journalisten“. Er endet mit dem auch bei Nationalisten beliebten Ruf „Ehre sei Russland“. Depardieu ist in Russland äußerst beliebt, wo er regelmäßig Filme dreht, Galas besucht und als Werbefigur gefragt ist. Er werde auch Russisch lernen, hieß es in dem Brief noch.

Depardieu ist häufiger Besucher in Russland. Dort spielte er den legendären Zarenberater und Wunderheiler Rasputin - der Film lief aber noch nicht in russischen Kinos.

Angewidert von der Politik

Ein Freund des Schauspielers, der für Depardieus russische Aktivitäten zuständige Produzent Arnaud Frilley, teilte unterdessen mit, Depardieu habe am Neujahrstag mit François Hollande telefoniert. Er habe dem französischen Präsidenten erklärt, dass er „angewidert“ sei von der Art und Weise, wie erfolgreiche Menschen in Frankreich behandelt würden. Der Elysée-Palast bestätigte das Telefongespräch, ohne auf dessen Inhalt einzugehen.

Putin hatte Depardieu bereits vor zwei Wochen die russische Staatsbürgerschaft angeboten. „Wenn Gérard wirklich eine Aufenthaltsgenehmigung in Russland oder einen russischen Pass will, können wir diese Angelegenheit als positiv entschieden ansehen“, sagte er damals. „Im Westen kennen sie vor allem unser Steuersystem schlecht. Sobald sie es kennen, können wir uns auf eine Massenmigration reicher Europäer nach Russland gefasst machen“, schreibt jetzt der russische Vizeregierungschef Dmitri Rogosin auf Twitter. Regierungschef Dmitri Medwedew legte kurz darauf nach: „Depardieu soll kommen, bei uns liegt die Einkommensteuer bei 13 Prozent, und wir werden das nicht ändern.“

Die seit Mai 2011 in Frankreich regierenden Sozialisten hatten Steuererhöhungen für Besserverdiener und große Unternehmen beschlossen. Die besonders umstrittene Reichensteuer von 75 Prozent auf Einkommen von mehr als einer Million Euro wurde inzwischen zwar vom Verfassungsrat des Landes kassiert; die Regierung will die Reichensteuer aber in überarbeiteter Form einführen. (afp/dpa)

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