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Private Altersvorsorge: Riester-Rente droht zu scheitern

Die Riester-Rente wurde eingeführt, um Abstriche bei der gesetzlichen Rente auszugleichen.

Die Riester-Rente wurde eingeführt, um Abstriche bei der gesetzlichen Rente auszugleichen.

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dpa

Der jahrelange Boom der Riester-Rente ist endgültig vorbei. Erstmals seit der Einführung der staatlichen geförderten Altersvorsorge im Jahr 2001 ist die Zahl der Riester-Verträge gesunken, weil es mehr Stornierungen als Neuabschlüsse gab. Nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums bestanden Ende März rund 15,65 Millionen Verträge und damit rund 27.000 weniger als noch Ende 2012. Als Konsequenz fordern Politiker und Wissenschaftler, die private Altersvorsorge zu reformieren.

Die Riester-Rente wurde eingeführt, um Abstriche bei der gesetzlichen Rente auszugleichen. Die Sparmöglichkeit erfreute sich dank Zulagen und Steuervorteilen wachsender Beliebtheit: Bis 2011 wurde eine Million oder mehr Vertragsabschlüsse jährlich gemeldet. Untersuchungen, die vielen Verträgen mangelnde Renditen und Intransparenz bescheinigten, führten dann aber zu einer Verunsicherung in der Bevölkerung. Die niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten ließen die Renditen weiter schmelzen. Dadurch stieg die Zahl der Neuverträge immer langsamer, bis es jetzt zu der Trendumkehr gekommen ist. Eigentlich könnten mehr als 30 Millionen Menschen die Riester-Förderung nutzen.

„Es ist eine gewisse Marktsättigung eingetreten“, sagte ein Sprecher des Arbeitsministeriums zu der Entwicklung. Angesichts der Niedrigzinsphase sei es im Moment schwierig, „neue Gruppen“ für die Riester-Rente zu gewinnen. Die Zurückhaltung sei aber auch bei klassischen, nicht geförderten Lebensversicherungen zu erkennen. Interessanterweise hat das Ministerium die neue Statistik nicht wie üblich per Pressemitteilung bekanntgegeben, sondern nur unkommentiert auf die eigene Internetseite gestellt.

Der Negativ-Trend spiegelt sich auch in den ruhend gestellten Verträgen wider. Diese haben inzwischen einen Anteil von geschätzt 19,5 Prozent. Damit werden in fast jeden fünften Vertrag keine Beiträge und auch keine Zulagen mehr einbezahlt. Ende 2011 traf dies lediglich auf 15 Prozent der Verträge zu.

Die neue Statistik belebt die Debatte, ob die Riester-Rente nicht wie ursprünglich geplant verpflichtend werden soll. „Es war ein Fehler, dass bei der Rentenreform 2001 die Privatvorsorge nicht obligatorisch eingeführt wurde“, sagte der Rentenexperte Bert Rürup der Berliner Zeitung. Dadurch sei die Riester-Rente zu einem Produkt, geworden, „das verkauft werden muss und die Anbieter dazu anreizt, viele und zum Teil auch intransparente Produktvariationen zu entwickeln“. Für Rürup ist aber auch klar: „Eine verpflichtende Riester-Rente ist heute politisch nicht mehr durchsetzbar.“ Außerdem sei für viele Arbeitnehmer die gleichfalls geförderte betriebliche Altersversorgung attraktiver. „Denkbar ist aber – wenn die Tarifvertragsparteien mitspielen – jeden Arbeitnehmer entweder zum Abschluss einer Betriebsrente oder einer Privatrente zu verpflichten“, schlug er vor.

Rürup plädierte zudem dafür, den Höchstbetrag des geförderten Riestersparens anzupassen. Er liegt seit 2002 unverändert bei 2100 Euro pro Jahr. Er forderte zudem, die Transparenz der Riester-Produkte zu erhöhen. Zwar hatte die Regierung zuletzt beschlossen, eine Art Beipackzettel einzuführen und die Kosten beim Vertragswechsel zu deckeln. „Aber das reicht noch nicht“, konstatierte der Experte.

Für die Linkspartei zeigen die Zahlen: „Die Riester-Rente floppt.“ Viele Menschen mit geringem Einkommen könnten sich die private Vorsorge nicht mehr leisten, so der Rentenpolitiker Matthias Birkwald. Damit dies niemand merke, habe das Ministerium die Statistik „leise, still und heimlich“ ins Internet gestellt.