10.02.2012

Privatisierung von Budweiser: Tschechien schäumt vor Wut

Von Frank Herold
Die Tschechen kämpfen um ihr Traditionsbier.
Die Tschechen kämpfen um ihr Traditionsbier.
Foto: Imago

Der berühmtesten Brauerei in Tschechien, Budweiser, droht die Privatisierung. Vielleicht an den ärgsten Widersacher.

Bier ist für die Tschechen mehr als nur ein Kaltgetränk. Es ist ein nationales Kulturgut wie die Prager Burg oder der brave Soldat Schwejk. So muss es nicht verwundern, dass sich  sogar schon Gerüchte und Mutmaßungen über  Veränderungen rund um den Gerstensaft zur veritablen Staatsaffäre ausweiten können. Das bekommt gerade der konservative Regierungschef Petr Necas zu spüren, der im Streit um die legendäre Brauerei Budejovicky Budvar NP persönlich intervenieren musste.

Die Wirtschaftszeitung Hospodarske noviny sorgte dieser Tage mit der Schlagzeile für helle Aufregung, dass Brauereichef Jiri Bocek auf Betreiben des Landwirtschaftsministers, eines Parteifreundes von Necas,  gefeuert werden solle. Budejovicky Budvar, die Firma, die  jährlich mehr als 1,3 Millionen Hektoliter der berühmten Marke Budweiser auf den Markt bringt, ist die Nummer vier der tschechischen Bauer und als einziger  noch in Staatsbesitz. Die Besetzung des Managements fällt deshalb unter die  Zuständigkeit des Landwirtschaftsministers Petr Bendl.

Der wolle die Budweiser Brauerei mit der Ablösung  ihres Chefs für die seit langem geplante und ins Stocken geratene Privatisierung vorbereiten, mutmaßt die Hospodarske noviny. Wirtschaftliche Gründe könne der Wechsel jedenfalls nicht haben. Der 53-jährige Bocek führt das Unternehmen seit nunmehr 21 Jahren. In dieser Zeit konnten die Bierproduktion verdreifacht, Absatz und Gewinne verdoppelt werden.

Selbst im letzten Jahr, als die drei anderen großen tschechischen Brauer aufgrund der Krise Einbußen hinnehmen mussten, steigerten die Budweiser ihren Absatz um fünf Prozent.

Streit mit den Amerikanern

Doch das alles zählt offenbar wenig, wenn der Besitzer eine bestimmte strategische Entscheidung im Blick hat.  Es heißt, die Regierung wolle den  Streit mit dem amerikanischen Unternehmen Anheuser-Busch in St. Lewis endlich außergerichtlich beenden. Die Auseinandersetzung zieht sich seinem einem Jahrhundert hin, weil  die Amerikaner zum Ärgernis der Tschechen auch ein Budweiser – bekannt als Bud – verkaufen.

Brauereichef Bocek steht einem Kompromiss im Weg. Und erst recht ist er gegen einen Verkauf an Anheuser-Busch, worüber auch schon seit längerem gemunkelt wird. Bocek setzt darauf, dass das tschechische Traditionsunternehmen die Geschichte und damit das Recht auf seiner Seite hat. Doch das meinen auch die Amerikaner, die sich inzwischen im Besitz des belgischen InBev-Konzerns befinden. Sie machen geltend, dass ihr Produktion von einem böhmischen Auswanderer in der Neuen Welt auf den Markt gebracht und 1878 als Marke registriert worden sei. Erst zwei Jahrzehnte später wurde die Firma Budejovsky Budvar gegründet, die gar erst seit 1969 den Namen Budweiser benutzt.

Die tschechische Sicht ist naturgemäß ganz anders. Budweis erhielt die Braurechte im Jahre 1265. Die Bezeichnung Budweiser zeige – analog zum Pilsner – den Brauort an. Mithin könne anderswo kein Budweiser gebraut werden, sondern nur nach Budweiser Art. In 82 von 115 Gerichtsverfahren seit dem Jahr 2000 folgten die Richter der tschechischen Position.

Weiter auf Seite 2: Gestiegener Marktwert

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