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Privatpersonen als Taxifahrer mit App „Uber Pop“: US-App sprengt Berliner Taxibranche

In Zukunft könnte es einsam am Taxistand werden.

In Zukunft könnte es einsam am Taxistand werden.

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Imago/Gerhard Leber

Berlin -

Es ist ein massiver Angriff auf die Taxibranche in Berlin: Das US-amerikanische Transport-Start-up „Uber“ bietet ab Dienstag einen mobilen Taxidienst in Berlin an – allerdings ohne Taxis. Stattdessen können über eine Smartphone-App Privatpersonen als Fahrer bestellt werden. Wer einen Führerschein besitzt und den Hintergrundcheck des Anbieters besteht, kann dann mit dem Befördern anderer Personen Geld verdienen, sagte „Uber“ Europa-Chef Pierre-Dimitri Gore-Coty dieser Zeitung. Ein Taxischein ist nicht notwendig. Die Fahrten mit dem Dienst „Uber Pop“ sollen 20 Prozent billiger sein als Taxifahrten, sagt Gore-Coty.

In der App gibt der Nutzer seine Position ein und fordert einen Fahrer an. Wie auf der Taxi-App „MyTaxi“ sieht der Nutzer, wie weit der Fahrer entfernt ist und dessen Bewertung. Abgerechnet wird die Fahrt über die hinterlegte Kreditkarte. Anschließend bewerten Fahrer und Gast einander. Rutscht die Bewertung des Fahrers unter eine Grenze von etwa fünf Sternen, wird er von der Plattform verbannt.

Fraglich ist die Legalität des Angebots. In Berlin operiert seit einigen Wochen ein „Uber“-Klon, der unter dem Namen „WunderCar“ durch Smartphone vermittelte Fahrten anbietet. Die Fahrt wird mit einem „Trinkgeld“ per App bezahlt. „Wir nehmen das als Signal, dass die Stadt offen für solche Dienste ist“, sagt Gore-Coty.

Der Vorsitzende des Taxiverbandes Berlin-Brandenburg, Detlev Freutel, hält beide Angebote für illegal. „Egal ob man es Trinkgeld nennt oder anders – wenn gegen ein Entgelt befördert wird, braucht es eine Konzession,“ sagt er. Freutel erwartet, dass die Aufsichtsbehörden gegen die Anbieter vorgeht. Er warnt: „Wer für einen solchen Dienst fährt, bewegt sich auf dünnem Eis.“ Der Berliner Senat und das Bundesverkehrsministerium reagierten auf Anfragen am Montag nicht.

Geoff Lewis: „In zehn Jahren wird es keine Taxis mehr geben.“

Das US-Unternehmen „Uber“ operiert im einer rechtlichen Grauzone. Die Strategie des aggressiv expandierenden Konzerns: Behörden werden vor Erschließung eines neuen Marktes nicht gefragt. Bis die Gegenseite reagiert, so hofft man, hat sich der Dienst bereits etabliert. In Kalifornien gelang das: Dort wurden die neuen Ridesharing-Dienste mit Privatfahrern mittlerweile legalisiert. In New York , wo es eine starke Taxi-Industrie gibt, bleiben sie zunächst verboten.

In Europa ist der „Uber Pop“-Dienst in Paris, Barcelona und Brüssel auf dem Markt. „Uber“ operiert inzwischen in 85 Städten in 34 Ländern. In Berlin bietet das Unternehmen einen Limousinen-Dienst an, der allerdings mit Profi-Fahrern arbeitet. Die Nachfrage soll sich in Grenzen halten. Das komplette deutsche Management wurde im November gefeuert.

„Uber“ nimmt eine Gebühr von rund 20 Prozent des Preises der vermittelten Fahrt. Interne Firmendokumente zeigten im Dezember, dass das Unternehmen mittlerweile einen Jahresumsatz von 213 Millionen Dollar erwirtschaftet. Sein Wert wird auf 3,5 Milliarden US-Dollar taxiert. Die Investoren setzen darauf, dass eine Vielzahl privater Fahrer die professionellen Taxifahrer ablösen wird.

Geoff Lewis von der bekannten Risikokapitalfirma Founder’s Fund in San Francisco, die unter anderem in den „Uber“-Konkurrenten „Lyft“ investiert ist, sagt dieser Zeitung: „In zehn Jahren wird es keine Taxis mehr geben. Die Taxifahrer werden dann für private Ridesharing-Dienste wie „Lyft“ und „Uber“ fahren. Die Apps werden die Mittelsmänner aus dem Geschäft nehmen: Die Taxifirmen sind die, die verlieren werden.“