Ein Wiedersehen macht nicht immer Freude. Irgendwann in den nächsten vier Wochen wird Commerzbank-Chef Martin Blessing in einem Londoner Gerichtssaal Stefan Jentzsch gegenüberstehen, dem ehemaligen Boss der Investmentbank Dresdner Kleinwort Benson.
In dem jetzt anstehenden Prozess geht es für die Bank um viel Geld: 104 Investmentbanker fordern 52 Millionen Euro an Bonuszahlungen von der Bank. Sie hätten Anrecht auf das Geld, meinen sie – schließlich habe es ihnen Jentzsch 2008 öffentlich versprochen.
Das war vor der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank. Wenige Monate später strich Blessing 90 Prozent der Boni, nachdem Dresdner Kleinwort in der Finanzkrise einen Verlust von sechs Milliarden Euro verursacht hatte.
Auch 2011 sind hohe Banker-Boni in London ein Aufreger. Der konservative Premierminister David Cameron sagte am Donnerstag erst, die Sonderzahlungen in der britischen Finanzbranche seien in den vergangenen Jahren außer Kontrolle geraten. Die Kläger ficht das nicht an. Sie pochen auf das englische Vertragsrecht.
Der Prozess dreht sich um die Frage, ob die Banker auf die mündliche Zusage von Jentzsch bauen konnten, der ihnen kurz vor der Übernahme einen mit 400 Millionen Euro gefüllten Bonus-Topf versprochen hatte. Die britische Finanzaufsicht FSA hatte damals Alarm geschlagen: Sie fürchtete einen Exodus bei Dresdner Kleinwort, nachdem der damalige Eigentümer Allianz die Dresdner Bank zum Verkauf gestellt hatte. Deshalb sollten die Banker mit Halteprämien geködert werden, um den Betrieb der Investmentbank aufrecht zu erhalten.
„Kein Lohn für Verluste“
Einige Wochen nach Jentzschs Ankündigung flatterten ihnen Briefe ins Haus. Darin wurden einigen Bankern garantierte Boni zugesagt, bei anderen sollten sie aber auch an die persönliche Leistung und die der Bank gekoppelt werden. „Wir verstehen das als Zusage von Dresdner Kleinwort an unsere Klienten, ein Versprechen, das fraglos honoriert werden sollte“, sagt Kläger-Anwalt Clive Zietman von Stewarts Law.
Das hatte Blessing 2009 ganz anders gesehen, nachdem die Bank mit 18 Milliarden Euro vom Staat gerettet werden musste: Bei einem Milliardenverlust könne man von Leistung nicht reden, begründete er die Streichung des größten Teils der Boni. Und die Briefe seien nicht bindend gewesen. Von den 375 Millionen Euro Garantie-Boni wurden immerhin 152 Millionen Euro ausbezahlt, von den 120 Millionen Leistungszulagen ganze 25 Millionen. „Die Commerzbank als Rechtsnachfolgerin der Dresdner Bank wird sich gegen die erhobenen Forderungen konsequent verteidigen“, sagte eine Sprecherin. (rtr)

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