22.12.2011

Ratingagentur S&P bewertet Bonität: Ungarn auf Ramsch gestuft

Ungarn hat zwar den Forint statt den Euro, doch es droht ebenfalls in der Eurokrise zu scheitern.
Ungarn hat zwar den Forint statt den Euro, doch es droht ebenfalls in der Eurokrise zu scheitern.
Foto: REUTERS
New York –  

Die amerikanische Ratingagentur Standard and Poor's hat die Kreditwürdigkeit von Ungarn auf die Note BB+ abgestuft, und auch der Ausblick in die Zukunft ist nicht rosig. Zeitgleich fürchten auch die Franzosen eine Abwertung.

Ungarn halten die Ratingagenturen für kaum noch kreditwürdig. Nach Moody's zieht jetzt die Ratingagentur Standard and Poor's nach. Sie bewertet die Kreditwürdigkeit Ungarns sogar noch schlechter. Die Bonitätswächter stuften das osteuropäische Land am Mittwochabend auf die „Ramsch“-Note „BB+“ herunter und setzten den Ausblick auf negativ. Als Grund nannte S&P eine unsichere politische Entwicklung in dem finanziell angeschlagenem Land. Auch hätten sich die wirtschaftlichen Bedingungen sowohl global wie im Land selbst verschlechtert.

Die Agentur äußerte sich besorgt über die Unabhängigkeit der Zentralbank. Die Regierung in Budapest liegt seit längerem im Streit mit dem Notenbankchef Andras Simor. In einem auch von der EZB beanstandeten Gesetzentwurf will sie die Kompetenzen des Notenbank-Gouverneurs beschneiden und einen weiteren Stellvertreter installieren.

Franzosen fürchten schlechtes Rating

Noch kann Frankreich mit Bestnote AAA um Kredite werben. Doch das könnte jetzt wanken. Frankreich droht wie fast allen EU-Ländern ein Verlust des besten Ratings AAA. Mehr als die Hälfte aller Franzosen fürchtet eine persönlich schlechtere Situation, sollte Frankreich dauerhaft sein gutes Rating verlieren. Nach einer aktuellen Umfrage glauben mehr als 55 Prozent, ihre Kaufkraft könne sinken. Größte Sorge der französischen Bürger ist dabei der Preis von Nahrungsmitteln, Benzin und Strom. Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatte zu Beginn seiner Amtszeit 2007 die hohe Kreditwürdigkeit seines Landes als vorrangiges Ziel seiner Regierung ausgegeben.

Fitch drängt USA zu Schuldenabbau

Nicht einmal die USA werden von den Drohungen der Ratingagenturen ausgenommen. Die Ratingagentur Fitch drängt die USA sogar offiziell zu einem zügigeren Schuldenabbau. Der hohe und weiter steigende Grad der Verschuldung stehe nicht im Einklang mit dem AAA-Rating, erklärte Fitch am Mittwochabend. Ohne eine Strategie der Regierung in Washington zur Reduzierung des Haushaltsdefizits und einer Stabilisierung der Last müsse bis Ende 2013 mit einer Herabstufung gerechnet werden. Sollten schwere Schocks ausbleiben, sei aber keine Entscheidung über den Ausblick für das Rating bis 2013 zu erwarten.

Standard and Poor's hatte den USA schon im August wegen mangelnder Aussichten auf einen Abbau der Rekord-Verschuldung von inzwischen 15 Billionen Dollar das Top-Rating entzogen und eine weitere Herabstufung nicht ausgeschlossen. Je schlechter ein Rating, umso mehr Zinsen muss der Schuldner für neue Kredite zahlen. (rtr/dapd/dpa)

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