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Berliner Zeitung | Rocket Internet und Co.: Berlins Start-up-Szene wächst so schnell wie keine andere in Europa
21. January 2016
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Rocket Internet und Co.: Berlins Start-up-Szene wächst so schnell wie keine andere in Europa

Der Co-working Space im Berliner Betahaus.

Der Co-working Space im Berliner Betahaus.

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imago/CommonLens

Berlins Start-up-Szene boomt wie keine andere in Europa: Die Hauptstadt hat im vergangenen Jahr im zweiten Jahr in Folge mehr Risikokapital für Start-ups angezogen als London, Paris und andere europäische Start-up-Zentren. Dies geht aus einem Bericht der Unternehmensberatung Ernst & Young hervor.

Demnach investierten Risikokapitalgeber die Rekordsumme von 2,1 Milliarden Euro in Berliner Start-ups. Im Vergleich zum Vorjahr (891 Millionen Euro) hat sich die Summe damit mehr als verdoppelt. Berliner Start-ups konnten deutlich mehr Kapital einsammeln als ihre Konkurrenten in anderen europäische Start-up-Hotspots wie London (1,7 Milliarden Euro), Stockholm (992 Millionen Euro) oder Paris (687 Millionen Euro) floss. Auch bei der Zahl der getätigten Transaktionen konnte sich Berlin mit 205 Finanzierungsrunden – etwa doppelt so viele wie im Jahr zuvor – von anderen Start-up-Zentren deutlich absetzen London konnte etwa im vergangenen Jahr lediglich 132 Transaktionen vorweisen.

Der Bericht zeigt auch, dass das hohe Investitionsvolumen in Berlin stark von der Start-up-Fabrik Rocket Internet abhängig ist. Zusammen machen allein die Risikokapital-Investitionen in vier Beteiligungen der Start-up-Fabrik knapp 1,2 Milliarden Euro aus – also mehr als die Hälfte des gesamten Investitionsvolumens in Berlin. Über 600 Millionen Euro ist im vergangenen Jahr in drei Unternehmen geflossen, die Rocket Internet hervorgebracht hat, weitere knapp 600 Millionen Euro hat Rocket Internet selbst in das Lieferimperium Delivery Hero aus Berlin investiert.

„Rocket Internet ist ein wesentlicher Faktor für Berlins Stellung als europäische Start-up-Hauptstadt“, sagt Peter Lennartz, der bei Ernst & Young den Start-up-Bereich leitet. Lennartz betont im Gespräch mit der Berliner Zeitung zugleich, dass Berlins Stellung nicht nur von einzelnen hohen Transaktionen wie der Investition von Rocket von über einer halben Milliarde Euro in Delivery Hero abhänge. „Die hohe Zahl einzelner Transaktionen zeigt, dass in Berlin etwas Nachhaltiges entstanden ist.“

Andere Regionen können kaum mithalten

Es habe sich in Berlin ein funktionierendes und professionelles Ökosystem für Start-ups herausgebildet, das die höchsten Wachstumsraten weltweit vorweisen könne und damit international absolut wettbewerbsfähig und für Talente aus allen Teilen der Welt hoch attraktiv sei. „Andere Regionen Deutschlands haben es zunehmend schwer, in punkto Sichtbarkeit und Anziehungskraft mit Berlin mitzuhalten.“

Doch auch wenn soviel Geld wie noch nie nach Berlin fließt: Schwierig bleibt es weiterhin, wenn Unternehmen nach der ersten Frühphasenfinanzierung nach höheren einstelligen Millionenbeträgen suchen. Lennartz sagt: „Für die internationalen Investoren sind Investitionen unter zehn Millionen Euro einfach viel zu klein – für deutsche Fonds und Angels dagegen sind Finanzierungen von mehr als fünf Millionen Euro – noch – zu groß.“