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Rolls-Royce: Mega-Investition in Dahlewitz

Zwei Rolls-Royce-Techniker in Dahlewitz überprüfen eine Triebwerksschaufel.

Zwei Rolls-Royce-Techniker in Dahlewitz überprüfen eine Triebwerksschaufel.

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DPA

Der Flugzeugturbinen-Hersteller Rolls-Royce baut seinen Standort in Dahlewitz im Süden Berlins weiter aus. Die Entwicklung von Schlüsseltechnologien für Triebwerke soll forciert werden. Es sollen Technologien entwickelt werden, „die leichtere, günstigere, verbrauchsärmere und leistungsstärkere Triebwerke“ ermöglichen. In Dahlewitz entstehe damit ein „globales Kompetenzzentrum für Reduktionsgetriebe“, teilte das Unternehmen am Dienstag auf der ILA mit. Damit seien Investitionen im Bereich von mehreren hundert Millionen Euro verbunden. Zur Umsetzung des Programms will das Unternehmen in den nächsten anderthalb Jahren etwa 200 Stellen mit hochqualifizierten Ingenieuren besetzen.

Diese Investition ist ein Meilenstein für Rolls-Royce in Deutschland und ebenso für die Luft- und Raumfahrtindustrie in der Region. Mehr als 2 200 Mitarbeiter sind bei Rolls-Royce in Dahlewitz inzwischen beschäftigt. Seit der Eröffnung 1993 sind mehr als 5 000 Triebwerke ausgeliefert worden. Allein in den letzten fünf Jahren hat der Flugzeugturbinenbauer mehr als 200 Millionen Euro in die Entwicklung, Fertigung und Erprobung von Triebwerken gesteckt. Bei der Feier zum 20-jährigen Jubiläum im Herbst vergangenen Jahres lobte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke das Unternehmen in höchsten Tönen: Rolls-Royce sei der „Dreh- und Angelpunkt für die hochdynamische und innovative Luft- und Raumfahrtbranche in der deutschen Hauptstadtregion“.

Neben Rolls-Royce bilden die Deutsche Lufthansa sowie die MTU Aero Engines GmbH als große Kernunternehmen das Rückgrat der regionalen Luft- und Raumfahrtindustrie. Aber ohne die etwa 130 kleinen und mittleren Unternehmen wäre der Standort nur die Hälfte wert. Denn es sind hochspezialisierte Firmen, deren Erzeugnisse international geschätzt werden.

Ein Riesenpotenzial – trotz BER

Die Berlin Brandenburg Aerospace Allianz (BBAA), die die Interessen der Mitglieder gegenüber der Politik vertritt, spricht sogar davon, dass manche große Maschine ohne die Erzeugnisse aus der Region gar nicht abheben könnte. So bietet die in Berlin ansässige Firma Pace auf die jeweiligen Anwender zugeschnittene Software-Lösungen an. Die Anlagen für die Durchsagen an Bord der Airbusse kommen aus der Firma Holmberg, die auf eine fast hundertjährige Geschichte zurückblickt. Die Firma Stemme aus Strausberg bietet modernste Sportflugzeuge an, mit denen schon mehrere Weltrekorde aufgestellt wurden. Technologisch führend ist der Standort zudem im Bereich der Kleinstsatelliten, die in der Geowissenschaft eingesetzt werden.

„Dieses große Spektrum an verschiedenen Leistungen und Anbietern macht das Besondere der Branche in der Region aus“, sagt Stefan Zimmermann, Präsident der BBAA. So gebe es eine ausgeprägte Triebwerksindustrie, einen großen Bereich der Flugzeugwartung, viele kleinere Firmen als Zulieferer und eine breit aufgefächerte Forschungslandschaft. Dazu kommen neben den großen Flughäfen Tegel und Schönefeld diverse gewerbliche Landeplätze in Brandenburg, darunter in Schönhagen der bundesweit zweitgrößte Flugplatz für Privat- und Geschäftsreisende.

Zimmermann ist zufrieden. Politik und Wirtschaft haben sich erfolgreich darum bemüht, in Berlin und Brandenburg ein sogenanntes Cluster in der Luft- und Raumfahrt aufzubauen. In wenigen Jahren ist hier der nach München und Hamburg drittgrößte Standort der Luft- und Raumfahrtindustrie Deutschlands entstanden. Mehr als 22.000 Menschen gibt er Beschäftigung.

Der Aufwärtstrend bleibe erhalten, prophezeit Zimmermann. Für die Branche sehe es gut aus: „Der Standort hat Potenzial, schon allein durch den zunehmenden Flugverkehr und die Anforderungen, die sich aus Wartung Logistik und Sicherheit ergeben.“

Dass der neue Flughafen BER zum Desaster geworden ist und dass es immer Streit und gerichtliche Auseinandersetzungen um Flugkorridore und Nachtflugverbote gibt, sei sehr ärgerlich, sagt Zimmermann. Direkten Einfluss auf die Entwicklung der Branche am Standort habe es aber kaum gehabt. Die Chancen des neuen Flughafens seien ja noch nicht vertan. „Die Frage ist nur, wann er wirklich kommt.“


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