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Sambia: "Heute kompostieren wir die Blätter"

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Schulgarten: Brian und Fridah gehören zur Umweltgruppe.
Schulgarten: Brian und Fridah gehören zur Umweltgruppe.
Foto: Tobias Schwab
Livingstone/Kabwe –  

Schüler wollen die Umwelt in Sambia bewahren. Abfall wird oft verbrannt oder zu gigantischen Müllbergen angehäuft. Eine Umweltgruppe appelliert musikalisch und szenisch an das Bewusstsein von Schülern.

Wie Miniatur-Vulkane qualmen die Hügel vor sich hin. Auf dem Weg von Lusaka nach Kabwe sind sie abseits der Straße immer wieder zu entdecken. Meist schwelt es drei Tage und drei Nächte unter einer Erdschicht, bis aus Holz Kohle geworden ist – in Sambia und vielen afrikanischen Staaten der wichtigste Brennstoff zum Kochen und Heizen.

Auf einem Ochsenkarren bringt Joseph Mulilanduba (35) eine Ladung frischer Holzkohle an den Straßenrand. Nachschub für seine Nichte Memory, die die Säcke aufreiht und im Schatten eines Baumes auf Kundschaft wartet. Die 18-jährige Schülerin besucht die 11. Klasse. Meistens jedenfalls. Heute verpasst sie wieder einmal den Unterricht.

„Es ist die einzige Möglichkeit, Geld zu verdienen, für unser Essen und die Schulgebühren“, sagt Memory. Wenn sich ein Fahrzeug auf der Landstraße nähert, springt sie auf und winkt. Wie einige andere Frauen auch, die ihre Kohle anpreisen. Ein Lkw hält an und schon beginnt das Feilschen mit dem Trucker. Doch diesmal hat Memory kein Glück. Eine Konkurrentin macht das Geschäft.

Für die Menschen in Sambia ist Holzkohle Segen und Fluch zugleich. „Jeder verkaufte Sack sichert unser Überleben“, sagt Memory. „Aber ich weiß auch, was es bedeutet, wenn wir den Wald für die Kohle abholzen.“ In der Schule hat sie gelernt, wie sich die Bodenqualität verschlechtert, wenn Regen die ungeschützte Erde wegschwemmt. Auch die Gefahren des beißenden Rauches, der beim Kochen auf Kohle in den Hütten entsteht, sind der jungen Frau, die einmal Krankenschwester werden will, bewusst.
Das offene Feuer setzt Kohlenmonoxid, Stickoxide und viele weitere giftige Kohlenstoffverbindungen frei, verursacht chronische Bronchitis, Asthma und Lungenkrebs. An dem häuslichen Smog sterben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation weltweit jährlich bis zu zwei Millionen Menschen.

Mehr als Lippenbekenntnisse

In Livingstone im Süden Sambias wollen sich Jugendliche damit nicht abfinden. „Wir sind verantwortlich für unsere Umwelt“, singt der Chor der Linda-West-School. Fridah (15) tritt einen Schritt hervor und ruft: „Wir sind die Zukunft, es liegt an uns“

Musikalisch und szenisch versucht die Umweltgruppe von Linda West, das ökologische Bewusstsein der 1300 Schüler zu wecken. Es bleibt nicht nur bei Lippenbekenntnissen. „Früher haben wir das Laub der Bäume auf dem Schulhof verbrannt“, erzählt Fridah. „Heute kompostieren wir die Blätter.“ Hinter den Unterrichtsgebäuden bauen Fridah und ihre etwa 40 Mitstreiter Auberginen, Okra und Zuckerhut an, sie pflanzen Bäume und sorgen dafür, dass der Schulhof sauber bleibt.

„Der Müll ist in Sambia unser größtes Problem“, sagt der 16-jährige Brian und deutet auf den Qualm, der von einem Nachbargrundstück über die Schulmauer hinwegzieht. Abfall wird einfach angezündet oder – wie nur kaum hundert Meter von der Schule entfernt – mitten in der Township auf einen Haufen gekippt, der schnell zu einem Müllberg anwächst. „Da ist viel Überzeugungsarbeit nötig“, sagt Brian, der in dem von Terre des hommes finanzierten Schul-Programm zur Umwelterziehung viel über Kinderrechte, Gartenbau und Abfalltrennung gelernt hat. „Ich versuche, das auch zu Hause meinen Eltern zu vermitteln“, sagt Brian. „Aber es ist nicht leicht, Verhaltensweisen zu ändern.“

Für Fungai Dewere, Terre des hommes-Programmkoordinator, sind „die Mädchen und Jungen mit ihrem Engagement in ihren Familien und Gemeinden Botschafter der ökologischen Kinderrechte, die viel bewirken können.“

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