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Rocket Internet: Oliver Samwer verliert Machtkampf um Lieferdienste

Oliver Samwer, Gründer der Start-Up-Fabrik Rocket Internet auf einer Konferenz in Berlin.

Oliver Samwer, Gründer der Start-Up-Fabrik Rocket Internet.

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reuters

Berlin -

Es ist fast auf den Tag genau ein Jahr her, dass die Start-up-Fabrik Rocket Internet aus Berlin mit großem Getöse die Formierung einer globalen Lieferdienst-Gruppe bekanntgab: Mit Zukäufen von Liederdiensten in Italien und Spanien baue man eine „Global Online Takeway Group“ auf, verkündete der Rocket-Vorstandsvorsitzende Oliver Samwer am selben Tag, an dem er auch  bekanntgab, dass sich Rocket für eine halbe Milliarde Euro bei der Lieferdienst-Gruppe Delivery Hero eingekauft hat.

Und Samwer wusste auch schon: Die von ihm geformte Takeaway-Gruppe entwickele sich zum globalen Marktführer im Bereich der Online-Essenlieferdienste.

Ein Jahr später ist davon keine Rede mehr. Rocket Internet spricht überhaupt nicht mehr von der „Global Online Takeway Group“. Stattdessen gab Oliver Samwer am Freitag bekannt: Die Liefer-Akquisitionen in Spanien (La Nevera Roja) und Italien (Pizzabo.it), vor einem Jahr noch als „strategisch wichtige Schritte“ in den „südeuropäischen Schlüsselmärkten“ gefeiert, wurden weiterverkauft – an den britischen Konkurrenten Just Eat.

Über Zahlen schweigt Rocket Internet. Aber Kenner halten ein Verlustgeschäft für wahrscheinlich.

Widerstand von Delivery Hero

Offiziell begründete Rocket-Vorstand Oliver Samwer den Verkauf damit, dass es darum gehe, „die Komplexität des Unternehmensnetzwerks von Rocket Internet zu reduzieren“. Tatsächlich sind die Verkäufe allerdings wohl eher Ausdruck davon, dass der Rocket-Plan fehlgeschlagen ist, aus den bestehenden Lieferdienst-Beteiligungen eine Gruppe zu formieren, um sie zusammen mit den neue erworbenen Anteilen an Delivery Hero an die Börse zu bringen.

Der Plan hätte für Rocket den netten Nebeneffekt gehabt, dass man im Windschatten von Liefergiganten Delivery Hero auch die eigenen Beteiligungen losbekommen hätte. Ohne Delivery Hero sind die für einen Börsengang nämlich viel zu klein.

Das Problem für Samwer war nur: Die Delivery-Hero-Führungsriege um Gruppenchef Niklas Östberg hat sich von Anfang an gegen die Samwer-Pläne gestellt, wie Insider berichten.

Der Grund: Sie fürchteten, dass der Börsengang eines wie auch immer gearteten Konstruktes um Delivery Hero den Wert der Anteile an Delivery Hero selbst verwässert hätten. Zudem wäre es wohl unmöglich gewesen, es Investoren schlüssig zu erklären, wieso Delivery Hero zweimal an die Börse geht: Einmal als Rocket-Gruppe und einmal alleine.

Die nun bekanntgegebenen Verkäufe zeigen, dass die Altinvestoren sich durchsetzen konnten: Geplant ist nun, dass Delivery Hero im Laufe des Jahres – ein entsprechendes wirtschaftliches Umfeld vorausgesetzt – ohne irgendwelche Gruppenkonstrukte an die Börse gebracht wird.

Die Dienste in Italien und Spanien ergeben für Oliver Samwer damit keinen Sinn mehr – und Delivery Hero wollte sie auch nicht. Denn die Gruppe setzt vor dem Börsengang eher darauf, ihre Stellung in den Kernmärkten auszubauen anstatt in neuen Märkten Verluste anzuhäufen.

Aus diesem Grund legte auch der Kurs von Rocket Internet nach Bekanntgabe der Entscheidung zwischenzeitlich um knapp zehn Prozent zu. Die Investoren sehen es gerne, dass sich Rocket auf die erfolgreichen Märkte konzentriert anstatt sich einen kostspieligen Konkurrenzkampf zu leisten.