Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi nimmt die Lieferanten und das Management von Schlecker in die Pflicht. Die Unternehmen, die die insolvente Drogeriemarktkette mit Ware versorgen, „müssen jetzt ein Entgegenkommen zeigen“, sagte eine Verdi-Sprecherin der Berliner Zeitung. Sie fügt hinzu: „Leere Regale wären eine Katastrophe.“ Doch offenbar sind nicht alle Lieferanten bereit, sich daran zu halten: Als erstes großes Unternehmen hat Unilever seine Lieferungen an Schlecker eingestellt. „Solange die Situation unklar ist, müssen wir uns zurückhalten“, sagte ein Konzern-Sprecher.
Ziehen weitere Lieferanten nach, hätte das Folgen: Lücken im Sortiment führen dazu, dass Kunden wegbleiben. Die Einnahmen des Unternehmens schrumpfen und die prekäre finanzielle Situation der Drogeriemarktkette könnte sich schlagartig weiter verschlechtern. Aus diesem Grund hat der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz auch als eine seiner ersten Amtshandlungen Gespräche mit Lieferanten begonnen. Der Wirtschaftsprüfer ist „zuversichtlich, dass eine uneingeschränkte Betriebsfortführung kurzfristig sichergestellt werden kann.“
Arndt Geiwitz: Der Wirtschaftsprüfer aus Neu-Ulm ist vom Amtsgericht Ulm am Montag zum vorläufigen Insolvenzverwalter für die Drogeriemarktkette Schlecker bestellt worden. Geiwitz sei ein „sehr guter Insolvenzverwalter“, der schon viele Verfahren betreut habe, sagte der zuständige Richter Benjamin Webel. Geiwitz arbeitet bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Schneider, Geiwitz & Partner, die momentan auch das Insolvenzverfahren des Druckmaschinenherstellers Manroland verwaltet.
Kritik: Wolfgang Grupp, Chef des Bekleidungsunternehmens Trigema, lässt kein gutes Haar an der Unternehmehmensstrategie von Schlecker. Firmengründer Anton Schlecker habe das Geld, das er mithilfe seiner Beschäftigten verdient habe, für sich behalten oder in die Expansion des Unternehmens gesteckt. „Hier werden diejenigen belohnt, die dem Größenwahn und der Gier frönen, während die Anständigen die Dummen sind“, kritisierte Grupp, der wie Schlecker seinen Firmensitz in Schwaben hat. Auch nach Einschätzung der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat Schlecker sein Filialnetz lange stark ausgebaut, ohne in die einzelnen Geschäfte zu investieren. Hinzu kämen Dumpinglöhne für Beschäftigte.
Schlecker ist in die Zahlungsunfähigkeit gerutscht, weil das Unternehmen einen riesigen Berg an unbezahlten Rechnungen aufgetürmt hat – das Management wollte sie mittels eines Kredits begleichen, doch die Banken spielten dabei nicht mit. Das Weiterführen von möglichst vielen der knapp 7 000 Filialen hierzulande sichert auch die Jobs der Beschäftigten – etwa 35.000 Frauen und Männer sind von der Insolvenz betroffen. Geiwitz machte deutlich, dass er, die Familie Schlecker und das Management sich „den tarifvertraglichen Regelungen verpflichtet“ sehen.
Bei Schlecker gilt eine Reihe von Tarifverträgen. In Vereinbarungen, die bis Mitte 2012 gelten, wird geregelt, dass bei der Schließung von Filialen die fest angestellten Mitarbeiter als Springer für andere Standorte eingesetzt werden. Befristete Verträge werden nicht verlängert. Auch die Höhe der Abfindungen ist geregelt für Mitarbeiter, die das Unternehmen verlassen wollen. Schlecker hatte bereits 2011 etwa 800 Filialen dichtgemacht. Im ersten Quartal dieses Jahres sollten weitere 600 wegfallen. Verdi begrüßt das Bekenntnis zu den Tarifverträgen. „Das ist ein positives Signal für die Beschäftigten“ , so die Verdi-Sprecherin. Allerdings ist das noch keine Beschäftigungsgarantie. Am Wochenende kursierten Spekulativen, denen zufolge Schlecker die Insolvenz in erster Linie erklärt habe, um aus Tarifverträgen aus zusteigen.
Bis Ende März dürften die Beschäftigten ohnehin geschützt sein. Denn die Bundesagentur für Arbeit zahlt mutmaßlich für die Monate Januar, Februar und März Insolvenzgeld. Das bedeutet, die Behörde übernimmt die Aufwendungen für die Löhne und Gehälter der Beschäftigten, die von der Insolvenz betroffen sind.

Der Insolvenzverwalter ist bestellt, jetzt beginnt die harte Zeit der Neuordnung von Schlecker. Wir erklären, wie es mit der Kette weitergeht.
