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Schnelles Internet: „Glasfaseranschlüsse steuerlich absetzbar machen“

Nahaufnahme eines Glasfaserkabels.

Nahaufnahme eines Glasfaserkabels.

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imago stock&people

Der Ausbau der Netze fürs superschnelle Internet kommt nur langsam voran. Es ist enorm mühsam und teuer, Glasfaserleitungen in den Straßen zu verlegen. Die Ziele der Bundesregierung für den Breitbandausbau sind nach Ansicht von Wolfgang Heer, Geschäftsführer des Bundesverbandes Glasfaserkabel, nicht mehr zu erreichen. Er fordert mehr staatliche Hilfen für den Ausbau der Netze.

Herr Heer, 2014 soll für 75 Prozent der Haushalte ein schneller Internetanschluss mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von mindestens 50 Megabit pro Sekunde zur Verfügung stehen. Das hat sich die Bundesregierung zum Ziel gesetzt. Ist dieses Ziel noch erreichbar?

Dieses Ziel ist trotz aller Fortschritte beim Breitbandausbau wohl nicht zu erreichen. Wir sind im Moment bei gut 55 Prozent der Haushalte mit dieser Bandbreite.

Dabei hat die Bundesnetzagentur kürzlich die Regeln für den Einsatz der neuen Vectoring-Technik festgelegt, der den Breitbandausbau vorantreiben soll, so die Behörde. Wird das wirklich so passieren?

Vectoring ist zunächst einmal nichts anderes als eine Entstörtechnik für die letzte Meile, also für die Kupferdraht-Leitung zwischen dem Hausanschluss und dem grauen Kasten an der Straßenecke – dem Kabelverzweiger. Durch diese Entstörtechnik können Sie die Übertragungsgeschwindigkeit eines DSL-Anschlusses auf maximal 100 Megabit pro Sekunde verdoppeln. Diese Geschwindigkeit bieten heute bereits die Glasfasernetze, die bis in die Gebäude reichen, und die Kabel-TV-Netze. Die Vectoring-Entscheidung hilft damit zunächst der Telekom, mit der Konkurrenz gleichzuziehen.

Vectoring bringt uns also den Breitbandzielen für den ländlichen Raum, wo die größten Defizite bestehen, überhaupt nicht näher?

Nur teilweise, weil häufig die Voraussetzungen für den wirkungsvollen Einsatz von Vectoring gar nicht bestehen. Dort ist die letzte Meile oft sehr lang. Und mit der Länge der Leitung lässt die Geschwindigkeit nach. Trotzdem ist es im ländlichen Raum sinnvoll, Glasfaserleitungen näher an die Gebäude zu bringen, also von den lokalen Netz-Knotenpunkten bis zu den Kabelverzweigern. Das kann die Breitbandversorgung schnell und spürbar verbessern. Immerhin sind damit schon bis zu 50 Megabit möglich.

Garantieren die neuen Regeln, dass die T-Konkurrenz dabei auch künftig zum Zuge kommt?

Die Wettbewerber der Telekom, natürlich auch mein Verband, haben sich intensiv am Vectoring-Regulierungsverfahren beteiligt. Und deshalb ist im Vergleich zum ersten Entwurf der Bestands- und Rechtsschutz deutlich verbessert worden. Vereinfacht gesagt: Unternehmen, die ausbauen wollen, wissen nun einigermaßen verlässlich, woran sie sind. Wenn die EU-Kommission dem Regelwerk in den kommenden Wochen zustimmt, kann es weitergehen.

Ist mit Vectoring das Ende des Netz-Ausbaus erreicht?

Nein, ganz bestimmt nicht. Das Ziel muss ein flächendeckender Ausbau eines Netzes mit Glasfaserleitungen bis in die Häuser und Wohnungen sein. Dies macht dann eine Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu 1000 Megabit pro Sekunde möglich. Damit wird auch der künftige Hunger nach Bandbreite abgedeckt. Vectoring-Technologie kann zwischenzeitlich helfen, die alte Kupferleitung auf der letzten Meile sozusagen zu ertüchtigen, indem die Glasfaser – wie gesagt – den Wohnhäusern näher kommt.

Warum dieser Zwischenschritt?

Das hat verschiedene Gründe. Zum einen ist die Nachfrage nach superschnellen Internetanschlüssen noch wenig ausgeprägt. Stattdessen haben wir einen sehr harten Preiswettbewerb bei niedrigeren Bandbreiten. Das führt beispielsweise auch dazu, dass bislang nur wenige 100.000 Haushalte wirklich superschnelle Anschlüsse nutzen, obwohl diese bereits für fast anderthalb Millionen Haushalte zur Verfügung stehen. Zudem braucht auch der Ausbau der Glasfaser-Infrastruktur seine Zeit. Das ist keine Sache, die in wenigen Jahren erledigt ist.

Woran liegt das?

Wie gesagt, die Telekom hält sich zurück. Die Treiber des Ausbaus moderner Glasfasernetze sind vielmehr kommunale Unternehmen und die Töchter kommunaler Unternehmen. Wir hatten Ende vorigen Jahres bundesweit bereits 180 Unternehmen, die aber natürlich mit ihren Ausbauprojekten zum Teil noch am Anfang stehen.

SPD und Grüne fordern in ihren Bundestagswahlprogrammen, schnelle Internetanschlüsse zum Universaldienst zu erklären. Das heißt, jeder Haushalt hätte dann ein Recht auf solch einen Anschluss. Wäre dies ein Weg, den Ausbau zu beschleunigen?

Das Problem ist: Es ist zu wenig Kapital im Markt, um Hochleistungsnetze flächendeckend auszurollen. Würde das von der Politik angeordnet, müsste der Kuchen der Investitionsmittel anders verteilt werden. Geld müsste also aus ökonomisch sinnvollen Projekten in ökonomisch nicht sinnvolle Projekte verschoben werden. Das kann nicht der richtige Weg sein. Angesichts der hohen Kosten des Netzausbaus muss das Geld möglichst effizient eingesetzt werden.

Oder es muss mehr Geld in das System?

Da stimme ich zu. An die Politik geht die Forderung: Wenn ich in der großen Breitband-Jukebox die Musik bestelle, dann sollte ich auch bereit sein, den einen oder anderen Euro selbst einzuwerfen.

In welcher Form könnte das passieren?

Denkbar wäre, für Hauseigentümer die Einrichtung eines Glasfaseranschlusses steuerlich absetzbar zu machen. Denn selbst im städtischen Bereich kostet dies einmalig 1000 bis 1500 Euro. Und die Unternehmen, die Netze ausbauen wollen, brauchen Zugang zu günstigem Kapital. Hausbanken kommunaler Unternehmen tun sich da schwer, weil sie vielfach Netzinfrastruktur als Sicherheit nicht anerkennen wollen. Da muss noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden. Zum anderen wäre es denkbar, dass der Staat für die Absicherung der Kredite gerade steht.

Ist die Skepsis gegenüber Investitionen in Glasfasernetze nicht berechtigt? Besteht nicht die Gefahr, dass die neue Mobilfunktechnik LTE die Leitung im Boden eines Tages überflüssig macht und damit entwertet?

LTE befriedigt im Wesentlichen das Bedürfnis nach mobiler Internetnutzung. Es bleibt aber ein Shared Medium, das heißt, die in einer Funkzelle verfügbare Bandbreite fällt mit steigenden Nutzerzahlen. LTE ist damit kein Ersatz für ein leistungsfähiges Festnetz.

Was macht Sie so optimistisch?

Telekommunikationsnetze haben sich längst zu Lebensadern entwickelt. Und sie bekommen zunehmend neue Aufgaben. Ein Beispiel: Durch den Ausbau und die dezentrale Einspeisung erneuerbarer Energien brauchen wir intelligente Energienetze. Es müssen in Echtzeit Daten transportiert werden, um die Stromversorgung zu regeln. Nehmen wir mal an, nachts um 2 Uhr haben wir enorm viel Windstrom. Dieser Strom könnte in einem intelligenten Energienetz genutzt werden, um Kühlhäuser über das normale Maß herunterzukühlen. Dadurch kann das Kühlhaus tagsüber, wenn der übrige Strombedarf hoch ist, mit weniger Energie betrieben werden. Die dafür notwendige Netzsteuerung organisiert man am besten über hochleistungsfähige und ausfallsichere Glasfasernetze.

Das Gespräch führte Frank-Thomas Wenzel.