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Senkung der Lebensmittelpreise: Aldi sendet falsche Signale an Verbraucher

Mit Rotstift-Aktionen will Aldi sein Preisimage schärfen.

Mit Rotstift-Aktionen will Aldi sein Preisimage schärfen.

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dpa

Berlin -

Aldi hat an diesem Montag die Preise gesenkt, für Vollmilch, Quark und Sahne, für Bratwurst, Hack und Koteletts. Damit läutet der Discounter bereits zum zweiten Mal binnen weniger Wochen eine Preissenkungsrunde ein, der sich andere große Lebensmittelketten wie Lidl, Rewe und Edeka mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anschließen werden.

Erst vor einem Monat hatte Aldi einen Nachlass von mehr als zehn Prozent auf Käse und Sahneprodukte verkündet. Die nun gemeinsam von Aldi Nord und Aldi Süd beschlossene Ermäßigung um zehn auf 59 Cent für den Liter Vollmilch entspricht einem Rückgang um fast 15 Prozent.

Einfuhrstopp in Russland

Hauptgrund für die sinkenden Verbraucherpreise ist der russische Einfuhrstopp für Milchprodukte und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse, als Reaktion Moskaus auf die Wirtschaftssanktionen der EU wegen der Ukrainekrise. Dadurch fällt für die deutschen Landwirte ein wichtiger Nachfrager bis auf weiteres aus – und nicht nur für die deutschen, sondern auch für die Agrarerzeuger in anderen EU-Ländern.

Ein rasches Umlenken der Ausfuhren in andere aufstrebende Märkte wie China und Indien ist im Lebensmittelbereich aufgrund von Exportlizenzen und anderer  bürokratischer Hürden kurzfristig nicht möglich. In der Folge entsteht ein europaweites Überangebot an Milch, Fleisch und einzelnen Obstsorten.

Anbieter aus Nachbarländern drängen deshalb vermehrt auf den größten Absatzmarkt innerhalb der EU, nämlich nach Deutschland. Milcherzeugnisse aus den Niederlanden ergänzen das ohnehin breite deutsche Angebot. Dänisches Schweinefleisch, das bis vor kurzem noch nach Russland geliefert wurde, übt zusätzlich Druck auf die hiesigen Erzeuger aus und lässt die Preise  für Bratwurst und Schnitzel purzeln.

Nach zwei  guten Jahren, die der deutschen Landwirtschaft  aufgrund des weltweit steigenden Bedarfs an Nahrungsmitteln kräftig steigende Erzeugerpreise bescherten, können vor allem große Betriebe einen zeitlich begrenzten Preisverfall durchaus verkraften. Kleinere Milcherzeuger und Mäster hingegen geraten nach Auskunft des Deutschen Bauernverbands schnell an die Schmerzgrenze. Sollte sich der Trend fortsetzen, sind Proteste der Milchbauern und anderer Landwirte, wie sie es bereits 2009 und 2010 in vielen EU-Ländern gegeben hatte, nicht auszuschließen.

Bio gibt es nicht zum Nulltarif

Auch den Verbrauchern können sinkende Lebensmittelpreise, so günstig er sich kurzfristig auf die Haushaltskasse auswirken mögen, nicht ohne weiteres recht sein. Denn den Bemühungen, mehr Tierschutz und damit höhere Qualitätsstandards in der konventionellen Landwirtschaft zu verankern, laufen immer niedrigere Preise zuwider. Artgerechtere Haltungsbedingungen und Mastmethoden sind zum Nulltarif nun einmal nicht zu haben. Insofern ist die jüngste Entwicklung auch für die von den Mastbetrieben, Schlachtereibranche und Lebensmittelhandel angekündigte „Initiative Tierwohl“ , die von Januar 2015 an das Aufwachsen der Tiere in deutschen Ställen erträglicher gestalten soll, gewiss kein gutes Vorzeichen.

So erscheinen die neuesten Preissenkungsrunden auf der einen Seite als marktkonforme Reaktion auf ein wachsendes Überangebot – und  auf der anderen Seite als ein völlig falsches Signal.


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